Asyl in Berlin

Erste Flüchtlinge ziehen in Traglufthallen ein

12.000 Asylbewerber erwartet Berlin in diesem Jahr. Die Heime und Unterkünfte sind voll. Als Notaufnahmen stehen zwei Traglufthallen bereit, in die nun die ersten Flüchtlinge einziehen.

Um den Andrang der vielen Flüchtlinge in Berlin zu bewältigen, stehen seit Freitag zwei große Traglufthallen bereit. Auf dem Gelände im Poststadion in Moabit können so für einen kurzfristigen Übergang insgesamt 250 bis 300 Menschen untergebracht werden. Laut der Stadtmission, die den Aufbau organisierte, enthalten die Notunterkunft-Hallen optisch abgeschlossene Schlafabteile für je sechs Personen, ausgestattet mit Tisch, Stühlen, Betten und einem Schrank.

Auf insgesamt 2500 Quadratmetern Grundfläche gibt es freie Sitzbereiche und Spielecken, Duschen und Toiletten. Die Stadtmission betreut die Bewohner in den sogenannten Wärmelufthallen mit ihrer wabenartigen Oberfläche ganztägig. Die Hallen bestehen aus mehreren Kunststoffschichten, die durch warme, hereingeblasene Luft in der aufrechten Form gehalten werden.

Viele Asylbewerber melden sich zwar in Berlin, werden dann aber nach einigen Übernachtungen in andere Bundesländer geschickt. Derzeit gibt es zu wenig Unterkünfte für sie. Für die Verteilung der Menschen auf die Länder ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BaMF) zuständig.

Die sozialpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Elke Breitenbach, sprach von Konzeptlosigkeit. Die Menschen würden immer wieder in katastrophalen Notaufnahmeeinrichtungen landen oder auch in Traglufthallen. „Das ist keine Lösung“, betonte Breitenbach im RBB. Die Flüchtlinge müssten eigenen Wohnungen erhalten.

Der Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LaGeSo), Franz Allert, sprach im Inforadio von einer „einer idealen Lösung“ für eine kurzfristige Unterbringung angesichts der derzeitigen Witterung.

Aufnahmestopp in Berlin gilt weiter

Wegen Masern- und Windpocken-Erkrankungen in Unterkünften für die Erstaufnahme nimmt Berlin auch in den nächsten Tagen keine aus anderen Ländern zugewiesene Flüchtlinge auf. Mindestens bis Dienstag bleibe Berlin von der bundesweiten Verteilung von Asylbewerbern ausgenommen, sagte Allert. In der kommenden Woche müsse die Lage dann neu bewertet werden.

Allert sagte, man habe jetzt „in fast allen Erstaufnahmeeinrichtungen Masern- und Windpockenfälle“. Später müsse Berlin die in dieser Zeit nicht aufgenommenen Flüchtlinge dann übernehmen.

Flüchtlingsrat fordert Beschlagnahmung von Wohnraum

Der Flüchtlingsrat kritisierte den Verweis auf die Erkrankungen als bloßen Vorwand, um keine Flüchtlinge mehr aufnehmen zu müssen. Eine Quarantäne wegen der Masern- und Windpockenerkrankungen gebe es nur in zwei der sechs Berliner Erstaufnahmeeinrichtungen für Asylsuchende. In diesen beiden großen Erstaufnahmeeinrichtungen in Spandau seien jeweils „eine Handvoll Kinder erkrankt“. Zur Unterbringung künftiger Flüchtlinge müsse Berlin leerstehende Gebäude beschlagnahmen.

Die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) setzte sich dafür ein, Flüchtlingen eine Chance auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu geben. „Da kann man viel tun für die Integration dieser Menschen, aber auch für unseren Arbeitsmarkt“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder mit Blick auf den oft beklagten Fachkräftemangel.

Eder erinnerte daran, dass seit 2012 eine zentrale Stelle in Nürnberg die ausländischen Abschlüsse in IHK-Berufen prüft. Gleichwertige Abschlüsse werden anerkannt, andere Antragsteller erhalten eine Bescheinigung, in der eventuell fehlende Qualifikationen aufgeführt sind.