Neue Studie

Immobilien-Boom – Konzerne kaufen in Berlin 100.000 Wohnungen

Immobilienunternehmen kaufen in Berlin immer mehr Mietwohnungspakete mit über hundert Wohneinheiten. 2013 entfiel ein Drittel der deutschlandweiten Großgeschäfte auf Berlin. Auch der Senat schlägt zu.

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Auf dem Berliner Immobilienmarkt boomt nicht mehr nicht nur das Geschäft mit Eigentumswohnungen oder einzelner Mehrfamilienhäuser. Wie in den Boomjahren 2005 bis 2007 und damit noch vor der Finanzkrise liegt der Kauf gleich ganzer Mietwohnungspakete mit mehren hundert Einheiten wieder voll im Trend. Ganz besonders im Fokus der Investoren sind dabei langfristig vermietete Wohnungsbestände in der deutschen Hauptstadt. „Auffälligster Marktakteur war dabei die Deutsche Wohnen“, schreibt das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), das den Handel großer Wohnungsportfolios in den Jahren 2012 und 2013 untersucht hat. Der größte verzeichnete Deal war die Übernahme von rund 90 Prozent der Anteile an der Berliner GSW Immobilien durch die Deutsche Wohnen mit anteilig 53.200 Wohnungen im November 2013. Doch nicht nur die Deutsche Wohnen hat zugegriffen.

Insgesamt wurden nach der am Dienstag vom BBSR veröffentlichten Studie 2013 deutschlandweit 49 Großtransaktionen mit rund 300.000 verkauften Wohnungen verzeichnet. Erfasst wurden dabei nur ab 800 Einheiten. Im Vergleich zum bereits starken Vorjahr 2012 habe das Transaktionsvolumen damit noch einmal deutlich um mehr als 50 Prozent zugelegt. Nach Angaben des BBSR wurden 2012 190.000 Wohnungen bei 34 Großverkäufen erfasst.

Auf Berlin entfiel 2013 dabei gut ein Drittel des Gesamtvolumens. Doch anders als noch während des Immobilienbooms Mitte der 2000er Jahre spielen ausländische Finanzinvestoren längst eine untergeordnete Rolle auf dem Berliner Immobilienmarkt. So verfolgt etwa der Berliner Senat offensiv seine Strategie, den kommunalen Wohnungsbestand wieder auszuweiten. Über seine sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften hat das Land in der laufenden Legislaturperiode bereits rund 14.000 Wohnungen aufgekauft. In sechs großen Paketkäufen haben die zwei landeseigenen Unternehmen Howoge und Gewobag innerhalb von zwei Jahren dabei insgesamt 8500 Wohnungen erworben.

Internationale Investoren verkaufen in Berlin Wohnungen

Die internationalen Finanzinvestoren nutzen dagegen aktuell die Chancen, um sich von ihren Wohnungsbeständen zu trennen. Auf diese Gruppe entfielen 2013 72 Prozent der Verkäufe mit 233.000 Wohnungen. Deutsche Unternehmen dagegen treten wieder deutlich stärker als Käufer von Wohnungsbeständen auf. 2013 wurden 129.000 Wohnungen durch deutsche Investoren gekauft. So hat die TAG die Berliner TLG Wohnen mit 11.400 Wohnungen übernommen. Aber auch Österreicher gehen zunehmend auf Einkaufstour: So haben sowohl Conwert als auch Buwog jeweils mehrere tausend Wohnungen gekauft und weitere Käufe angekündigt. „Das aktuelle Hoch am Wohnungstransaktionsmarkt unterscheidet sich damit von den Boomjahren vor der Finanzkrise“, betont BBSR-Expertin Karin Lorenz-Henning.

Für den Berliner Immobilienmarkt erfasst das Maklerhaus CB Richard Ellis (CBRE) noch detailliertere Daten. Im Unterschied zum BBSR werden schon Portfolio-Verkäufe ab 50 Wohneinheiten erfasst. Der Wohnimmobilienportfolio-Handel in Berlin verzeichnete 2013 einen Umsatz von 6,9 Milliarden Euro bei 110.000 Wohneinheiten. Im Vorjahr 2012 dagegen wurde der Verkauf von Wohnungspaketen mit rund 40.000 Einheiten im Wert von 2,75 Milliarden Euro registriert.