Weiße Schrift auf schwarzem Grund. Die Statements, die Schüler sowie Vertreter religiöser Gemeinden und Politik nach dem Wiederaufbau der im November zerstörten Glasvitrine hinterlassen, sollen im Fokus stehen. Mitte November war die Ausstellungsvitrine auf dem Mathilde-Jacob-Platz vor dem Rathaus Tiergarten in Berlin-Moabit bei einem vermutlich antisemitischen Anschlag stark beschädigt worden. Der Bezirk Mitte hat die Schäden nun beseitigt, das kaputte Glas ersetzt. Bevor Ende Februar wieder Initiativen und Projekte die Vitrine dafür nutzen können, um sich vorzustellen, soll der Raum zunächst für mahnende Worte genutzt werden.
Gegen Mittag des 19. November 2023 hatte eine Passantin die Schäden an der Glasvitrine bemerkt und die Polizei gerufen. Bei den Untersuchungen durch die Beamten stellte sich heraus, dass zunächst das Glas mit einem Stein eingeworfen worden war. Die sich in dem Schaukasten befindliche Ausstellung des Vereins „Sie waren Nachbarn“ zum jüdischen Leben im Moabiter Krankenhaus während des Nationalsozialismus war im Anschluss angezündet worden.
Ausstellungsstücke verbrannten restlos
Die Ausstellungsstücke verbrannten nahezu restlos und waren nicht mehr zu retten. Über den Täter oder die Täter ist laut Auskunft des Bezirksamts bislang nichts bekannt. Ein paar Wochen zuvor hatte es bereits mutmaßlich antisemitisch motivierte Anschläge am Rathaus Tiergarten gegeben. Zwei israelische Flaggen waren heruntergerissen und gestohlen sowie einer der Fahnenmasten „massiv beschädigt“ worden, wie das Bezirksamt erklärt. Nach dem 7. Oktober 2023, an dem die islamistische Hamas Israel überfiel, häuften sich antisemitische Anschläge in Berlin und weltweit.
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Der Bezirk hatte den Brandanschlag im November scharf verurteilt und angekündigt, die Vitrine wieder bestücken zu wollen. Bis Ende Januar wird zunächst an den Vorfall vom November, damals war die Ausstellung erst wenige Wochen alt, zu erinnern. „Was kann einen Zerstörer dazu bringen, die historische Aufarbeitung und Darstellung zu demolieren, um sich damit ‚Luft‘ zu verschaffen? Was möchte er damit rächen?“, fragt etwa Iman Andrea Reimann vom Deutschen Muslimischen Zentrum Berlin. Und weiter: „Gewalt und Zerstörung sind keine gerechten Mittel, um sich ‚Luft‘ zu machen, die andere schädigen.“

Auch Mittes Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger (Grüne) hat ein Statement hinterlassen: „Das Bezirksamt Mitte von Berlin war und ist erschüttert, dass durch diesen antisemitischen Anschlag versucht wurde, das Gedenken an die Opfer der Schoah sowie die Würdigung des Widerstands gegen das NS-Regime aus dem öffentlichen Stadtraum zu vertreiben.“
Remlinger (Grüne): Viele Bekundungen eingegangen
Die Statements seien nur eine kleine Auswahl von vielen Bekundungen, die das Bezirksamt erreicht hätten, so Remlinger laut einer Mitteilung. „Besonders in diesen Zeiten bezeugen sie, dass unsere pluralistische Gesellschaft zusammenhält.“
Auch von den Schülerinnen und Schülern der Arbeitsgruppe „Erinnern“ von der Theodor Heuss Gemeinschaftsschule (THS) in Moabit finden Passanten nun einige Worte: „Seit Jahren lernen wir über die Zeit des Nationalsozialismus und gedenken am 9. November jüdischer Menschen aus Moabit. Heute zersplittern wieder Scheiben und es wird Feuer gelegt. Wir dürfen nicht schweigen, nichts verharmlosen. Wir stellen uns gemeinsam gegen Antisemitismus.“



