Autofahrerinnen und Autofahrer sollten heute die Berliner Innenstadt meiden: Mit einer großen Demonstration protestieren zahlreiche Menschen gegen den Krieg in der Ukraine – und für Verhandlungen. Bekannteste Rednerin ist die frühere Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht, die gerade eine neue Partei gründet. Nach Angaben der Polizei sind in der Spitze 10.000 Teilnehmer zur Kundgebung am Brandenburger Tor und dem anschließenden Demozug erschienen.
Das Motto der Demonstration lautet: „Nein zu Kriegen – Rüstungswahnsinn stoppen – Zukunft friedlich und gerecht gestalten“. Um 13 Uhr startete die Kundgebung am Brandenburger Tor, im Anschluss laufen die Demonstranten durch das Regierungsviertel, bevor die Veranstaltung wieder am Ausgangspunkt endet. Bei niedrigen Temperaturen und Nieselregen hielten Demonstranten Schilder mit Aufschriften wie „Nie wieder Krieg“ oder dem Bild einer Friedenstaube in die Luft. Mehrere Plakate nahmen Bezug auf den Gaza-Krieg.
Demo in Berlin: Wagenknecht kritisiert Israel und Deutschland
Wagenknecht kritisierte in ihrer Rede den Kurs der israelischen und der deutschen Regierung im Gaza-Krieg. „Gerade wir Deutschen haben eine besondere Verantwortung für jüdisches Leben“, so Wagenknecht. „Und wir haben die Verantwortung, das Existenzrecht Israels ohne Wenn und Aber zu verteidigen.“ Aber diese Verantwortung „verpflichtet uns nicht, die rücksichtslose Kriegsführung der Regierung Netanjahu als Selbstverteidigung schönzureden und zu unterstützen“.

Diese Eskalation des Krieges schütze nicht jüdisches Leben, sie gefährde jüdisches Leben. „Es ist doch absurd, zu glauben, dass Bomben den islamistischen Terror schwächen. Sie stärken ihn.“ Wagenknecht erinnerte dabei an die Kriege in Afghanistan und im Irak. „Haben wir denn aus den ganzen Kriegen der vergangenen Jahre überhaupt nichts gelernt?“
Zuvor sagte Wagenknecht: „Wir alle waren am 7. Oktober entsetzt und schockiert über die furchtbaren Massaker der islamistischen Hamas, über die Morde an unschuldigen Zivilisten, an Frauen und an Kindern.“ Nichts, kein Unrecht dieser Welt, rechtfertige solche Verbrechen. Aber sie finde, „wir sollten genauso schockiert sein und genauso entsetzt sein über die rücksichtslosen Bombardements im Gazastreifen“.
Wagenknecht hatte schon im Februar zusammen mit der Frauenrechtlerin Alice Schwarzer bei einer großen Demonstration am Brandenburger Tor gesprochen und zuvor ein „Manifest für Frieden“ veröffentlicht.
Dem Aufruf der Demo waren Transparenten nach zu urteilen auch noch zahlreiche Anhänger der Linkspartei und von Gewerkschaften gefolgt, aber auch Gruppierungen wie die „Freie Linke“, die sich in der Pandemie impfkritisch gezeigt hatte.
Vereinzelte Gegendemonstranten warfen den Teilnehmern vor, Seite an Seite mit Corona-Leugnern und Rechten zu demonstrieren.
Wagenknecht-Demo heute in Berlin: Das ist die Route und der Ablauf
- 13 Uhr: Auftaktkundgebung am Platz des 18. März (Rückseite des Brandenburger Tors)
- ab 14.20 Uhr Demonstration über Ebertstr.
- Behrenstr.
- Friedrichstr.
- Unter den Linden
- Wilhelmstr.
- Dorotheenstr.
- Scheidemannstr.
- Yitzak-Rabin-Str.
- Straße des 17. Juni
- 15.30 Uhr: Abschlusskundgebung Platz des 18. März
Friedensdemo in Berlin: Prominente Unterstützer
Weitere Redner sind am Samstag Linke- und frühere SPD-Politiker. Der Aufruf zur Demonstration wird unter anderem unterstützt vom Linke-Politiker Gregor Gysi, der früheren EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann, dem früheren SPD- und Linke-Vorsitzenden Oskar Lafontaine, zahlreichen Gewerkschaftern, Autoren und Musikern wie Katja Ebstein und Dirk Zöllner.
Die Initiatoren verurteilen den russischen Einmarsch in die Ukraine und zugleich auch die Nato. Sie fordern Solidarität mit der Ukraine, einen Waffenstillstand und Verhandlungen sowie keine weiteren Waffenlieferungen an die Ukraine. „Verhandeln heißt nicht kapitulieren, sondern Lösungen für komplizierte Herausforderungen finden.“
Demo heute in Berlin: Rednerinnen und Redner im Überblick (alphabetisch sortiert)
- Petra Erler (ehem. Kabinettchefin in der Europäischen Kommission)
- Ates Gürpinar (stellvertr. Vorsitzender Die Linke)
- Iris Hefets (Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost) gemeinsam mit Nadija Samour (deutsch-palästinensische Juristin)
- Gabriele Krone-Schmalz (Autorin)
- Michael Müller (ehem. Staatsekretär im Umweltministerium, MdB a.D., Vorsitzender der NaturFreunde
- Michael von der Schulenburg (Diplomat, ehem. Assistant General Secretary des UN-Generalsekretärs)
- Sahra Wagenknecht
- Moderation: Wiebke Diehl und Jutta Kausch-Henken


