„Wirkliche Gleichstellung zwischen Mann und Frau wird erst in über 123 Jahren erreicht sein, wenn sie in der Geschwindigkeit vorangeht wie bisher. Wer von euch wird dann noch am Leben sein?“ Die rein rhetorische Frage von Michaela Mumm-von Oldenburg beim Red Club Neujahrsempfang in Berlins exklusivem China Club im Gebäudekomplex des Hotel Adlon erzeugt herzliches Gelächter, auch beim jüngsten Gast, einer 18-jährigen Startup-Gründerin.

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Die zitierte Zeitspanne basiert auf dem aktuellen Global Gender Gap Report des Weltwirtschaftsforums (WEF), der seit 20 Jahren Daten der einflussreichsten Wirtschaftsnationen auswertet. Deutschland rangiert im Gleichstellungs-Vergleich 2025 auf Platz 9 mit 80,3 Prozent Geschlechtergleichheit. Island landet seit Jahren auf dem ersten Platz mit über 92 Prozent.
Ausgebremst und unterschätzt
Viele der rund 100 erfolgreichen Unternehmerinnen im Salon des Adlon, die sich beim Red Club Neujahrsempfang treffen, haben selbst erfahren, wie sie als Frau immer wieder unterschätzt, ausgebremst oder durch unbezahlte Care-Arbeit für Kinder und Familie in Abhängigkeit geraten sind. Trotzdem haben sie eigene Unternehmen gegründet und sich nach oben gekämpft. Doch kaum eine dieser Frauen spricht darüber. Handeln und Leisten, nicht Reden oder Klagen, ist hier die Devise.

Die Berliner Rechtsanwältin Mumm-von Oldenburg gründete 2019 den Red Club , ein internationales weibliches Business-Netzwerk für Frauen mit 40.000 Kontakten. In Scheidungsprozessen verhandelt sie bestmögliche Ergebnisse für Frauen mit dem Ziel, die überwiegend Frauen betreffende Altersarmut zu bekämpfen. Immer wieder erhält sie bei ihrer Arbeit Einblicke in Ehen aus allen Gesellschaftsschichten, die von Abgründen aus Gewalt und toxischer Männlichkeit geprägt sind.
Der Red Club ist das Herzensprojekt der Anwältin, die seit über 30 Jahren juristisch tätig ist. Dabei ist ihr wichtig, dass der Club weiter wächst und an Bedeutung erlangt, um so sicherzustellen, dass Frauen besser positioniert werden können.
CEOs, Adelige, Gründerinnen, Ärztinnen
Im Red Club werden nicht nur nützliche Business-Allianzen geknüpft, hier wird auch Insiderwissen ausgetauscht. Nebenbei möchte man auch zusammen Spaß haben. Gutes Essen und Musik gehören bei fast jedem Treffen dazu. Die meisten Frauen im Club tauchen selten oder nie in einer Zeitung oder Zeitschrift auf, weil sie privat bleiben wollen. Prinzessin Theophana von Sachsen ist so eine Dame. Nur ganz selten folgt sie einer Einladung von Modedesigner Harald Glööckler oder zeigt sich bei den Freunden des Deutschen Herzzentrums. Ebenso privat ist das Leben der Crypto-Expertin Deborah zu Hohenlohe, die gelegentlich zum Red Club-Netzwerk dazustößt.

Die Frauen, die sich in dem Netzwerk austauschen und gegenseitig unterstützen, tragen auf sehr unterschiedliche Weise dazu bei, dass die Gesellschaft funktioniert. Man trifft sich in Monaco, Paris, Düsseldorf, München oder eben in Berlin, wo der Red Club seinen Hauptsitz hat. Schirmherrin Claudia Neu kommt regelmäßig aus Göttingen, wo sie als Professorin für Soziologie unter anderem zu Einsamkeit und Ressentiments forscht. Die Charité-Geburtshilfe-Koryphäe Oyedupe Gläsmann kämpft in ihrer eigenen Praxis um Frauengesundheit und die Digitalisierung des Mutterpasses.
Die Architektin Johanna Dolfen-Weber entwickelt Berliner Immobilien, die aus rechtlichen Gründen zu einem Lost Place geworden sind, zu bezahlbarem Wohnraum. Eine der bekanntesten Ur-Berlinerinnen, die Galeristin Jutta Gerhold, früher mit Nachtclub-Ikone Rolf Eden liiert, handelt seit Jahrzehnten weltweit mit Berliner Kunst.
Beautymedizinerin Aleksandra Stiglic kämpft im Rahmen des Longevity-Hypes bei ihren ästhetischen Behandlungen um wirkungsvolle Maßnahmen und das rechte Maß. Und Mathematikerin Anastasia Galani, früher Software-Entwicklungsleiterin bei Siemens Nixdorf, entwickelt mit ihrer Firma Galaniprojects seit 21 Jahren KI-basierte Software für Großunternehmen wie Axel Springer oder Volkswagen.
„Frauen reden ungern über sich selbst“
Wie genau hilft das Red Club-Netzwerk Frauen beruflich weiter? „Bei vielen Frauen geht es um Sichtbarmachung, weshalb sich der Club die Farbe Rot auf die Fahne geschrieben hat. Denn Frauen reden meist ungern über sich selbst. Niemand weiß von ihren Leistungen“, so die Anwältin. In Einzelfällen eröffne man sich im Red Club gegenseitig Business-Optionen durch Informationen und Kooperationen.
Welche Schwerpunkte setzt der Club? „Es gibt im Grunde drei Schwerpunkte“, sagt Michaela Mumm-von Oldenburg. „Bei der Female Art Week sorgen wir dafür, dass Künstlerinnen sich präsentieren können.“ Im vergangenen Jahr präsentierte der Red Club eine Woche lang Künstlerinnen im Weinhaus Huth am Potsdamer Platz.
Und sonst? „Viele unserer Mitglieder sind in der Filmbranche tätig. Hier gibt es für Frauen 40Plus oft kaum noch attraktive Rollen.“ Die Plattform Ageless Actresses sorge für eine bessere Positionierung. „Der dritte Schwerpunkt sind Frauen in Führungspositionen.“ In naher Zukunft möchte Michaela Mumm-von Oldenburg den „Elle Award“ etablieren, der Lebensleistungen von Frauen auszeichnet und damit sichtbar macht.
Zweimal im Jahr laden wir Herren zu uns ein.
Michaela Mumm von Oldenburg, Red Club-Gründerin
Beim Neujahrsempfang haben die meisten Frauen ihre Partner zu Hause gelassen. Einzelne Männer stehen jedoch dabei, so wie der Honorarprofessor Hans Hoffmann oder der Architekt Peter Kempfer. Ist der Red Club doch kein reines Frauennetzwerk? „Zweimal im Jahr laden wir Herren zu uns ein“, verrät Mumm-von Oldenburg. Warum? „Es ging mir nie um Ausgrenzung, sondern darum, dass alle Menschen gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben sollen. Männer müssen daher unbedingt mit im Boot sitzen.“





