Rund 100.000 Menschen sind am Sonntagnachmittag in Berlin zu einer Demo gegen rechts ins Regierungsviertel gekommen. Das sagte ein Sprecher der Berliner Polizei der Berliner Morgenpost. Von den Veranstaltern angekündigt waren zunächst gerade einmal 1000 Teilnehmer für die Demo unter dem Motto „Demokratie verteidigen: Zusammen gegen Rechts“. Die Veranstalter gingen schlussendlich von 350.000 Teilnehmern aus, was die Polizei aber nicht bestätigen konnte. Die Kundgebung endete gegen 18 Uhr. Bis dahin sei es friedlich geblieben, so die Polizei. Auch in anderen Städten haben am Sonntag wieder Demonstrationen für Demokratie und gegen Rechtsextremismus stattgefunden.

Zehntausende Demo-Teilnehmer versammelten sich am Sonntag im Regierungsviertel.
Zehntausende Demo-Teilnehmer versammelten sich am Sonntag im Regierungsviertel.© DPA Images | Kay Nietfeld

Der Demonstrationszug sollte auf dem Platz der Republik vor dem Bundestag starten und dort nach einem Zug durch das Regierungsviertel wieder enden. Das gelang wegen des großen Andrangs nur teilweise. Damit die Teilnehmer Platz finden konnten, erweiterte die Polizei die Versammlungsfläche. Es könnte auch die Straße des 17. Juni vom Brandenburger Tor bis zur Siegessäule genutzt werden, teilte sie mit. Viele Teilnehmer waren um kurz nach 16 Uhr noch auf dem Weg zur Veranstaltung im Regierungsviertel. Busse und Bahnen auf dem Weg nach Berlin-Mitte waren vollkommen überfüllt. Im Regierungsviertel war der U-Bahn-Verkehr wegen des großen Zustroms eingeschränkt. Die U5 hielt zeitweise nicht an den Stationen Unter den Linden, Brandenburger Tor und Bundestag, teilten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) am Sonntag gegen 16.35 Uhr auf X (vormals Twitter) mit. Auch am Berliner Hauptbahnhof drängten viele Menschen in Richtung der Demonstrationsstrecke. Bereits um 16.40 Uhr mussten die Brücken vom Hauptbahnhof zum Platz der Republik geschlossen werden. Die Polizei machte Durchsagen, dass das Regierungsviertel voll sei.

Ein Teilnehmer hält auf dem vollen Platz der Republik ein Schild hoch.
Ein Teilnehmer hält auf dem vollen Platz der Republik ein Schild hoch.© AFP | Christian Mang

„Ganz Berlin hasst die AfD“, riefen die Teilnehmer in Sprechchören. Viele hatten Schilder dabei. Eine junge Frau hielt ein Pappschild mit der Aufschrift „AfD wählen ist so 1933“ hoch, auf anderen Schildern stand „Zukunft ist Toleranz“ oder „Rassisten sind keine Alternative“.

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Aufgerufen zu der Demonstration in Berlin hatte die Klimabewegung Fridays for Future gemeinsam mit einem Bündnis verschiedener Organisationen. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hatte es bereits im Vorfeld sehr begrüßt, „wenn möglichst viele Menschen zeigen, dass es in Berlin keinen Platz für rechte Hetze oder Hass gibt“, so Senatssprecherin Christine Richter. Wegner war beim Hertha-Spiel im Olympiastadion, wo des gestorbenen Hertha-Präsidenten Kay Bernstein gedacht wurde.

Zehntausende Handyleuchten erhellen am Abend den Platz der Republik.
Zehntausende Handyleuchten erhellen am Abend den Platz der Republik.© AFP | Christian Mang

Demo gegen rechts: Steinmeier dankt den Teilnehmenden

Die Polizei twitterte gegen 18 Uhr, besonders der Hauptbahnhof sei voll. Die Auslastung liege bei 100 Prozent, man könne die Sicherheit nicht mehr gewährleisten, hieß es. Man solle unbedingt Alternativen wie den Potsdamer Platz oder den Alexanderplatz nutzen, „oder spazieren Sie noch ein paar mehr Schritte durch Berlin in Ihre Richtung“, so die Polizei bei X.

Die SPD-Fraktion im Bundestag twitterte Fotos vom Platz der Republik, die den riesigen Andrang zeigten.

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dankte den Demonstranten für ihren Einsatz für die Demokratie. „Diese Menschen machen uns allen Mut. Sie verteidigen unsere Republik und unser Grundgesetz gegen seine Feinde. Sie verteidigen unsere Menschlichkeit“, sagte er am Sonntag in Berlin in einer Videobotschaft.

Menschen strömen aus der S-Bahn am Hauptbahnhof zur Demonstration für Demokratie am Reichstagsgebäude.
Menschen strömen aus der S-Bahn am Hauptbahnhof zur Demonstration für Demokratie am Reichstagsgebäude.© DPA Images | Kay Nietfeld

Nachdem bereits am Freitag und Samstag in zahlreichen Städten Hunderttausende Menschen auf die Straßen gegangen waren, rechneten die Veranstalter der Proteste etwa in München, Köln und Berlin am Sonntag wieder mit Tausenden Teilnehmern. Tatsächlich kamen in München über 80.000 Menschen zu der Demo, die daraufhin aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden musste.

Auslöser der Demonstrationen ist ein Bericht des Medienhauses Correctiv aus der vergangenen Woche über ein bis dahin nicht bekanntes Treffen von Rechtsradikalen in einer Potsdamer Villa vom 25. November. An dem Treffen hatten auch mehrere AfD-Politiker sowie einzelne Mitglieder der CDU und der sehr konservativen Werteunion teilgenommen.

Tausende Menschen auch bei Demonstrationen in Brandenburg

Auch in Brandenburg gingen am Wochenende mehrere tausend Menschen gegen Rechtsextremismus und Rassismus auf die Straße gegangen. Bei einer Demonstration in Cottbus, zu der das Bündnis „unteilbar Südbrandenburg“ aufgerufen hatte, kamen nach Angaben der Veranstalter 5000 Menschen, die Polizei zählte etwa 3500. Die Aktion am Sonntag, an der auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) teilnahm, stand unter dem Motto „Zusammen gegen Rechts - wir sind die Brandmauer“. Aber auch in mehreren anderen Städten wie Bernau, Eberswalde, Spremberg und Templin machten Menschen mobil gegen rechts.

Woidke zeigte sich beeindruckt vom Protest. „Ich stehe hier oben und habe Tränen in den Augen“, sagte der SPD-Politiker. „Die Lausitz steht auf für Demokratie, die Lausitz steht auf gegen Rechtsextremismus und gegen Rassismus.“ Er warnte vor den Folgen von Extremismus. „Keiner kann heute mehr sagen, er hätte nicht gewusst, was diese Extremisten mit diesem Land vorhaben, was sie mit Menschen vorhaben, die anderer Herkunft sind, anderer Religion sind oder aber die anderer Meinung sind. Wehret den Anfängen!“ Die wichtigsten Zutaten für eine gute weitere Entwicklung der Region seien Weltoffenheit, Toleranz, Freiheit und Demokratie. mit dpa

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