20 Meter Beton

Spaziergänger entdecken neues Stück der Berliner Mauer

Mitten in Berlin gibt es noch Unbekanntes - etwa 20 Meter Berliner Mauer, die nun nahe des Bundesnachrichtendienstes entdeckt wurden.

Das Mauerstück ist Teil der Vorfeldsicherungsmauer des damaligen Grenzübergangs Chausseestraße

Das Mauerstück ist Teil der Vorfeldsicherungsmauer des damaligen Grenzübergangs Chausseestraße

Foto: Ephraim Gothe

Berlin. Ein überraschender Fund ist Mittes Bezirksstadtrat Ephraim Gothe und einer Gruppe interessierter Bürger geglückt. Bei einem Kiezspaziergang durch das Viertel an der neuen Zentrale des Bundesnachrichtendienstes stieß die Gruppe zufällig auf ein bislang unbekanntes Stück der Berliner Mauer, teilte der SPD-Politiker am Montag mit. „Ich freue mich, dass wir bei einem Bürgerspaziergang ein Stück authentische Mauer mitten in Mitte entdeckt haben“, sagte der Stadtrat für Stadtentwicklung, Soziales und Gesundheit.

Bei dem Fund handelt es sich um ein rund 20 Meter langes Betonstück mit Lampenhaltern auf einer Brache nördlich der Ida-von-Arnim-Straße. Eigentlich war das Motto des Spaziergangs „Grüne Wege in die Mitte“. Die Gruppe um Gothe versuchte den Verlauf eines zukünftigen Spazierweges über der Panke im Gebüsch nachzuvollziehen - und landete plötzlich vor der eigentümlichen Betonwand, die verdächtig an das Grenzbauwerk erinnerte.

Fundstück gehört "im weiteren Sinne" zur Grenzanlage

Nach dem Fund untersuchte das Landesdenkmalamt gemeinsam mit der Stiftung Berliner Mauer das Betonstück. Die Stiftung bestätigte letztlich Ende Juli den Verdacht. Demnach handelt es sich um einen Abschnitt der Vorfeldsicherungsmauer in der Nähe des damaligen Grenzübergangs Chausseestraße. „Das Betonstück ist damit kein Bestandteil der eigentlichen Mauer“, sagte Dr. Günter Schlusche von der Stiftung Berliner Mauer der Berliner Morgenpost.

Vielmehr gehöre der Mauerrest zur Grenzanlage im weiteren Sinne. Die Mauer sei um das Jahr 1985 errichtet worden. Vergleichbare Stücke ständen an der Bernauer und der Gartenstraße in Mitte. Auch der Betonweg entlang der Mauer stimmt mit dem Postenweg an der Bernauer Straße überein, der nach der Sprengung der Versöhnungskirche 1985 angelegt worden war.

Dass die Mauer erst vor Kurzem entdeckt wurde, wundert Schlusche nicht. Die Straße, an der das Stück liegt, wurde erst vor wenigen Jahren gebaut, zuvor gab es kaum einen Zugang zum Grundstück. Zudem sei der Bau eher unauffällig, „nicht sehr spektakulär“, wie Schlusche zugibt. Inzwischen ist das rund 20 Meter lange Betonstück in die Denkmalliste eingetragen worden, so Ephraim Gothe. Er hoffe, dass das Mauerstück „in die Gestaltung der öffentlichen Durchwegung zur Chausseestraße einbezogen wird“, sagte der Bezirksstadtrat weiter.

Gedenkfeier für die Mauer-Opfer mit Bürgermeister Michael Müller

Gothe gab den überraschenden Fund am Montag am 57. Jahrestag des Mauerbaus bekannt. Am 13. August 1961 hatte die SED-Führung unter Walter Ulbricht mit dem Bau der Mauer begonnen. Das rund 155 Kilometer lange Bollwerk zerschnitt Berlin mehr als 28 Jahre. Die Teilung endete erst mit dem Fall der Mauer am 9. November 1989.

Zur Erinnerung an die Opfer des Mauerbaus fand am Montag in der zentralen Mauer-Gedenkstätte an der Bernauer Straße eine Gedenkveranstaltung statt. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), die Vizepräsidentin des Bundestages, Petra Pau (Linke), sowie der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, legten Kränze nieder. Zuvor gab es in der Kapelle der Versöhnung eine Andacht.

Auch fast 29 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer werden immer wieder zufällig Reste der einstigen Grenzanlage entdeckt. In diesem Jahr wurden bei Bauarbeiten Teile im Mauerpark und am Nordbahnhof gefunden. Ende Januar 2018 stieß zudem ein Heimatforscher auf ein Mauerstück an der Grenze zwischen Reinickendorf und Pankow. Anders als der aktuelle Fund aus Mitte war der etwa 80 Meter lange Grenzwall nahe des S-Bahnhofs Schönholz jedoch kein Betonstück, sondern Mauerwerk.

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