Während langsam die Sonne über Berlin unterging, arbeiteten sich Familien von Station zu Station, den Turm des Französischen Doms bis zur Aussichtsplattform hinauf. Bei der Familiennacht am Samstagabend beantworteten sie Fragen, führten Diskussionen, füllten nach und nach den ausgehändigten Demokratie-Pass aus.

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In diesem Jahr stand die Familiennacht unter dem Motto „Familie: Wo Zukunft entsteht und Demokratie beginnt“. Über 150 Orte in Berlin und im Umland öffneten zwischen 17 und 24 Uhr ihre Türen und luden zu spannenden Erlebnissen ein – viele davon kostenlos oder zu günstigen Preisen. Darunter zum Beispiel die Gedenkstätte Berliner Mauer, der ehemalige Flughafen Tempelhof oder die Zitadelle Spandau. Und eben auch der Französische Dom und die Körperwelten, denen die Berliner Morgenpost einen Besuch abstattete.
Am Beispiel der Hugenotten demokratische Werte verstehen
Der Französische Dom sei bereits zum dritten Mal dabei, so Projektleitung Anne Heinemann. In diesem Jahr standen die Hugenotten im Vordergrund, die im 17. Jahrhundert Frankreich verlassen mussten, weil sie dort ihren Glauben nicht mehr frei ausleben konnten. Sie planten und bauten die Französische Friedrichstadtkirche sowie den Turm des Doms.
Am Beispiel der Hugenotten verhandelten die Familien Themen wie demokratische Werte und Kompromissfindung. „Die Aufgaben und Fragestellungen haben bereits zu Diskussionen geführt“, sagte Mama Verena lachend. Zusammen mit ihrem Sohn Armin und ihrem Mann Ivo beriet sie über eine Aufgabenstellung im Treppenhaus des Turms. „Es ist toll, so Demokratie in der Familie zu erleben“, fügte ihr Mann Ivo hinzu. Der zwölfjährige Armin wiederum war hauptsächlich davon genervt, dass er als Schriftführer den Demokratie-Pass ausfüllen sollte.
Berliner Familiennacht: „Voll cool“
Luke Kühne und seine Eltern hatten den Pass schon fertig beantwortet und genossen die Aussicht über Berlin. Luke hatte die Frage „Was mitnehmen, wenn man mit seiner Familie fliehen muss und nur drei Dinge mitnehmen darf?“ besonders gefallen. Während er sich für sein Lieblingsspielzeug entschieden hatte, hatte Mama Nicole Kleidung gewählt und Vater Marc Kühne sich für Geld entschieden. Nicole Kühne war besonders die Frage in Erinnerung geblieben, was für das familiäre Zusammenleben wichtig ist. „Ich finde ja, Zuhören ist grundlegend. Wenn man sich gegenseitig nicht zuhört, ist alles andere ja irrelevant.“

Für die Kühnes war es nicht die erste Familiennacht. Sie waren im vergangenen Jahr bereits bei der Taschenlampenführung im Flughafen Tempelhof. „Die Tour war voll cool“, erinnerte sich Luke. Und auch am vergangenen Samstag ging es noch weiter. „Zum Action-Painting auf der Feuerwache – das ist voll unser Ding“, war sich Mama Nicole sicher.
Demokratie wird hier großgeschrieben, das ist wichtig für die Kinder.
Cristina Leiding, Mutter und Besucherin der Familiennacht
Auch Familie Leiding aus Neustadt an der Aisch war den Turm des Französischen Doms erklommen und hatte dabei die Fragen des Demokratie-Passes diskutiert und beantwortet. Selbst als Touristen hatten sie von der Familiennacht erfahren und sich für den Besuch im Französischen Dom entschieden. „Demokratie wird hier großgeschrieben, das ist wichtig für die Kinder“, begründete Mutter Cristina Leiding die Entscheidung. Auch hier wurden Fragen teilweise unterschiedlich beantwortet. Einig hingegen waren sich alle, sowohl Tochter Sophie als auch Sohn Jan-Philipp und die Eltern: Der Spaßfaktor war gegeben.

Unweit vom Französischen Dom tummelten sich in der Zwischenzeit Familien auf der Ausstellungsfläche der Berliner Körperwelten am Alexanderplatz zwischen Körperplastinaten. Während es draußen dunkel wurde, bestaunten sie verschiedene menschliche Organe: von Augen über Herz und Gehirn.
Nachts in den Körperwelten
Auch die Körperwelten nahmen bereits zum wiederholten Mal an der Familiennacht teil, so Kerstin Stitz von den Berliner Körperwelten. Anlässlich der Familiennacht hatte das Museum bis 22 Uhr geöffnet und bot vergünstigte Eintrittspreise: Eine Kinderkarte kostete statt der üblichen 19 nur 8 Euro und eine Erwachsenenkarte 10 anstelle von 25 Euro.

Der elfjährige Tim betrachtete gerade mit seinen Eltern Annika und Sebastian Lungenplastinate: den Vergleich einer schwarzen Raucherlunge neben einer Nichtraucherlunge. „Ich hatte mir schon lange einen Besuch in den Körperwelten gewünscht“, berichtete Tim. „Und dann hatte ich am Freitag Geburtstag und hab die Eintrittskarte für die Familiennacht in den Körperwelten bekommen“, strahlte er. Am meisten beeindruckt habe ihn der sieben Meter lange Darm.
Auch die neunjährige Maja hatte sich den Besuch der Körperwelten gewünscht, „um Menschen von innen“ sehen zu können. Ausführlich begutachtete sie mit ihren Eltern jedes einzelne Exponat. Die Familiennacht biete sich besonders wegen der außergewöhnlichen Besuchszeit und der attraktiven Preise an, so ihr Vater.





