Die Klimaschützer von Extinction Rebellion (XR) rufen wieder zu Protesten in Berlin auf. Im Rahmen einer „Frühlingsrebellion“ planen sie bis zum 17. April mehrere Aktionen in der Stadt. Dazu gehören nach Angaben der Organisation sowohl angemeldete Demonstrationen als auch Aktionen des zivilen Ungehorsams und ein Protestcamp. Dadurch kann es in ganz Berlin zu Behinderungen kommen.

Die Aktivisten fordern ob des voranschreitenden Klimawandels und seiner Folgen für die Artenvielfalt von der Bundesregierung die Ausrufung eines „Biodiversitätsnotstandes“ und die Einberufung eines „Bürger*innenrates“, um Maßnahmen für eine Lösung der Energie- und Umweltkrise zu entwickeln.

Berlin: Protestwoche mit mehreren Demonstrationen geplant

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, haben sie bereits am Mittwoch ein Protestcamp im Invalidenpark aufgebaut und gleich mehrere Demonstrationen für den Rest der Woche angekündigt. Los geht es am Donnerstag von 12 bis 16 Uhr mit einem Demonstrationszug unter dem Motto „Nächster Halt: Mars“. Mit einer Riesen-Rakete, „Superreichen“ in Anzügen und Dinosauriern sollen bei einer Demo-Performance die Ungerechtigkeiten des Wirtschaftssystems aus Sicht der Klimaaktivisten dargestellt werden. Sie ziehen dazu ab 13 Uhr vom Invalidenpark zum Pariser Platz.

Klimaaktivisten haben im Berliner Regierungsviertel mit dem Aufbau eines Protestcamps begonnen.
Klimaaktivisten haben im Berliner Regierungsviertel mit dem Aufbau eines Protestcamps begonnen.© epd | Juergen Blume

„Superreiche tragen mit ihrem Lebensstil und Konsumverhalten überproportional stark zur Klimakrise bei und können sich weitaus besser vor deren Folgen schützen, werden allerdings kaum an den Kosten beteiligt“, heißt es von Extinction Rebellion. Deswegen sollen die Superreichen „mit schwerem CO2-Gepäck“ vorangehen, flankiert von Dinos, die die fossile Lobby symbolisieren. Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Arbeitskleidung kehren dem obersten einen Prozent hinterher. Eine pinke Rakete soll den Fluchtplan der Superreichen zum „Planet B“ (Mars) symbolisieren.

Kolumne „Mein Berlin“: Sorge dich nicht – klebe!

„Der unersättliche Hunger der Superreichen nach Profit und ihr extravaganter Lebensstil gehen zu Lasten unser aller Lebensgrundlagen“, so Unterstützerin Kristina Preuß. Während die Wohlhabendsten ihre enormen Emissionen als Belohnung harter Arbeit rechtfertigten, sorge sich jeder Dritte in Deutschland um die kommende Heizkostenabrechnung“, so Pressesprecherin Manon Gerhardt.

Für Klimaschutz: „Frühlingsrebellion“ auch am Wochenende

Weiter geht es mit dem Demonstrationsprogramm am Samstag. Um 13 Uhr startet mit „Notstand Biodiversität“ eine gemeinsame Demonstration mit Greenpeace und Nabu vor der Bayer-Zentrale im Wedding und zieht bis vor den Sitz des Bundesumweltministeriums in der Stresemannstraße.

Am Sonntag folgt noch eine interreligiöse „Gehmeditation“ vom Brandenburger Tor. Angeführt von einer Aktionsgruppe spiritueller Klimaschützer, geht der Demozug in Richtung Bundestag. Auf der Wiese vor dem ehemaligen Reichstagsgebäude treffen sie auf eine buddhistische Gruppe von Extinction Rebellion, die mit einem Segensritual (Puja) die Abgeordneten zum Ausrufen des Biodiversitätsnotstandes auffordern und anschließend eine entsprechende Petition übergeben.

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„Eine Millionen Arten könnten innerhalb der nächsten Jahrzehnte verschwinden, wenn sich der Zustand unserer Ökosysteme weiterhin verschlechtert. Fast immer ist der Mensch mit seiner Lebensweise der Auslöser dafür. Wir müssen die Artenvielfalt erhalten, die Umweltverschmutzung, Verbrennung von fossilen Energieträgern und die intensive Nutztierhaltung beenden“, sagt Wolfgang Hatscher-Bülk, Vertreter von Christian Climate Action und der Brücke des Glaubens.

Letzte Generation setzt Proteste fort

Berlinerinnen und Berliner müssen sich derweil auf weitere Proteste einstellen. Nächste Woche planen die Klimaaktivisten der Letzten Generation weitere Aktionen in der Hauptstadt. Bereits seit Anfang 2022 blockieren sie in deutschen Städten immer wieder Straßen und ziehen so den Zorn der Autofahrer auf sich.

Andere Gruppen, wie etwa Fridays for Future, gingen deswegen zuletzt auf Distanz. „Die Klimakrise braucht gesamtgesellschaftliche Lösungen, und die finden und erstreiten wir nur gemeinsam und nicht, indem wir Menschen im Alltag gegeneinander aufbringen“, sagte Sprecherin Annika Rittmann der Deutschen Presse-Agentur.

Auch von den Grünen im Bundestag kam deutliche Kritik. „Mit ihrem elitären und selbstgerechten Protest bewirkt die Letzte Generation das Gegenteil dessen, was wir in der aktuellen Lage bräuchten, nämlich eine breite Bewegung in der Gesellschaft, für konsequente Klimaschutzpolitik“, sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Irene Mihalic, der dpa. Man solle Menschen „nicht verprellen durch Aktionen, die den ohnehin harten Alltag noch zusätzlich erschweren“.

Die FDP nutzte die Ankündigung der Letzten Generation zur Kritik am noch amtierenden rot-grün-roten Senat. Der Berliner Landesvorsitzende Christoph Meyer sagte: „Das Ausrollen des Roten Teppichs für die Klima-Aktivisten in Berlin muss unverzüglich beendet werden.“ Bisher verhängte Strafen verhinderten Wiederholungstaten nicht nachhaltig. Die Stadt werde so eine Spielwiese für Straftäterinnen und Straftäter.