Gehry-Turm

Risiken für U-Bahn bringen Wolkenkratzer am Alex ins Wanken

Die Hochhauspläne für den Alexanderplatz wackeln wieder. Die BVG fürchtet Schäden an der U-Bahn der Linie 5, wenn dort ein 39-geschossiger Bau entstehen soll. Die BVG fordert ein Havarie-Konzept.

Hinter den Hochhaus-Plänen am Alexanderplatz in Mitte steht weiter ein großes Fragezeichen. Bislang haben sich der Hochhaus-Investor, der US-amerikanische Projektentwickler Hines, und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) nicht über den Umgang mit den Baurisiken einigen können. Eine solche Vereinbarung ist jedoch Voraussetzung für eine Baugenehmigung für das 250 Millionen Euro teure Projekt. Das machte Staatssekretär Christian Gaebler am Mittwoch bei einer Anhörung im Bau- und Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses deutlich.

Erst im Frühjahr hatte Investor Hines den Entwurf des US-amerikanischen Star-Architekten Frank Gehry für einen 150 Meter hohen Wohnturm am Nordostrand des Alexanderplatzes vorgestellt. Das Problem: Der 39-Geschosser soll in unmittelbarer Nähe zu den U-Bahn-Schächten direkt unter dem Platz entstehen. Die BVG befürchtet, dass es beim Bau zu Schäden und Wassereinbrüchen in den Tunnel kommen kann. Das könnte den Betrieb der wichtigen Linie U5 (Alexanderplatz–Hönow) über Monate hinweg stören.

„Lebensader in den Osten der Stadt“

„Die U5 ist eine Lebensader in den Osten der Stadt“, betonte BVG-Chefin Sigrid Nikutta bei der Anhörung. Käme es durch den Hochhaus-Bau zu Schäden am Tunnel, müsste der U5-Betrieb für bis zu einem Jahr zwischen den Stationen Alexanderplatz und Frankfurter Allee eingestellt werden.

Bei dem von der BVG geforderten Havariekonzept geht es vor allem auch um das Geld, das der Investor für vorherige Sicherungsmaßnahmen und die Beseitigung möglicher Schäden an den U-Bahn-Bauten hinterlegt. Die Vorstellungen liegen da noch sehr weit auseinander. Während die BVG im schlimmsten Fall mit Schäden in Höhe von 30 Millionen Euro rechnet, kalkuliert Hines bisher gerade einmal zwei Millionen Euro dafür ein. „Unsere Ingenieure haben große Erfahrungen mit Hochhausbauten, die wir in aller Welt errichten“, sagte der Geschäftsführer von Hines Deutschland, Christoph Reschke, bei der Anhörung.

BVG-Chefin Nikutta will sich mit derartigen Referenzen nicht zufriedengeben. „Wir sind da ein gebranntes Kind“, sagte sie und verwies auf die Havarie am Leipziger Platz, die 2012 für eine mehrwöchige Unterbrechung des Zugbetriebs auf der U2 (Pankow–Ruhleben sorgte. Den Schaden beziffert die BVG auf 1,5 Millionen Euro. Über das Geld gebe es bis heute Streit mit dem Investor, der auf dem am Leipziger Platz ein Einkaufszentrum errichtet.