Wenn Berlinerinnen und Berliner Pakete und Weihnachtskarten an liebe Menschen verschicken möchten, finden sie immer weniger Postfilialen. Nicht jeder Späti oder kleine Dienstleister im eigenen Kiez nimmt Briefe an oder verkauft Briefmarken. Und die Postbankfilialen, die diese Dienste jahrelang angeboten haben, sind auch auf dem Rückzug.

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Während aber immer mehr Filialen der Deutschen Post schließen, wie beispielsweise im April 2025 die Deutsche-Post-Filiale Alt-Moabit 98, werden viele Postbankfilialen in Berlin ab 2026 keine Postdienstleistungen mehr anbieten. Eine davon ist die Postbankfiliale in der Müllerstraße. Gerade verkauft die Filiale ihre letzten Briefumschläge, Postkarten und Schreibwaren.

Postbank am Leo
Alles muss raus in der Postbank am Leo: Letzte Umschläge, Postkarten und andere Schreibwaren werden gerade zum halben Preis verkauft.© BM | Iris May

Ab dem zweiten Quartal 2026 soll die Postbankfiliale in der Müllerstraße nahe Leopoldplatz in eine reine Beraterfiliale umgewandelt werden. Das heißt: Die jetzigen Schalter wird es dann nicht mehr geben. Die Filiale will sich auf ihr Kerngeschäft als Bank und persönliche Beratung rund um das Thema Geld konzentrieren.

Hintergrund zum Strukturwandel bei Post und Postbank

Seit mittlerweile 30 Jahren betreibt die Deutsche Post keine eigenen Filialen mehr mit unternehmenseigenem Personal. Das ist so, seit 1995 aus den drei öffentlichen deutschen Postunternehmen Telekom, Postbank und Postdienst die privatwirtschaftlich organisierten, rechtlich unabhängigen Aktiengesellschaften Deutsche Telekom, Deutsche Postbank und Deutsche Post wurden.

Postpartnerfiliale in der Burgsdorfstr
Der Späti „Drinks House“ ist einer der so genannten „Postpartnerfilialen“ in der Burgsdorfstraße in Berlin-Mitte. © BM | Iris May

Eine der wenigen Postbank-Filialen in Berlin mit allen Services, einem SB-Bereich, persönlicher Beratung, Postdienstleistungen sowie Ein- und Auszahlungen am Schalter befindet sich im Rathaus-Center Pankow in der Breiten Str. 20. Überall dort, wo die Postdienstleistungen nicht mehr über eine Filiale der Postbank abgedeckt werden, stellt die Deutsche Post eine Partnerfiliale in der Nähe zur Verfügung. Das kann ein Schreibwarenladen, Mobilfunkladen oder ein Späti sein. So sollen Kundinnen und Kunden die Postdienstleistungen im gewohnten Umfang in ihrer Nähe nutzen können.

Postbank: Weniger Menschen, mehr Digitalisierung

Die Postbank, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bank, will seit Jahren digitaler werden, was zur Schließung vieler Standorte führt, um Kosten zu senken. In den Postbankfilialen stehen zu „Digital Coaches“ geschulte Mitarbeiter zur Verfügung, die Kunden bei Fragen zur Digitalisierung unterstützen und sie auf dem Weg zum digitalen Banking begleiten sollen, wie eine Sprecherin erklärt. Schon heute könnten Kundinnen und Kunden Ihre Bankgeschäfte „einfach und sicher“ mit dem Postbank-Online-Banking oder der Postbank App erledigen.

Mit der Umwandlung zur Beratungsfiliale werden 2026 in der Filiale in der Müllerstraße im ersten Schritt die heutigen Schalter entfernt. Ein zentraler Servicepoint soll dann die erste persönliche Anlaufstelle in der Beratungsfiliale sein. Hier können Beratungstermine vereinbart, Adressänderungen vorgenommen oder Konten eröffnet werden. Das „Kassengeschäft“ im Filialraum fällt weg. Für Einzahlungen und Auszahlungen stehen in Zukunft die Geldautomaten im Selbstbedienungsbereich der Filiale zur Verfügung. Wie bei anderen Banken auch, ist die Filiale wochentags geöffnet.

Mehr aus Berlin-Mitte

DHL: Weniger Deutsche Post, dafür mehr Partnerfilialen

Wird es in Zukunft schwieriger, Pakete und Briefe in Berlin per Post zu verschicken? Nein, sagt die ehemalige Deutsche Post, die heute unter dem Begriff DHL Group firmiert, auf Anfrage der Morgenpost. „Wir sind mit unseren Angeboten deutlich näher an unsere Kunden herangerückt: 80 Prozent der Berliner Haushalte müssen maximal 250 Meter gehen, um ihr Paket abzugeben.“ 1999 habe es in Berlin nur 165 Partnerfilialen gegeben, mittlerweile seien es in der Hauptstadt rund 1050 Partnerfilialen und DHL-Paketshops. Außerdem sind die Verkaufsstellen auch deutlich länger geöffnet als früher. Hatten die Berliner Filialen 1999 im Schnitt 54 Stunden pro Woche geöffnet, so sind es mittlerweile 70 Stunden. Außerdem könne man mit der DHL App inzwischen auch Pakete an Packstationen abgeben.

Packstation
DHL Packstation in Mitte: Dort kann man auch Pakete abgeben, sowohl frankierte als auch Retouren, oft sogar ohne ausgedrucktes Label, wenn man die Post & DHL App nutzt.© BM | Iris May

Übrigens: Postbankkunden können auch in teilnehmenden Supermärkten (z.B. REWE, Penny, Netto, EDEKA) oder Tankstellen Geld abheben oder einzahlen. Eine Sprecherin erklärt: „Kundinnen und Kunden der Postbank können mit dem Bargeld-Code an 12.500 Standorten in Deutschland Beträge bis zu fast 1000 Euro am Tag abheben oder einzahlen.“ Der Service sei in der Postbank-App unter „Bargeld-Code“ zu finden.

Dort könnten Kunden einen Barcode erzeugen, mit dem sie innerhalb von zwei Stunden bei einem teilnehmenden Einzelhändler Geld erhalten beziehungsweise einzahlen können. Sie müssen den Barcode lediglich an der Kasse vorzeigen. Ein Einkauf ist nicht erforderlich. Die App zeigt Standorte in der Nähe an, ebenso die interaktive Karte unter www.postbank.de/geldautomaten.