Schimmelbefall

Bezirk Mitte muss marode Carl-Kraemer-Schule schließen

Die Schüler und Lehrer der Carl-Kraemer-Schule in Wedding werden ab kommender Woche per Bus-Shuttle auf andere Standorte verteilt.

Die Carl-Kraemer-Schule soll nach den Osterferien wieder öffnen - wenn alles klappt

Die Carl-Kraemer-Schule soll nach den Osterferien wieder öffnen - wenn alles klappt

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin. Schimmel, schiefe Zwischendecken, ein Riss unter dem Dach – jetzt hat der Schulstadtrat von Mitte, Carsten Spallek (CDU), die Reißleine gezogen. Von Montag an wird die Carl-Kraemer-Grundschule an der Zechliner Straße wegen der sich häufenden Havarie-Fälle vorerst komplett gesperrt. Die Lehrer und Schüler sollen dann jeden Morgen mit Shuttlebussen auf zwei andere Standorte verteilt werden. Am Nachmittag werden sie dann wieder an die Zechliner Straße zurück gebracht.

Ein großer Teil der Klassen soll in dem gerade fertiggestellten modularen Ergänzungsbau an der Chausseestraße einziehen. Eigentlich ist dort eine Filiale der Humboldthain-Grundschule geplant, doch bisher stehen die nagelneuen Räume am Erika-Heß-Eisstadion noch leer. Die restlichen Klassen der Carl-Kraemer-Schule müssen mit ihren Lehrern in die Brüder-Grimm-Grundschule an der Tegeler Straße ausweichen. Die Schule sei nicht komplett ausgelastet und könne deshalb sieben Räume abgeben, sagte Spallek der Berliner Morgenpost.

Teile der Schule sind schon seit Dezember gesperrt

Zu der radikalen Maßnahme kam es, nachdem das Amt die Aufhängung der Zwischendecken in den Räumen genauer unter die Lupe genommen hat. Eigentlich sei nur in einem Raum die abgehängte Schallschutzdecke etwas schief gewesen, sagte Spallek. Doch die Überprüfung habe gezeigt, dass auch in den anderen Räumen die Aufhängung mangelhaft sei. Zu befürchten sei, dass dadurch Teile der Zwischendecke abfallen könnten, so der Stadtrat.

Erst in den Herbstferien war, wie berichtet, eine Zwischendecke im Foyer der Spandauer Carlo-Schmid-Sekundarschule nach einem Wasserschaden abgestürzt. Glücklicherweise waren zu diesem Zeitpunkt keine Schüler oder Lehrer in der Schule. Ein solches Szenario will Stadtrat Spallek in Mitte vermeiden. Doch die Zwischendecken sind nicht das einzige Problem in der maroden Carl-Kraemer-Grundschule.

Lehrer protestieren mit Schutzmasken gegen Schrott-Schulen

Der Keller der Grundschule ist schon seit längerer Zeit wegen Schimmelbefalls abgeriegelt. Die aufwendige Grundsanierung wurde immer wieder verschoben. Trotz der Abriegelung sind Schimmelsporen nun auch in andere Gebäudeteile gelangt. Das hatte eine Messung im Dezember ergeben. Ein Treppenaufgang, die Sporthalle, die Mensa und die Toiletten im Erdgeschoss mussten gesperrt werden. Und dann ist da noch ein Riss in der Decke unter dem Dach des Schulgebäudes. Nun soll geprüft werden, ob möglicherweise die Statik des Schulhauses dadurch gefährdet sein könnte.

Angesichts der sich häufenden Mängel hat der Stadtrat nun beschlossen, die Schule komplett vom Netz zu nehmen. Dadurch könnten die Arbeiten im Gebäude auch schneller vorangehen. Das Schulamt hofft, dass die Schüler und Lehrer nach den Osterferien wieder in ihre Schule zurückziehen können. Der verschimmelte Keller soll dabei erst einmal nicht angefasst werden. Die Grundsanierung sei so kurzfristig nicht zu stemmen. Erschwerend kommt der Schulplatzmangel hinzu. Der Bezirk kann es sich einfach nicht leisten, eine Schule über einen längeren Zeitraum für Sanierungsarbeiten komplett zu schließen.

Sanierungsfahrplan für alle Schulen soll im März kommen

Auch an der Anna-Lindh-Grundschule in Wedding musste nach den Winterferien der obere Teil der zweistöckigen Turnhalle wegen Schimmel gesperrt werden. Die Garderoben und Duschen auf dieser Etage sind schon seit einem Jahr wegen Schimmelbefall abgeriegelt, saniert wurden sie jedoch nicht. Nach Angaben von Elternvertretern falle nun ein Teil der Sportstunden aus. Grund für die Havarien an den Schulen ist der enorme Sanierungsstau. Der Senat will nun mit einer Schulbauoffensive innerhalb von zehn Jahren alle Schulen sanieren. Insgesamt sollen 5,5 Milliarden Euro investiert werden. Mit einem Finanzierungsfahrplan will die Bildungsverwaltung transparent machen, wann welche Schule an der Reihe ist.

Eigentlich sollte diese Übersicht schon im Januar fertig sein. Es laut Bildungsverwaltung jedoch Bezirke, die die nötigen Daten noch nicht geliefert haben. Nun soll der Finanzierungsfahrplan voraussichtlich Mitte März veröffentlicht werden. Vorbildlich ist dagegen Spandau: Der Bezirkselternausschuss hat die Daten für jede einzelne Schule bereits in einer interaktiven Karte aufbereitet und online gestellt.

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