Zum Internationalen Presseempfang anlässlich der 76. Berlinale hatte der Red Club am Dienstagabend ein paar handverlesene Gäste in Berlins edlen China Club geladen – Filmemacher, TV-Journalisten, Autoren und Interessierte waren gekommen. Manche waren noch dabei, ihren Input vom World Forum oder der Cinema for Peace Gala zu verarbeiten. Die anstehende Fusion der Streamingplattform Netflix mit dem legendären Filmstudio Warner Bros. bereitet einigen Filmemachern Sorgen. Aber auch die Abwanderung vieler Dreharbeiten ins Ausland und ganz allgemein die Zukunft Deutschlands.

„Die Welt kippt an vielen Stellen - Unterhaltung ist schön aber wichtig ist Haltung“, sagte Gastgeberin Michaela Mumm von Oldenburg. Sie kritisierte offen die Aussage von Jury-Präsident Wim Wenders auf der Berlinale-Eröffnungsgala, dass Kunst sich aus der Politik heraushalten solle. Mehr als 80 Künstler, darunter Tilda Swinton, Nan Goldin und Mike Leigh, veröffentlichten einen offenen Brief im Branchenblatt „Variety“, der genau das Gegenteil fordert.

Red Club-Gründerin Mumm warnte in ihrer Ansprache im China Club davor, dass die Demokratie von innen ausgehöhlt werden könnte: „Durch Gleichgültigkeit, Desinformation, Angst und Wegsehen.“ Sogar „leichte Filme“ wie „Ziemlich beste Freunde“ hätten eine politische Aussage: „Ein Rollstuhlfahrer, der Glück erlebt – und ein Mann, der als migrantischer Außenseiter beginnt und durch Beziehung, Arbeit und Vertrauen einen Platz findet.“

Sich als Jury „aus der Politik herauszuhalten“ sei ein Luxus den nicht alle haben. Mit Filmen Leid sichtbar machen sei wichtiger als Neutralität. Die Rede wurde mit großem Applaus beantwortet. Filmproduzentin Fabia Mendoza plant gerade eine Doku über Frauen mit Gewalterfahrungen vor Gericht. Auch das ein Politikum.



