Stadtentwicklung

Land Berlin kauft zwei Grundstücke am Checkpoint Charlie

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Patrick Goldstein
Am Checkpoint Charlie suchen Touristen den Einstieg in die Geschichte, doch städtebaulich ist es ein traumatischer Ort.

Am Checkpoint Charlie suchen Touristen den Einstieg in die Geschichte, doch städtebaulich ist es ein traumatischer Ort.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Die Stadt übernimmt Flächen im Bezirk Mitte. Damit ist der Weg frei für ein Museum und eine würdige Gestaltung des historischen Ortes.

Berlin (dpa/bb).  Nach jahrelanger Ungewissheit, wie es mit dem Areal am einstigen Grenzübergang Checkpoint Charlie weitergehen soll, ist nun ein wichtiger Beschluss gefasst. Das Land Berlin kauft zwei Teilgrundstücke an der Friedrichstraße im Bezirk Mitte. Dies erklärte die Senatsfinanzverwaltung am Dienstag. Damit ist für die Stadt der Weg frei, den derzeit völlig unübersichtlichen Bereich mit neuer Erinnerungsstätte und einem Bildungsangebot so zu planen, dass es dem historischen Stellenwert angemessen ist.

Mit einem Insolvenzverwalter, bei dem die Grundstücke liegen, und einem von ihm ausgewählten privaten Kaufinteressenten sei eine entsprechende Einigung erzielt worden, so die Verwaltung. Am Montag war ein entsprechender Vertrag notariell beurkundet worden. Finanzsenator Daniel Wesener (Grüne) sagte, der Erwerb der beiden Flächen sei für Berlin eine große stadtentwicklungspolitische Chance. „Die wollen wir nutzen und damit auch der Verantwortung gegenüber diesem geschichtsträchtigen Ort gerecht werden.“ Weitere Details, etwa zu dem beteiligten privaten Kaufinteressenten oder Angaben zum Kaufpreis wurden zunächst nicht bekannt. Das Berliner Abgeordnetenhaus muss dem Geschäft noch zustimmen.

Checkpoint Charlie: Ein Touristenmagnet

Der Checkpoint Charlie zieht alljährlich Hunderttausende an. Über die Stadtgrenzen hinaus ist er als Symbol des Kalten Krieges bekannt. Dieser Tage ist der Checkpoint ein Durcheinander von ramschigen Touristenangeboten, Autos, Rädern und Menschen, die auf Bürgersteig und Fahrbahn Fotos machen.

Dem steht eine lange bestehende klare Intention gegenüber, die die Landesregierungen trotz unterschiedlicher Zusammensetzungen seit den 1990er-Jahren durchgehend verfolgen. Zuletzt hatte die Trockland-Gruppe die Grundschuld für Flächen am Checkpoint Charlie erworben und eigene Pläne erarbeitet. Seit 2020 gilt dazu ein Bebauungsplan, womit die Pläne von Trockland ausbremst wurden.

Der B-Plan legt neben Wohnen und Gewerbe auf den restlichen Flächen einen 1130 Quadratmeter großen öffentlichen Stadtplatz und auf 1050 Quadratmetern einen Museumsneubau mit einer oberirdischen Geschossfläche von 3000 Quadratmetern samt mindestens 350 Quadratmetern großem Vorplatz fest. Dort, wo jetzt unübersichtlicher Trubel herrscht, soll für den Betrachter die klare Unterbrechung des Gebäudeverlaufs aus Kreuzberg und Mitte erkennbar werden.

Forderungen des Landesdenkmalamts

Das Landesdenkmalamt hatte darüber hinaus empfohlen, historisch wichtigen Bestand zu erhalten: Zwei denkmalgeschützte Brandwände an Mauer- und Zimmerstraße müssten ins Gesamtkonzept der Erinnerungsstätte integriert werden. Sie sind laut B-Plan entweder frei zu halten oder bekommen Anbauten nur unter Auflagen.

Bildungs- und Erinnerungsort sollen von der Stiftung Berliner Mauer betrieben werden. Sie betreut etwa die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße in Mitte sowie die bemalte Mauerstrecke East Side Gallery in Friedrichshain – beides ebenfalls Berliner Orte, die jährlich große Touristenzahlen anziehen. An der Gallery nahe der Oberbaumbrücke startete die Stiftung wie berichtet im September ein Dokumentationsprogramm unter freiem Himmel, das zudem noch ausgebaut wird.

Komplizierte Eigentumsstruktur am Checkpoint Charlie

Die Eigentumsstruktur der Flächen am Checkpoint ist kompliziert. Etliche werden durch einen Insolvenzverwalter betreut, der nun wohl einen privaten Investor gefunden hat. Dieser wiederum hat sich mit dem Senat darauf geeinigt, bestimmte Flächen aus dem Paket dem Land zu überlassen. So kann das Areal nun gemeinsam von einem Investor und der öffentlichen Hand entwickelt werden.

Im Abgeordnetenhaushaus blickte Julian Schwarze, Grünen-Sprecher für Stadtentwicklung und Tourismus voraus. Obwohl einer der meistbesuchten Orte Berlins, gleiche der Ex-Checkpoint „eher einem Unort“. Ihn nun ins Eigentum der Stadt zu holen, sei ein wichtiger Schritt dabei, die Flächen nun endlich für einen öffentlichen Stadtplatz und einen angemessenen Erinnerungsort zu nutzen. Damit fangen die neuen Herausforderungen aus Schwarzes Sicht aber erst an. Auch die weiterhin privaten Flächen müssten nun so gestaltet werden, dass die Gebäude dort zum Ort passen und sich in die Umgebung einfügen. „Dazu ist ein offener und transparenter Wettbewerb dringend notwendig“, sagte er.

Neues Mitte November

In diesem Monat begann indes in Regie der Senatsbauverwaltung ein Dialogverfahren zum Ex-Grenzübergang, zu den jetzt landeseigenen Flächen sowie zu Straßen, Fassaden und Übergängen der angrenzenden Grundstücke. Eine Zwischenpräsentation steht Mitte November an.

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( mit dpa )