Vier Museen nahe dem Berliner Hauptbahnhof haben sich zusammengetan, um mehr Besucher anzulocken. Das Konzept hat sich bereits in Bonn sehr bewährt, wo sich fünf renommierte Häuser zur „MuseumsMeile“ vereinigt haben. In Berlin arbeiten jetzt das Medizinhistorische Museum der Charité, das Futurium, der Hamburger Bahnhof und das Naturkundemuseum zusammen, um ihre bisher eher „unterbelichteten“ vier Museen besser bekannt zu machen. Das Motto der Aktion lautet „Wissen, Kunst, Zukunft“. Welche Ideen die Direktoren für das Pushen ihrer vier Museen haben, verrieten sie am Montag der Öffentlichkeit.

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„Wir sind nicht die Museumsinsel und wir sind auch nicht das MuseumsQuartier Wien“, hieß es bei der Presse-Veranstaltung. Aber zusammengenommen habe man mehr Besucher als die Museumsinsel – nämlich rund zwei Millionen im Jahr. Die vier Museen seien nur fünf bis zehn Fußminuten voneinander entfernt. „Viele Touristen spazieren schon jetzt vom Hauptbahnhof zum Parlament an unseren Häusern vorbei“, so Stefan Brandt.

Quartiers-Fest und Spazier-Führungen

Den Auftakt für die Initiative MuseumsMeileMitte macht ein Stadtteilfest am 13. Juni, zu dem alle herzlich eingeladen sind. Es wird außerdem eine Spazier-Führung geben. Das Fest am 13. Juni wird von den Beteiligten vier Häusern und dem Freundeskreis Hamburger Bahnhof realisiert.

„Die Initiative ist nicht von oben verordnet, sie kommt aus uns heraus“, betonte Johannes Vogel. Tatsächlich flossen keine öffentlichen Gelder. Für die MuseumsMeileMitte steht der CA Immo, die auch einen großen Teil des Europa-City-Quartiers rund um die Heidestraße errichtet hat, aber ein nicht näher genannter sechsstelliger Betrag zur Verfügung. Umliegende Unternehmen wie KPMG, 50Hertz und die Deutsche Bahn (DB) unterstützen die Initiative zudem mit Energie und Sachleistungen.

Vorerst kein gemeinsames Ticket

Die Programme der vier Museen richten sich mit ihrem Themenfokus vorwiegend an Kinder und junge Erwachsene. Wie am Montag zu erfahren war, wird es zunächst kein gemeinsames Ticket für die Museen geben, da man mit unterschiedlichen Systemen arbeite. Man plane aber gemeinsame Veranstaltungen und Events, auf denen der Eintritt zu allen vier Häusern frei sei. Diese sollen nach und nach auf der gemeinsamen Website MuseumsMeileMitte veröffentlicht werden.

KI Robbe Museumsdirektor Futurium Museumsmeile Mitte Hörsaal Ruine Charité Campus
Zukunftsmusik in der Hörsaalruine auf dem Charité-Campus: Futuriums-Direktor Stefan Brandt stellte als Beispiel für seine Museumssammlung am Montag ein mit KI ausgestattetes Robben-Plüschtier vor. Es kann weinen und hilft dadurch, mit Demenzkranken in Kontakt zu treten. © BM | Iris May

Beim Pressetermin erläuterten die Museumsdirektoren durch mitgebrachte Objekte ihre jeweiligen Museen. Naturkundemuseumsleiter Johannes Vogel schilderte eindrücklich, wie Meteoriten Wasser auf die Erde brachten, die ursprünglich ein Feuerball war. Monika Ankele vom Medizinhistorischen Museum der Charité hatte eine Schnabeltasse mitgebracht, wies aber augenzwinkernd darauf hin, dass es weitaus eindrucksvollere Gegenstände der Sammlung gebe, wie den Blinddarm von Friedrich Ebert.

„Quartiersentwicklung mit den Mitteln der Kultur“

Die Initiative NeueMuseumsmeileMitte sei im Grunde eine „Quartiersentwicklung mit den Mitteln der Kultur“. Martin Löcker, Geschäftsführer der CA Immo Deutschland, sagte, dass man auf dem Europaplatz Nord bereits 15 neue Bäume gepflanzt habe. Generell solle das ganze Quartier „sehr, sehr grün“ werden. Insgesamt würden noch sieben Häuser rund um den Hauptbahnhof entwickelt.

Auch der Hamburger-Bahnhof-Direktor Till Fellrath schwärmte von den „bereits existierenden Orten mit fantastischer Aufenthaltsqualität im Quartier“. Als Beispiel nannte er den Otto-Weidt-Platz nahe dem Golda-Meir-Steg, wo soeben ein Wochenmarkt vom Bezirk abgelehnt worden war.

Erneuerung der Lichtkunst am Hamburger Bahnhof

Passend zur Bekanntgabe der Initiative des neuen Museumsquartiers wurde auch die ikonische Lichtinstallation „Untitled“ des US-amerikanischen Künstlers Dan Flavin (1933–1996) an der Fassade des Hamburger Bahnhofs erneuert. 1996 war sie zu einem weithin sichtbaren Akzent im Stadtraum geworden. Die Leuchtstoffröhren mit fluoreszierendem Licht hatte Flavin zur Eröffnung des Hamburger Bahnhofs – Nationalgalerie der Gegenwart speziell für die Fassade und die historischen Seitenflügel des Gebäudes entworfen.

Revision an der Lichtkunst von Dan Flavin am Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart
Seit 30 Jahren prägt Dan Flavins Lichtkunst die Fassade des Hamburger Bahnhofs – Museum für Gegenwart in Berlin-Mitte. Im Mai 2026 wurden die Lampen ausgetauscht.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Ob die Initiative der vier Museen Wirkung zeigen wird? Wird das Europa-Quartier, das viele immer noch als ein gesichtsloses Quartier aus der Retorte empfinden, dadurch zu einem „lebendigen Zukunftsquartier“? Hamburger-Bahnhof-Direktor Till Fellrath merkte am Montag an: „Das Viertel war immer ein Übergangsviertel zwischen dem Ortsteil Mitte und Moabit. Sicher ist, dass die vier Museen rund um den Berliner Hauptbahnhof sehr attraktiv sind. Mit einem Programm von über 20 Ausstellungen im Jahr und 6000 Führungen auf über 20.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche vermitteln die Häuser wertvolle Inhalte zur Frage: ,Wie wollen wir in Zukunft leben?‘“