Kurfürstenstraße

Proteste verhindern AfD-Bürgerdialog zum Straßenstrich

Die AfD wollte mit Bürgern über Zwangsprostitution an der Kurfürstenstraße diskutieren. Eine Demo mit 50 Teilnehmern verhinderte dies.

Prostitution an der Kurfürstenstraße

Prostitution an der Kurfürstenstraße

Foto: Reto Klar

Eigentlich wollte die AfD am Donnerstagnachmittag einen Bürgerdialog veranstalten zum Thema "Zwangsprostitution und Wohngebiet" an der Kurfürstenstraße. Die Pressekonferenz sollte vor dem Seminarraum Bülowbogen stattfinden, der von der AfD genutzt wird. Der Raum selbst ist zurzeit geschlossen, weil dessen Scheiben in der Nacht von Sonntag auf Montag von unbekannten Tätern eingeschlagen worden waren. 55 Polizisten standen nun bereit und sicherten den Fußgänger- und Radweg. Zu einem Bürgerdialog kam es dennoch nicht.

Denn gleich zu Beginn des Gesprächs entfalteten zwei Personen ein Transparent unmittelbar neben den Politikern. Eine Gegendemonstration mit rund 50 Teilnehmern versammelte sich mit Spruchbändern und Anti-AfD-Sprechgesängen an der Ecke Bülowstraße und Dennewitzstraße. Die Gruppe forderte unter anderem "Sex work is work" (Sexarbeit ist Arbeit) sowie "Kein Raum für rechte Hetze".

Laut AfD-Sprecher Andreas Heinzgen hätten die Demons­tranten die am Dialog interessierten Bürger verschreckt. Am Ende erschienen lediglich zwei Anwohner zu der Veranstaltung, die aus Sicherheitsgründen schließlich ins Abgeordnetenhaus von Berlin verlegt wurde. Vier weitere Interessierte hätten laut Heinzgen von der gegenüberliegenden Straßenseite signalisiert, dass sie kommen möchten, sich jedoch "nicht getraut" hätten. "Der Kiez kann weiterhin Rotlichtkiez bleiben", erklärte Harald Laatsch, bau- und wohnungspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion im Abgeordnetenhaus während des Pressetermins. Die Pläne der AfD sehen vor, eine Sperrzone im Kiez mit kontrollierter "Anbahnungszone" zu schaffen.

Unterdessen lehnt die SPD-Fraktion des Bezirks Tempelhof-Schöneberg den Vorschlag von Mitte-Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) ab, die Straßenprostitution berlinweit zu verbieten, um damit auch den Straßenstrich an der Kurfürstenstraße zu bekämpfen. Sinnvoll sei eine kontinuierliche Sozialarbeit vor Ort sowie der Runde Tisch zum weiteren Umgang mit der Sexarbeit im Kiez. "Wer glaubt denn ernsthaft, dass eine Verbotsverordnung die Ausübung der Prostitution verhindern würde?", fragt Manuela Harling, Fraktionssprecherin für Frauenpolitik.

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