Am Mittwoch, dem 13. August, wird Kai Wegner an der Andacht zum 64. Jahrestag des Mauerbaus teilnehmen. Im Fokus bei der feierlichen Kranzniederlegung mit Schweigemoment stehen vor allem Opfer der Berliner Mauer wie Peter Fechter, der im Alter von 18 Jahren am Checkpoint Charlie beim Fluchtversuch erschossen wurde. Der Regierende Bürgermeister von Berlin wird allerdings auch auf ein weniger bekanntes Opfer eingehen: den kleinen Çetin Mert, der 1975 in der Spree ertrunken ist.
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Wegner erklärt dazu: „Die Berliner Mauer war und ist ein Symbol des DDR-Unrechts. Sie hat unser Land über viele Jahre geteilt, den Menschen in der DDR die Freiheit geraubt und vielen Menschen das Leben gekostet. Wieviel Leid auf beiden Seiten der Mauer erzeugt wurde, zeigt das tragische Schicksal von Çetin Mert.“
Çetin Mert: Sein tragischer Unfall
An seinem fünften Geburtstag fällt der kleine Çetin Mert beim Versuch seinen Fußball herauszuholen, in die Spree. Polizei und Feuerwehr treffen wenige Minuten später ein, suchen mit Gestänge nach dem Jungen. Zugleich bemüht sich ein Brandmeister am Grenzübergang Oberbaumbrücke vergeblich um eine Genehmigung für den Einsatz der Rettungskräfte. Unterdessen versuchen Passanten durch Zurufe die DDR-Grenzposten auf den Vorfall aufmerksam zu machen. Kein West-Berliner wagt sich in das scharf bewachte Gewässer. „Die Boote der NVA fuhren bis an die Kaimauer, um Einsätze aus dem Westen zu verhindern. Man wusste nie, ob sie schießen“, erinnert sich der ehemalige Feuerwehrtaucher Klaus Abraham, der damals dabei war.
Aus Stasi-Unterlagen wird später hervorgehen: Zwei DDR-Grenzsoldaten beobachten das Unglück, fotografieren es sogar. Weil sie jedoch über keine Nachrichtenverbindung verfügen, erstatten sie erst wesentlich später MeldungErst 40 Minuten später schicken sie ein Rettungsboot an die Unglücksstelle und bergen den ertrunkenen Jungen. Erst eine Stunde später bergen Taucher der DDR-Grenztruppen den Leichnam von Çetin Mert, kaum fünf Meter vom Westufer entfernt.

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Çetin Mert ist das vierte Kind, das innerhalb von drei Jahren unweit der Oberbaumbrücke beim Spielen in der Spree ertrunken ist. Trotz wütender Proteste von Angehörigen und Passanten, die sich am Gröbenufer versammeln, wird die Leiche des kleinen Jungen nicht sofort nach der West-Berliner Seite hin übergeben, von der aus er ins Wasser fiel, sondern ins Gerichtsmedizinische Institut der Charité nach Ost-Berlin gebracht. Erst Tage später wird der tote Junge den Eltern übergeben.
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Sprechchöre rufen: „Mörder! Mörder! Kindermörder!“
In den folgenden Tagen kommt es an der Unglücksstelle immer wieder zu Massenprotesten gegen das DDR-Grenzregime. Die Staatssicherheit notiert Sprechchöre Jugendlicher: „Mörder, Mörder, Kindermörder!“ Etwa 2.000 Mitglieder der türkischen Gemeinde West-Berlins demonstrieren gegen das Verhalten der DDR-Grenzposten und verteilen Flugblätter mit Aufschriften wie „Nieder mit der Schandmauer – Nieder mit dem Mörderkommunismus!“

Die Trauerfeier für Çetin Mert in West-Berlin wird abermals zu einer Massendemonstration gegen das SED-Grenzregime, vor allem der türkischen Gemeinde in West-Berlin. In Düzce, dem türkischen Heimatort seiner Eltern, wird Çetin Mert beigesetzt. Um weitere Unfälle am Kreuzberger Gröbenufer zu verhindern, lässt der West-Berliner Senat in einer ersten Reaktion die vier Durchgänge zur Uferböschung zuschweißen und vor der Kaimauer einen Maschendrahtzaun ziehen. Ferner werden große Warnhinweisschilder in deutscher und türkischer Sprache aufgestellt.
Kindliche Opfer der deutschen Teilung
Çetin Mert ist das jüngste ertrunkene Kind an der Spree, aber nicht das einzige und auch nicht das jüngste Maueropfer. Çetin Mert war eines von mindestens fünf Kindern, die auf diese Weise ihr Leben verloren. Das jüngste Maueropfer war der erst 15 Monate alte Säugling Holger H., der 1973 bei der Flucht mit seinen Eltern in einer Kiste erstickte.





