Kalt ist es wirklich nicht im Augenblick. Trotzdem strömen durchschnittlich 120 Menschen pro Tag in die Wärmestube im Humboldt Forum. Schon vor der Öffnung um 14 Uhr bildet sich vor der Tür eine Menschentraube. Viele sind Stammgäste. Die Besucher bekommen hier kostenlos Kaffee, Tee, ein Stück Kuchen oder belegte Brote, können aber auch ganz zwanglos andere Menschen treffen. Kostenlose Bücher, ein Schachspiel und die Gelegenheit, das Smartphone zu laden, gibt‘s obendrauf.

Humboldtforum bietet Zuflucht für Obdachlose und Einsame

Die Gäste am Ort der Wärme sind Menschen, denen ein Zuhause fehlt. Sie kommen nicht nur mit all ihren Habseligkeiten, sondern auch mit seelischem Gepäck. So wie Heide, die von ihrer katholischen Mutter bewusst so getauft wurde, da sie bei der Vergewaltigung durch einen US-Soldaten gezeugt wurde. Die 48-Jährige kommt regelmäßig hierher, um Freunde wie Guido zu treffen. Der 53-jährige Elektro-Ingenieur aus Südafrika kommentiert: „Wir sind aber kein Paar, zumindest noch nicht.“ Ohne Zögern setzt sich auch Column in die Runde. Man kennt sich untereinander. Column glaubt, dass er 78 Jahre alt ist, sicher ist er sich nicht.

Johanniter in Berlin: Ohne Ehrenamtliche wäre keines der Angebote möglich

Auch im Stadtschlosses des Kaisers gab es eine Wärmestube. Die Johanniter setzen diese Tradition seit 2022 fort und wollen gerne im kommenden Jahr weitermachen. Dr. Jörge Bellin leitet den Ort der Wärme, er ist Koordinator der für Wohnungs- und Obdachlosenhilfe bei den Johannitern. Rund 300 Ehrenamtliche unterstützen die drei Einrichtungen der Johanniter in Berlin, zu denen auch zwei Notübernachtungsunterkünfte gehören, eine davon nahe des Görlitzer Parks. Es sind Studenten, Rentner, aber auch Berufstätige. Die Stiftung wünscht sich aber noch Verstärkung. „Alle unsere Einrichtungen kann es nur geben, weil wir so großartige Ehrenamtliche haben“, erklärt der 44-Jährige.

Johanniter: So können sich Ehrenamtliche bewerben

Jörge Bellin ist eigentlich promovierter Kunsthistoriker, hat aber irgendwann für sich beschlossen, dass es „sozial relevantere Dinge gibt, als kunsthistorische Aufsätze zu schreiben.“ Sein schönster Moment sei gewesen, als eine Cellistin am Ort der Wärme spielte und er sah, wie selig einige Gäste in die Musik versunken waren. Menschen glücklich zu machen, sei einfach schön. Die Arbeit als Helfer bestehe aus einfachen Tätigkeiten wie Kuchen aufschneiden, Kaffee kochen oder aufräumen. Eine halbstündige Einführung zum Umgang mit Lebensmitteln müsse jeder absolvieren. Wichtig sei, dass die Ehrenamtlichen ein offenes Ohr und ein offenes Herz hätten und bereit wären zur Kommunikation mit ganz unterschiedlichen Menschen. Wer gerne als Ehrenamtlicher mithelfen möchte, könne sich gerne via E-mail an wohnungslosenhilfe.berlin@johanniter.de melden.

Kostenloses Buffet am Ort der Wärme im Humboldtforum. 
Kostenloses Buffet am Ort der Wärme im Humboldtforum. © Berlin | Iris May