Am Donnerstagabend wurden in Berlin zum 9. Mal die Fairtrade Awards verliehen. Es ist die wichtigste Auszeichnung des fairen Handels. Alle zwei Jahre zeichnet Fairtrade Deutschland die herausragendsten Akteure des fairen Handels aus. Der 1992 in Köln gegründete, gemeinnützige Verein hat mittlerweile 600 Partner und vergibt das bekannteste Gütesiegel in puncto Fairtrade. In Deutschland gibt es 8500 Fairtrade-Produkte, die 2023 einen Umsatz von 2,6 Milliarden Euro erwirtschaftet haben.

Durch den Abend führte eine Anke Engelke in Bestform, die betonte: „Ich moderiere eigentlich nicht mehr, aber für die Fairtrade Awards mache ich eine Ausnahme.“ Neben den Kategorien „Wirtschaft“, „Newcomer“ und „Climate Hero Business“ sowie „Zivilgesellschaft“, „Nachwuchs“ und „Climate Hero Society“ gibt es den per Online-Voting ermittelten Publikumspreis.

Die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Svenja Schulze (SPD), eröffnete den Abend mit einer emotionalen Rede, die sie mit der bevorstehenden EM verknüpfte: Beim Fußball spreche man sehr oft von Fairplay, aber im globalen Handelssystem seien bereits die Spielregeln unfair und müssten daher geändert werden. „Ein gerechtes Handelssystem darf nicht auf Kosten des Klimas, der Nachhaltigkeit oder von Frauen gehen“, sagte sie. Dem anwesenden Botschafter von Ruanda, Igor César, dürfte es gefallen haben, dass Schulze auch über die Kaffee-Kleinunternehmerinnen in Ruanda sprach, die vom Entwicklungsministerium unterstützt werden.

Claudia Brück: „Frauen denken an die nächste Generation“

Dieses gut gelaunte Team führte durch den Gala-Abend der Fairtrade Awards: v. li. Influencerin Domitila Barros, Comedian Anke Engelke, die Schauspielerinnen Lavinia Wilson, Marie Nasemann, Susan Hoecke und die Klimaaktivistin Louisa Schneider.
Dieses gut gelaunte Team führte durch den Gala-Abend der Fairtrade Awards: v. li. Influencerin Domitila Barros, Comedian Anke Engelke, die Schauspielerinnen Lavinia Wilson, Marie Nasemann, Susan Hoecke und die Klimaaktivistin Louisa Schneider.© FUNKE Foto Services | Michele Tantussi

Nicht nur Anke Engelke fiel der Frauen-Überhang des Abends auf. Auch im dreiköpfigen Vorstand von Fairtrade Deutschland sitzen zwei Frauen und ein Mann. „Woran liegt denn das?“, wollte Engelke wissen. Fairtrade-Vorstandsvorsitzende Claudia Brück: „Ich glaube Frauen sind da engagierter, weil sie sich um die Familie kümmern und dadurch mehr an die nächste Generation denken.“

Die weiteste Anreise hatte Ana Laura Sayago aus Argentinien auf sich genommen, die in der Bienen-Kooperative Coopsol fairen Honig herstellt. Sie sagte, dass Bienen eine gute Metapher für den fairen Welthandel seien: „Sie arbeiten im Bienenstock in Gemeinschaft zusammen am Honig.“ Für Sayago sei faire Arbeit nicht nur ein Mittel, um Geld zu verdienen, sondern eine Art, das Leben in Würde zu führen.

Preis für Zivilgesellschaft ging an Gemeinde in Nordfriesland

Eine gut gelaunte Anke Engelke moderierte die Fairtrade Awards 2024. Für die Gala war der Wintergarten in lilafarbenes Licht getaucht.
Eine gut gelaunte Anke Engelke moderierte die Fairtrade Awards 2024. Für die Gala war der Wintergarten in lilafarbenes Licht getaucht.© BM | Iris May

Die Stadt Berlin wurde für ihr nachhaltiges wirtschaftliches Handeln schon mehrfach als Fairtrade Town ausgezeichnet. Berlin nutzt in Schulkantinen beispielsweise nur fairen Reis und faire Bananen, verlegt an öffentlichen Plätzen Natursteine und achtet auf Dienstkleidung, die auf Basis fairer sozialer Kriterien hergestellt wird. Auch einzelne Bezirke, wie Charlottenburg-Wilmersdorf,Treptow-Köpenick oder Neukölln haben sich den Regeln des Fairtrades verpflichtet.

Am Donnerstag ging Berlin allerdings leer aus. Eine andere Stadt räumte ab: Sankt Peter-Ording. Der beliebte Urlaubsort an der Nordseeküste wurde durch ein Team von „15 Normalos“, wie es der Preisträger ausdrückte, innerhalb von drei Jahren zur Hauptstadt des Fairtrades. Das Ziel: Fairtrade soll normaler Alltag werden.

Der dm Drogeriemarkt gewann den Fairtrade Award in der Kategorie Wirtschaft. Er beeidruckte die Jury nicht nur dadurch, dass er sein Fairtrade-Sortiment in nur drei Jahren von 12 auf 100 Produkte gesteigert hat. dm unterstützt auch ein Projekt in Sierra Leone (Westafrika) für abholzungsfreien Kakao.

Weitere Preisträger: Die Schülerfirma F41r erhielt den Nachwuchspreis, da sie eine generationenübergreifende Fashion-Kollektion auf den Weg gebracht hat. Fairfood Freiburg wurde als Newcomer ausgezeichnet,, punktete mit seinem fair erzeugten Cashew-Brotaufstrich „Fairchoc Cashew-Vanille“. In der Kategorie Climate Hero Society wurden die FairActivists ausgezeichnet: Sie brachten mit dem Fahrrad fairen Kaffee von Hamburg nach Berlin. Den Publikumspreis gewann das Johann-Sebastian-Bach Gymnasium in Mannheim. Einen weiteren Preis gewann die Firma Midsona aus Ascheberg.

Lavinia Wilson: „Ein Shirt an dem Kinderblut klebt, möchte man nicht kaufen“

Die Laudatorinnen des Abends zeigten sich im Laufe des Abends allesamt als flammende Vorkämpferinnen für eine bessere, gerechtere Welt. Marie Nasemann, ehemalige GNTM-Finalistin und Gewinnerin des Umweltmedienpreises, erzählte von ihrem Besuch auf einer Bio-Baumwollplantage in Indien, der ihre Sicht auf die Welt verändert habe. „Es ist wirklich harte Arbeit, die die Menschen dort leisten, damit wir uns kleiden können“, sagte sie.

Lavinia Wilson wünscht sich, dass Fairtrade Standard wird. „Wenn die Welt ein bisschen mehr so wäre wie dieser Raum, dann hätten wir ganz viele Probleme gelöst“, sagte sie im Wintergarten. Zusätzlich zum Fairtrade-Siegel wünscht sie sich eine Lebensmittel-Ampel für Fairness. Es gebe eindeutig sehr viele Menschen, die einen Unterschied machen wollen und es sei möglich. „Ein Shirt, an dem Kinderblut klebt, möchte man doch nicht kaufen.“

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