Nur, wer den Club sucht, wird ihn auch finden. Alle anderen stehen in einem klassischen Späti im S-Bahn-Bogen an der Dircksenstraße 114, direkt auf dem Alexanderplatz.

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Aber der Eingang befindet sich links neben dem Späti-Tresen, die Garderobe ist gleich an der Rückseite des Verkaufsraums. Von dort führt eine Wendeltreppe hinab in den Club. Nach Monaten der Sanierung ist aus den Räumen eines etwas suspekten Keller-Casinos ein Club geworden. Schwarze Wände, zwei Dancefloors, eine Chill-out-Area mit Bar.
Dahinter steckt der gelernte Koch und erfolgreiche Barbetreiber Robert Havemann („Velvet Bar“ in Neukölln). Ihm gehört das „Amt“. Die Soft-Opening-Phase läuft bereits. Offizielle Eröffnung ist am 6. Juni. Die Morgenpost führt er nun exklusiv durch die Räume, die der Deutschen Bahn gehören.
Wartenummer per Handy ersetzt Schlangestehen vor dem Club
„Langwierig und nicht ohne Probleme“ sei die Zusammenarbeit mit der Bahn gelaufen, sagt er ehrlich seufzend angesichts des erfolgreichen Endes. Die Arbeit mit den Ämtern des Bezirks sei hingegen „ganz anders als erwartet“ gewesen. Sie hätten sehr viel geholfen und schnell Lösungen gefunden. Und so ist die Namensgebung vielleicht auch eine zarte Hommage an die Behörden.
Aber eigentlich geht es um die Art des Einlasses: Man zieht eine Wartenummer, analog oder digital übers Handy, und muss nicht ewig in der Warteschlange stehen. Sondern kann nebenan etwas essen oder beim Späti was trinken. Über Handy wird man informiert, wann man rein darf. „Wir haben hier eine harte Tür“, gibt Havemann bereitwillig zu. Damit die Partys harmonisch laufen und nicht im Stress enden. Ob jemand reinkomme, hänge aber nicht an Äußerlichkeiten, sondern am „passenden Vibe“.

In den Räumen ist es wie bei fast allen Abendlokalitäten: Der Zauber zieht erst mit Gästen, Uhrzeit, Musik und Licht ein. Aber es lässt sich vorstellen, dass man hier gut feiern kann. Fotos sind im Club verboten, fürs Porträt erteilt der Chef eine kleine Ausnahme. Bedingung: Kaum etwas vom Club soll zu erkennen sein.
Innovatives Klang- und Lichtdesign schafft einzigartiges Clubambiente
Aber beschreiben kann man: die Wände schwarz, viele Stahlrohre und Gitter. Im Barbereich eine Wand, die mit Kreidezeichnungen bedeckt ist. Die beiden Arbeitsplätze der DJs sind Rohrkäfige. Die Technik stammt von Berliner Ton-Spezialisten Kirsch Audio. Nicht nur in die Subwoofer wurde Geld gesteckt, sondern auch in die Dämmung. „Wir drücken eine komplette Basswelle durch den Raum, hinten wird sie dann absorbiert.“ Das verhindert Interferenzen und sichert einen sauberen Klang. Das ist ihm wichtig, sein Vater war der klassische Pianist Bernhard Wambach, er selbst ist gern in der Philharmonie. Dazu auch ein Lichtkonzept mit LED, die in verschiedenen Weißtönen leuchten und in der Frequenz bis zum Stroboskop blinken können.
Wir haben auch Partys, wo die Leute nackt sind.
Robert Havemann, Bar- und Clubbetreiber
Für wie viele Leute der Club gedacht ist, soll im Vagen bleiben. Auch die Anzahl der Bügel an der Garderobe gebe keine verlässliche Antwort, versichert Havemann lachend. „Wir haben auch Partys, wo die Leute nackt sind, und da geben sie viel Kleidung ab, brauchen mehrere Bügel pro Person.“ Das sagt er so einfach. Und so einfach ist es auch. Sie seien ein Club mit sexpositiver Haltung. Leute aller Gender kommen zum Feiern. Wenn sich mehr ergibt, spielt der Club nicht Moralapostel. Bei einzelnen Veranstaltungen wird es auch einen Darkroom geben.
Viele Berliner Club-Geschichten haben in einem Keller begonnen. Aber so gut ausgebaut war wohl noch keiner. „Eine hohe sechsstellige Summe“ habe er zusammen mit einem Investor, den er erst während der Bauarbeiten kennengelernt hat, ausgegeben. „Man kann das heute nicht mehr so machen wie früher. Hochnäsigkeit allein reicht nicht mehr, man muss auch etwas bieten“, sagt er und lacht. „Ich habe versucht, all das besser zu machen, was mich am Clubleben sonst stört.“

Robert Havemann trägt einen bekannten Namen. So hieß auch der Chemiker, Kommunist, Nazi-Widerstandskämpfer und in der DDR erst hochdekorierte, dann wegen seiner Kritik in Ungnade gefallene Dissident. Er ist sein Opa, der Vater seiner Mutter Sybille. Sie bekam zwei Kinder mit Wolf Biermann, nach der Trennung heiratete sie den Pianisten Bernhard Wambach.
Robert Havemann ist zweisprachig in Frankreich aufgewachsen, hat gutes Essen schätzen gelernt, ging schon als Kind mit Freunden in seiner Freizeit in Restaurants, wurde Koch, kam 2004 wieder nach Berlin. Nun wohnt er in Moabit. Auch DDR-Architekt Hermann Henselmann gehört zur erweiterten Familie. „Jedes Mal, wenn ich durch die Frankfurter Allee fahre, denke ich: Die hat der Mann von Tante Isi gebaut.“
Club setzt auf zentrale Lage und günstige Eintrittspreise
Nun versucht er sein Glück im Schatten des Fernsehturms von Henselmann. Eine Immobilie, die er zwar eher zufällig im Internet gefunden habe, und die er schätzt, weil sie so zentral liegt und weil ein Techno-Club für ihn eher an einen „rauen Ort wie den Alexanderplatz gehört und nicht etwa an den Kudamm“.
Der Eintritt soll bei 15 bis 20 Euro liegen, das Bier bei 3,50 Euro. Günstige Preise, vielleicht in seiner „sozialistischen Familie“ begründet. Der Späti als Teilgeschäft am Eingang sei eine gute finanzielle Absicherung. Und gerade durch die langen Bauarbeiten am Bahnhof Alexanderplatz mit den Geschäftsschließungen laufe bei ihnen das Geschäft gut. Ein Glücksfall, um den jungen Club beim Laufenlernen zu unterstützen. Aber es gehe ihm nicht darum, reich zu werden. „In meiner Familie war Geld nicht cool. Man macht die Dinge, weil man etwas Relevantes machen möchte. Aber es muss sich natürlich tragen.“





