Vor fünf Jahren wurde bereits der symbolische Grundstein für das House of One neben dem Haus Petri gelegt. Einer Kirche für Muslime, Christen und Juden, deren Bau voraussichtlich 40 Millionen Euro kosten wird. Doch dann geschah optisch nichts mehr. Der weltweit einzigartige Sakralbau will drei Weltreligionen friedlich unter einem Dach vereinen und das Verständnis und den Austausch untereinander fördern. Auch wenn das Gebäude voraussichtlich erst 2030 fertiggestellt sein wird, sind die Akteure weiterhin fest davon überzeugt, dass das Projekt eine enorme Bedeutung hat: „Ohne Religion ist sozialer Friede in Berlin nicht herstellbar“, ist Pfarrerin Marion Gardei sicher.

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Am Dienstag wurde symbolisch ein großer Spendenscheck in Höhe von 87.813,70 Euro von der Bethe-Stiftung und der Hele Avus Stiftung überreicht. Das Motto der erfolgreichen Spendenkampagne lautete: „Team Spirit – verschieden glauben, gemeinsam handeln“. Sie war vom House of One zusammen mit den Berliner Profi-Volleyballern der BR Volleys am 31. Januar gestartet worden. In drei Monaten sei es dem House of One gelungen, 114.906,67 Euro an Spenden einzuwerben. Insgesamt stünden jetzt 202.720,37 Euro zur Verfügung.

Das gesammelte Geld soll zur Hälfte für den Bau und zur anderen Hälfte zur Deckung der wachsenden Nachfrage nach Bildungsprojekten genutzt werden. Auch für die Infrastruktur auf der Baustelle werden Gelder benötigt. „Im Sommer können wir hier ohne Dach überm Kopf mit Gruppen arbeiten. Aber im Winter sind Container die Voraussetzung für Bildungsarbeit“, erklärt Rabbi Andreas Nachama. „Wir haben mittlerweile sechs Referenten, die immer im Dreierpack auftreten.“ Zudem gebe es einmal im Monat Friedensgebete an wechselnden Orten und offene Abende.

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Warum es nicht losgeht mit dem Bau

Geht es jetzt los mit dem Bau? „Wir hoffen ganz bald“, erklärt die evangelische Pfarrerin Marion Gardei, die zugleich Antisemitismusbeauftragte ihrer Kirche ist. „Es kann jetzt ganz zügig vorangehen oder Jahre dauern.“ Die veranschlagte Summe in Höhe von 40 Millionen Euro liegt vor, doch das Bundesamt für Bauwesen muss den architektonischen Entwurf noch genehmigen. Der Weg zur Genehmigung könne eventuell ein weiter sein. Gardei ist dennoch guten Mutes: „In der Bibel gibt es ein schönes Bild vom Haus der lebendigen Steine, und diese Steine sind die Menschen, die sich freiwillig für das House of One engagieren.“ Das Gebäude sei natürlich wichtig, aber noch wichtiger sei, dass es inhaltlich mit Leben gefüllt sei. Und daran wird unter Hochdruck gearbeitet.

Tag der offenen Tür auf der Baustelle des House of One am 26. Mai in Berlin. Das Grundstück nahe dem Spittelmarkt ist noch unberührt.
Tag der offenen Tür auf der Baustelle des House of One am 26. Mai in Berlin. Das Grundstück nahe dem Spittelmarkt ist noch unberührt.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Ein weiterer Grund für die Verzögerung: Wegen der massiv gestiegenen Baupreise muss das Berliner Vorzeigeprojekt House of One deutlich abspecken. Fünf Jahre nach der Grundsteinlegung des interreligiösen Zentrums in Berlin-Mitte explodierten die prognostizierten Kosten zuletzt auf fast 70 Millionen Euro. Um diese Preisspirale zu durchbrechen, steuert die Stiftung nun um: Das Budget soll strikt im Rahmen der staatlichen Fördergelder von rund 40 Millionen Euro bleiben, wie Stiftungsratschef Andreas Nachama betonte.

Für das Gebäude bedeutet das laut Verwaltungsdirektor Roland Stolte handfeste Änderungen. Statt klassischem Mauerwerk kommt nun Beton zum Einsatz. Die Haustechnik wird vereinfacht, und einige Räume werden gestrichen. Die grundlegende Raumaufteilung und die Funktion des Baus bleiben davon jedoch unberührt: Es wird drei separate Gebetsräume für Muslime, Christen und Juden geben. In der Mitte ist ein neutraler Raum zur Begegnung aller Menschen geplant, der völlig ohne religiöse Symbolik auskommt.

Das ist der neue Zeitplan

Nach der offiziellen Grundsteinlegung im Mai 2021 ist bisher bautechnisch nichts passiert. Dafür waren die Mitglieder im House of One besonders aktiv bei interreligiösen Bildungsprojekten für Schulen und Unternehmen. Im Jahr 2025 habe man über 6000 Workshops anbieten können, über 2000 von ihnen an Schulen, wie der Imam Osman Örs der Morgenpost verriet. Dieses Engagement, das auch vom Berliner Senat für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt gefördert wird, soll nach den Worten Nachamas und Stoltes nicht gefährdet werden, indem man immer mehr Geld in das Bauvorhaben fließen lässt.

Visualisierung des House of One: Die drei Weltreligionen erhalten jeweils separate Gebetsräume, in der Mitte trifft man sich.
Visualisierung des House of One: Die drei Weltreligionen erhalten jeweils separate Gebetsräume, in der Mitte trifft man sich.© Kuehn Malvezzi | Kuehn Malvezzi

Wie Stolte erläuterte, sieht der neue Zeitplan für das Gebäude vor, dass die abgespeckte Variante mit den Geldgebern Bund und Land bis Mitte des Jahres abgestimmt ist. Dann folgen Neuplanungen etwa bei der Statik und die Klärung rechtlicher Fragen, ehe Anfang 2028 Baubeginn sein soll. Klappt alles, könnte das House of One Mitte 2030 eröffnen. Das wären etwa fünf Jahre später als ursprünglich angedacht.