Fahrgäste werden von nacktem Beton empfangen. Kabel hängen von der Decke wie Spinnenweben. An den Wänden fehlen Fliesen und geben auch dort das Grau des Betons preis. Der U-Bahnhof Seestraße (U6) in Berlin-Wedding wirkt trostlos auf dem westlichen der beiden Bahnsteige. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sind mitten in einer umfangreichen Sanierung des 1923 gebauten Bahnhofs. Auf Nachfrage erklärt das Unternehmen, warum der unansehnliche Zustand und die lange Bauzeit trotzdem mehr im Sinne der Fahrgäste sein sollen.

BVG: U-Bahnhof Seestraße schon seit 2018 eine Baustelle

Gebaut wird am U-Bahnhof Seestraße schon seit 2018. Bereits seit Spätsommer des vergangenen Jahres ist der erste von zwei Aufzügen sowie der Bahnsteig Richtung Tegel mit neuem Zugang in Betrieb. Doch als die Arbeiten begannen, stellte sich heraus, dass der Umbau aufwendiger werden würde, als zunächst angenommen. „Die Bausubstanz erwies sich dabei als schlechter als erwartet“, wie ein BVG-Sprecher mitteilt.

Einen von zwei neuen Aufzügen hat der U-Bahnhof Seestraße schon. Damit lässt sich der Bahnsteig in Richtung Norden erreichen.
Einen von zwei neuen Aufzügen hat der U-Bahnhof Seestraße schon. Damit lässt sich der Bahnsteig in Richtung Norden erreichen.© Berliner Morgenpost | Julia Lehmann

Die freiliegenden Decken und Teile der Wände am Bahnsteig auf der Westseite, wo derzeit die Züge Richtung Alt-Mariendorf fahren, dienen dazu, die Bausubstanz zu erkunden. Damit der Zugverkehr nicht unterbrochen werden muss, wird bei laufendem Betrieb saniert. Planung und Umsetzung der Betonsanierung der Decken und Wände können deshalb nur in kleinen Schritten erfolgen.

Mehr aus Mitte:

„Das führt verständlicherweise dazu, dass solche sehr aufwendigen Arbeiten deutlich länger dauern. Die Alternative wäre, den Bahnhof komplett zu schließen und die Linie zu unterbrechen. Dies versuchen unsere Fachleute bei allen Baumaßnahmen im Sinne der Fahrgäste zu vermeiden“, so der Sprecher weiter.

Die meisten Arbeiten verbergen sich hinter Schutzwänden

Die meisten Arbeiten seien dabei gar nicht zu sehen. Das liege daran, dass diese in der aktuellen Bauphase zum einen hinter einer Schutzwand stattfinden. Die Schutzwand ist auf dem östlichen Bahnsteig deutlich zu erkennen. „Besonders staub- und lärmintensive Arbeiten an der Bausubstanz können mit Rücksicht auf die Fahrgäste und auf den U-Bahnbetrieb zudem nur in den kurzen nächtlichen Betriebspausen erledigt werden, was die Bauzeit zusätzlich verlängert“, erklärt der Sprecher.

Der Bahnsteig des Bahnhofs Seestraße auf der östlichen Seite: Hinter der hellgrünen Wand laufen die Sanierungsarbeiten weiter.
Der Bahnsteig des Bahnhofs Seestraße auf der östlichen Seite: Hinter der hellgrünen Wand laufen die Sanierungsarbeiten weiter.© Berliner Morgenpost | Julia Lehmann

Die komplette Fertigstellung sei aktuell für 2028 geplant. Zehn Jahre wurden dann also für die vollständige Sanierung aufgewendet. In ähnlich glanzlosen Zustand wie der Bahnhof Seestraße ist derzeit der U-Bahnhof Klosterstraße, über den die U2 verkehrt. Auch dort wird umfassend saniert.

Mehr zum Thema U-Bahn: