Berlin-Mitte

Am Gleisdreieck entstehen 700 neue Wohnungen

Am Montag gab es ein Richtfest für das neue Stadtquartier an der Flottwellstraße in Tiergarten. Anwohnerproteste halten sich bisher in Grenzen – ungewöhnlich für Berlin.

Foto: Groth Gruppe / Reggeborgh

Auf einer einstigen Bahnbrache, direkt am Gleisdreieck-Park, wird unter Hochdruck an einem neuen Stadtquartier gearbeitet. Das Bemerkenswerte: Obwohl insgesamt 700 Wohnungen und drei Hotels entstehen, gibt es keine nennenswerten Anwohnerproteste gegen das Bauvorhaben in bester Stadtlage, wenige hundert Meter vom Potsdamer Platz entfernt.

Am Montag schwebte die Richtkrone über dem Bauabschnitt an der Flottwellstraße 19-29. Auf einem 10.400 Quadratmeter großen Bauareal mit unverstelltem Blick auf den Park errichtet die Berliner Groth Gruppe gemeinsam mit der niederländischen Reggeborgh Projektentwicklung 122 Miet- und 148 Eigentumswohnungen.

Die auf elf Stadthäuser verteilten Wohnungen wurden von fünf Architekturbüros gestaltet: nps tchoban voss Architekten, Christoph Kohl Architekten, Claus Neumann Architekten, Fuchshuber Architekten sowie Lorenzen Architekten lieferten die Pläne für die Häuser, in denen Wohnungen in einer Größe von 50 bis 127 Quadratmetern angeboten werden. Insgesamt investierten die Projektentwickler rund 85 Millionen Euro. Der Baustart erfolgte im April vergangenen Jahres, im Juli nächsten Jahres soll der gesamte Komplex, inklusive der zwei Tiefgaragen mit 166 Stellplätzen, fertig sein.

Wohnungen zu 80 Prozent verkauft

Die Kaufpreise für die Eigentumswohnungen liegen bei 3200 Euro pro Quadratmeter aufwärts. „Die Wohnungen sind bereits zu 80 Prozent verkauft“, so Projektentwickler Klaus Groth. 60 Prozent der Käufer kämen aus Berlin, 27 aus dem restlichen Bundesgebiet und knapp zehn Prozent aus dem Ausland. „Die Mietwohnungen“, ergänzt sein Sohn Thomas Groth, „werden zwischen 10 und 16 Euro pro Quadratmeter und Monat vergeben“.

„Die konkreten Planungen für das Projekt haben vor drei Jahren begonnen“, so Bauträger Klaus Groth weiter. Am Anfang, als das Projekt im Kreuzberger Rathaus öffentlich vorgestellt worden sei, habe es durchaus auch Proteste gegeben. Diese hätten sich jedoch schnell gelegt.

Dass dies in Berlin eher die Ausnahme als die Regel ist, hat nicht zuletzt der Volksentscheid gegen die Randbebauung des Tempelhofer Feldes vor einem Monat gezeigt. Und die Groth Gruppe selbst hat auch anderswo einschlägige Erfahrungen gemacht mit Bürgerinitiativen, die gegen Bauvorhaben auf die Barrikaden gehen.

700 Wohnungen wollte Groth auf einem Teilareal der Gartenkolonie Oeynhausen errichten. Ein Bürgerentscheid auf Bezirksebene, dem fast 85.000 Wahlberechtigte in Charlottenburg-Wilmersdorf ihre Zustimmung gaben, bremste das Vorhaben vorerst aus. Das Bezirksamt muss jetzt prüfen, in welcher Höhe Schadensersatzforderungen drohen, wenn nicht gebaut werden darf.

Groth Gruppe hat Erfahrungen mit Bürgerinitiativen

Auch am Mauerpark in Mitte haben Gegner, frisch beflügelt vom Erfolg des Volksentscheids in Tempelhof, jetzt das Bündnis „100 % Mauerpark“ geschmiedet. Investor Groth plant dort den Bau von 520 Wohnungen, „im September ist die öffentliche Auslegung der Bauplanungen, dann werden wir sehen, wie es weitergeht“, so Thomas Groth.

Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) ließ es sich denn auch nicht nehmen, bei dem Richtfest auf die besonderen Erfordernisse beim Wohnungsbau in Zeiten von Volks- und Bürgerentscheiden hinzuweisen. „Es braucht Zeit für eine genaue Analyse, was da eigentlich in Tempelhof passiert ist“, sagte Müller, der dort 4700 Wohnungen bauen lassen wollte.

Obwohl das Tempelhofer Feld im Wesentlichen frei bleiben und nur am Rand Wohnungen entstehen sollten, sei dies nicht geglückt – anders als am Gleisdreieck-Park, wo die Situation eine ganz Ähnliche sei. Offenbar sei den Plänen des Senats großes Misstrauen entgegengebracht worden. „Wir müssen nun sehen, wie wir gemeinsam damit umgehen, und dafür sorgen, dass Wohnungsbau weiter stattfinden kann“, appellierte Müller.