Verkehr in Berlin-Mitte

Checkpoint Charlie soll autofrei werden

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Der Checkpoint Charlie gehört zu einem der meistbesuchten Orte in Berlin. Jetzt soll der Bereich autofrei werden (Archivbild).

Der Checkpoint Charlie gehört zu einem der meistbesuchten Orte in Berlin. Jetzt soll der Bereich autofrei werden (Archivbild).

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Die Grünen im Berliner Bezirk Mitte wollen laut einem Bericht den "motorisierten Individualverkehr" am Checkpoint Charlie ausschließen.

Berlin.  Es ist einer der international bekanntesten Orte Berlins, alljährlich strömen Millionen Gäste aus der ganzen Welt dorthin: Der ehemalige Ost-West-Grenzübergang Checkpoint Charlie in Mitte ist Tag für Tag voller Besucher.

Das aber führt zu gefährlichen Situationen bis hin zu Unfällen. Die Grünen-Fraktion im Bezirk Mitte hat daher beantragt, den Checkpoint Charlie für den motorisierten Verkehr komplett zu schließen.

Auf den Weg bringen das die Fraktionssprecher Lela Sisauri und Tarek Massalme mit ihrer Fraktion. Sie wollen am Donnerstag die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) beschließen lassen, dass das Bezirksamt ein sogenanntes Teileinziehungsverfahren für die Friedrichstraße, im Bereich von Zimmer- bis Schützenstraße, veranlasst.

Am Ende sollen Autos, die privat und nicht etwa als Polizei-, Notdienst- oder ÖPNV-Fahrzeuge unterwegs sind, dort nicht mehr fahren dürfen. Die Grünen verweisen in ihrem Antrag darauf, dass es zwischen 2018 und 2021 im Bereich einen Unfall mit Schwerverletzten und 25 Unfälle mit Leichtverletzten gegeben habe.

Checkpoint Charlie in Berlin: Jährlich kommen Millionen dorthin

Zur weiteren Untermauerung ihres Antrags erklären sie, die Kreuzung ziehe pro Jahr mehr als vier Millionen Menschen an. Die würden dort achtlos auf Bürgersteig, Fahrbahn, Kreuzung umherlaufen, egal, wo sich gerade Autos befinden. Das irgendwie zu kontrollieren oder gar einzudämmen, hält die Partei für „materiell nicht darstellbar“. Es müsse also umgesteuert werden, aus „Gründen der Verkehrssicherheit sowie des öffentlichen Wohls“.

Die Entschleunigung werde auch bei der anstehenden Umplanung des Umfeldes hilfreich sein. Wie berichtet, wird am ehemaligen Checkpoint Charlie ein Bildungs- und Erinnerungsort geschaffen. Dazu läuft bereits ein wettbewerbliches Dialogverfahren.

Ein vorliegender B-Plan legt im Bereich neben Wohnen und Gewerbe einen 1130 Quadratmeter großen öffentlichen Stadtplatz und auf 1050 Quadratmetern einen Museumsneubau mit einer oberirdischen Geschossfläche von 3000 Quadratmetern samt mindestens 350 Quadratmetern großem Vorplatz fest. Für den Betrachter soll eine klare Ost-West-Unterbrechung des Gebäudeverlaufs in Kreuzberg und Mitte erkennbar sein.

Checkpoint Charlie: Abstimmung im Bezirksparlament erwartet

Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Felix Reifschneider, nennt den Plan Teil einer Grünen-Politik der Nadelstiche gegen das Auto. „Anstatt endlich ein Gesamtkonzept für Stadtentwicklung und Verkehr für das Berliner Zentrum vorzulegen, soll nun der nächste autofreie Abschnitt durchgeboxt werden“, so der FDP-Mann.

Es sei befremdlich, mit welcher Vehemenz kurz vor der Wiederholungswahl Fakten geschaffen werden sollen. Da der Checkpoint Charlie nun einmal zu den touristischen Attraktionen Berlins gehört, müsse die Verkehrsführung im Rahmen des Gesamtkonzepts für das Berliner Zentrum eine Lösung liefern. Dabei sollten aber „alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigt, und nicht das Miteinander“ vernachlässigt werden, so Reifschneider.

Der CDU-Fraktionschef in der BVV-Mitte, Sebastian Pieper, sagte, weder liege dem Vorschlag ein Konzept zugrunde, noch seien Anrainer und Interessenvertretungen einbezogen worden. Es sei zudem davon auszugehen, dass dies ein erster Schritt zu weiteren Teilentziehungen ist. „Auch ist es ein Armutszeugnis, wenn eine verstärkte Kontrolle des Verkehrs als materiell nicht darstellbar bezeichnet wird“, so Pieper.

Fahrradstraße Charlottenstraße

In der Bezirksverordnetenversammlung Mitte bilden Grüne und SPD in dieser Legislatur eine sogenannte Zählgemeinschaft. Sie verfügen über die Mehrheit im Bezirksparlament. Damit stünde einem Beschluss des aktuellen Antrags nichts im Weg. Die SPD-Fraktionsvorsitzenden Susanne Fischer und Dorothea Riedel sagten allerdings auf Morgenpost-Anfrage, die Fraktion habe sich noch keine abschließende Meinung gebildet. Man wolle den Antrag in die Ausschüsse für Verkehr und Ordnung und für Stadtentwicklung überweisen. Eine derartige Teileinziehung müsse in ein Verkehrsgesamtkonzept eingebettet werden.

Eine erhebliche Veränderung des Verkehrsflusses in Mitte ist ein Stück weiter bereits umgesetzt. Während die Sperrung der Friedrichstraße für den Autoverkehr aufgehoben werden musste, ist die Charlottenstraße zwischen Leipziger Straße und Unter den Linden seit Ende November Fahrradstraße.