Räume gesperrt

Kein Einschulungsbescheid: Im Schulamt Mitte schimmelt es

Kurz vor Unterrichtsstart sind 150 Kinder im Bezirk noch ohne Informationen. Die Lage ist berlinweit angespannt.

Schimmel an einer Raumwand (Symbolbild)

Schimmel an einer Raumwand (Symbolbild)

Foto: CHROMORANGE / Christian Ohde / picture alliance

Berlin. Die Bescheide, auf welche Grundschule ein Kind im Unterrichtsjahr 2018/19 eingeschult wird, sind in Berlin weitgehend verschickt. Nur im Bezirk Mitte warten noch 150 Kinder und ihre Eltern auf die Nachricht, wo sie im August eingeschult werden. Grund für die Verzögerung ist ein Schimmelbefall im Schulamt Mitte. Betroffen davon sind auch die beiden Räume, in denen die Akten für das Auswahlverfahren liegen.

„Es gab im Keller des Rathauses einen Wasserrohrbruch, den zunächst niemand bemerkt hatte“, bestätigt Schulstadtrat Carsten Spallek (CDU). Die in dem Keller gelagerten Unterlagen in einem Regal an der feuchten Wand bildeten offenbar Schimmelsporen aus, was aber anfangs keiner mitbekam. „Mitarbeiter nahmen die Akten nach oben in ihre Büros und arbeiteten damit.“ Der Schimmelbefall wurde erst später gemeldet. „Die zwei Räume im dritten Stock wurden dann vorsichtshalber gesperrt und professionell gereinigt, damit sich die Schimmelsporen nicht überall verbreiten“, so der Schulstadtrat weiter. Vor knapp einer Woche wurden Proben für ein Labor genommen, das Anzüchten der Kulturen dauere drei Wochen. Das Ergebnis stehe noch aus. So lange darf keiner die Räume betreten.

Die Akten werden in Schutzkleidung herausgeholt

„Da leider auch Akten für die Schulplatzzuweisung darunter sind, haben wir einen professionellen Dienstleister damit beauftragt, in Schutzkleidung in die Räume zu gehen und die Akten für die Schulplatzzuweisung zu scannen“, erläutert Spallek. Die digitalisierten Unterlagen würden sukzessive den Schulleitungen zur Verfügung gestellt. „Ich weiß, dass die Eltern dringend auf den Einschulungsbescheid warten“, sagt Spallek. Im Ausschuss für Schule am Donnerstag im Rathaus Mitte versprach er den anwesenden Elternvertretern, die Briefe würden „zeitnah“ herausgehen.

Jan Krebs, Elternvertreter an der Erika-Mann-Grundschule in Wedding, kritisiert, die Eltern im Bezirk Mitte würden seit Wochen vertröstet. „Sie haben ihre Kinder wie vorgeschrieben bis zum 17. Oktober 2017 angemeldet und warten nun immer noch.“ Die Schimmel-Akten seien nur noch das i-Tüpfelchen, so Krebs. Er geht davon aus, dass die Plätze im Grundschulbereich nicht ausreichen werden. Die Folge könnte sein, dass die Klassen überfüllt sein werden und die Raumkonzepte nicht mehr greifen.

Tatsächlich haben auch in anderen Bezirken die Schulämter nur deshalb alle Kinder untergebracht, weil man eng mit den Grundschulen zusammenarbeitete und Lösungen suchte. „Die Schulen kommen uns sehr weit entgegen“, sagt beispielsweise Gordon Lemm (SPD), Schulstadtrat in Marzahn-Hellersdorf. Statt 24 sitzen dann oft 26 Kinder in der Klasse. In diesem Bezirk waren einige Schulen stark übernachgefragt, besonders solche mit Profil wie die musikbetonte Johann-Strauß-Grundschule. 200 Widersprüche gegen die Zuweisungen habe man im Moment noch, aber Lemm ist zuversichtlich, in den meisten Fällen bald eine Lösung zu finden.

Dass die Zahl der Widersprüche sich schnell reduzieren kann, zeigt sich im Bezirk Pankow. Noch vor kurzer Zeit hatte man hier über 200 Widersprüche, aktuell sind davon nur noch 24 offen. Der dortige Schulstadtrat Torsten Kühne (CDU) macht aber klar, wie angespannt die Lage im Bezirk weiterhin sei. „Eigentlich fehlen uns bereits heute zwei bis drei Grundschulen.“ Man behelfe sich deshalb an einzelnen Standorten mit Schulcontainern. Ohne Kreativität und Abstriche – beispielsweise ein Abweichen vom Musterraumprogramm – gehe es nicht.

Im Bezirk Lichtenberg wurden in 122 Fällen Ablehnungsbescheide verschickt, dort liegen aktuell 33 Widersprüche vor. Grundsätzlich seien aber alle Kinder mit einem Schulplatz versorgt, betont Schulstadtrat Wilfried Nünthel (CDU). Die letzten Briefe mit Zu- oder Absagen seien am 6. Juni herausgegangen.

Grunewald-Grundschule bekommt Pavillons

Eine besondere Situation erlebt in diesem Jahr der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf: Hier werden rund 750 Kinder mehr eingeschult, als man erwartet hatte. „Es findet ein Generationswechsel statt“, erklärt die dortige Schulstadträtin Heike Schmitt-Schmelz (SPD). Große Wohnungen wurden plötzlich frei. Wo einst die „Wilmersdorfer Witwen“ lebten, ziehen nun junge Familien mit Kindern ein. Für die Statistiker war dieses Phänomen kaum vorauszusehen. „Das waren Kinder, mit denen nicht zu rechnen war“, so Schmitt-Schmelz.

Auch hier gehe man „kreativ“ mit der Herausforderung um. An drei Schulstandorten werden kurzfristig Pavillons mit zusätzlichen Klassenzimmern errichtet oder sind in Planung. Klar ist, dass die Grunewald-Grundschule ab Sommer einen Zusatzbau mit vier weiteren Klassenzimmern auf dem Gelände haben wird. Bei der Erwin-von-Witzleben-Grundschule, bei der sowieso Erweiterungen stattfinden, werden so wohl auch zwei weitere Klassenzimmer entstehen. Und bei der Katharina-Heinroth-Grundschule wird noch geprüft, ob Pavillons möglich sind. Schmitt-Schmelz betont, alle Bezirkskinder hätten einen Platz an ihrer Einzugsschule gefunden. Trotzdem sind noch 89 Widersprüche offen, eine Klage ist eingereicht. Hier geht es um Profilschulen wie beispielsweise die Joan-Miró- oder Charles-Dickens-Grundschule.

Mehr zum Thema:

Bezirk Mitte muss marode Carl-Kraemer-Schule schließen

Mit Kleinklassen kämpft Reinickendorf gegen Schulschwänzen