Frank Gehry

Deutschlands höchster Wohnturm entsteht am Alexanderplatz

39 Stockwerke hoch soll das neue Hochhaus am Berliner Alexanderplatz werden. Mit diesem Entwurf setzte sich US-Architekt Frank Gehry im Wettbewerb durch. 2017 sollen die ersten Bewohner einziehen.

Der Neubau des ersten Wohnhochhauses am Alexanderplatz wird nach den Plänen des amerikanischen Stararchitekten Frank Gehry errichtet.

Das gaben Berlins Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und Christoph Reschke, Geschäftsführer des amerikanischen Immobilienunternehmens Hines, am Montag bekannt. Der Baustart für den bis zu 250 Millionen Euro teuren Turm mit dem Grundriss eines Kleeblatts soll im kommenden Jahr erfolgen.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher begrüßte den Wohnturm als „äußerst markantes neues Wahrzeichen neben dem Park Inn Hotel“. Der 39 Stockwerke hohe Turm, der mit einer Höhe von 150 Metern das höchste Wohnhaus Deutschlands werden wird, soll direkt an das ebenfalls von Hines errichtete Einkaufscenter „Die Mitte“ grenzen. Eine schmucklose Brandwand an der der Alexanderstraße zugewandten Seite des Centers zeigt derzeit an, wo genau das Gebäude ansetzen soll.

Senat distanziert sich von Kollhoffs Plänen

Um den Turm zu errichten, so der Hines-Chef, müsse nun zunächst der bestehende Bebauungsplan angepasst werden. Denn nach dem Masterplan von Hans Kollhoff wachsen die am Alex vorgesehenen Türme aus der Mitte sogenannter Sockelbauten empor. Die Abänderung von diesem Plan, versicherte die Senatsbausdirektorin, sei jedoch schon mit ihrem Hause abgestimmt. „Wir gehen davon aus, dass wir 2015 starten können“, sagte Reschke. Nach einer zweieinhalbjährigen Bauzeit könnte der Turm dann im Jahr 2017 bezogen werden.

Doch diese noch relativ geringfügige „Turmverschiebung“ ist noch die kleinste Änderung, die nun am Masterplan von Hans Kollhoff vorgenommen werden muss. Kollhoff, der den Gestaltungswettbewerb für das Areal 1993 gewonnen hatte, hatte ursprünglich zehn 150 Meter hohe Hochhäuser vorgesehen – allerdings auch an Stellen, wo bereits Gebäude stehen, die in den vergangenen Jahren aufwendig saniert wurden.

Der Berliner Senat hat sich deshalb inzwischen von den Plänen distanziert. Das Vorhaben sei „im Grunde nicht umsetzbar“, sagte Lüscher. Um den Kollhoff-Plan im seiner ursprünglichen Fassung umzusetzen, müssten das Hotel Park Inn, das Haus des Reisens und das Haus der Elektroindustrie, allesamt Gebäude aus der DDR-Zeit, abgerissen werden.

Diskussion der Pläne mit breiter öffentlicher Beteiligung

„In den vergangenen 20 Jahren hat sich der Blick auf die DDR-Moderne jedoch sehr gewandelt“, so die Senatsbaudirektorin. Die vorbildliche Sanierung des Hauses des Lehrers habe gezeigt, wie viel Potenzial in diesen Gebäuden noch stecke. Der Masterplan könne laut Lüscher nun so überarbeitet werden, dass bestehende Gebäude einbezogen werden. Den Auftrag dafür müsse allerdings das Abgeordnetenhaus geben.

Die Koalition werde zeitnah die Eckpfeiler für die Weiterentwicklung des Masterplans für die städtebauliche Entwicklung des Alexanderplatzes beschließen, sicherte am Montag der stadtentwicklungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Stefan Evers, zu.

„Unter breiter öffentlicher Beteiligung wollen wir diskutieren, welche Weiterentwicklungsmöglichkeiten hierfür aus dem Bestand heraus mittelfristig bestehen müssen“, sagte Evers. Gleichzeitig sei es durchaus angebracht, die Denkmalwürdigkeit einzelner Bestandsbauten zu prüfen. „Die städtebauliche Gesamtentwicklung darf dadurch allerdings nicht beeinträchtigt werden“, forderte Evers.

20 Projekte rund um den Alexanderplatz im Bau

Mindestens sechs der ursprünglich geplanten zehn Hochhäuser wären damit jedoch nicht mehr möglich, würde man die genannten Gebäude tatsächlich unter Denkmalschutz stellen. Allerdings, so Lüscher weiter, gebe es, anders als in den zehn Jahren zuvor, inzwischen durchaus Interesse am Bau der 150-Meter-Türme. Ähnlich wie am Einkaufszentrum „Die Mitte“ gibt es auch jenseits der Grunerstraße, am rosaroten Shopping-Center Alexa einen Platz, der für den Bau eines 150-Meter-Turmes vorgesehen sei.

„Es gibt mehrere Investoren, die ernsthaftes Interesse an dem Alexa-Grundstück haben“, bestätigte Lüscher. Dort, wo bis vor wenigen Wochen noch der Weihnachtsmarkt an der Ecke Gruner- und Alexanderstraße veranstaltet wurde, könnte in naher Zukunft der nächste Turmbau starten. Insgesamt, so die Baudirektorin weiter, gebe es rund 20 Projekte rund um den Alexanderplatz, die in Planung beziehungsweise im Bau seien. Eines davon, das „Alea 101“ genannte Wohn- und Geschäftshaus am Fuße des Fernsehturms, soll im Sommer dieses Jahres fertig werden.

Nicht nur das Alea, auch das Hines-Hochhaus setzt nun darauf, dass der Alexanderplatz auch als Wohnadresse bekannt wird. „Im Umfeld, besonders an der Karl-Marx-Allee, gibt es ja bereits Wohnungsbauten, an denen sich anknüpfen lässt“, sagte Lüscher. Der Gehry-Turm als Wahrzeichen werde eine neue Funktion auf den bisher als Wohnort nicht sonderlich beliebten Alexanderplatz bringen, sagte Lüscher weiter. „Er wird das Wohnen auf dem Alexanderplatz neu einführen.“

Neue Wohnungen auf 32.000 Quadratmeter

Davon ist auch Christoph Reschke überzeugt. Die Planungen seien definitiv für ein Wohnhaus ausgearbeitet worden, versicherte der Hines-Chef. Man gehe von einer guten Nachfrage aus.

„Wir haben uns auf das Thema Wohnen festgelegt. Bodentiefe Fenster und Balkone sind auf diese Nutzung ausgelegt“, so Reschke. Ob tatsächlich 300 Wohnungen oder nur 250 oder auch 350 Wohnungen kommen werden, nur das sei noch offen. Diese Zahl hänge jedoch auch damit zusammen, ob kleinere oder größere Wohnungen gefragt seien. Insgesamt wolle man 32.000 Quadratmeter der 48.000 Nutzfläche dem Thema Wohnen vorbehalten.

Wie hoch der Verkaufspreis für die Wohnungen sein soll, stehe noch nicht fest, so der Hines-Geschäftsführer weiter. Fest stehe nur, dass die kleinsten Wohnungen 40 Quadratmeter messen sollen. Und dass die Wohnungen in den attraktiven obersten Stockwerken einziehen sollen. „Schließlich kann man von dort aus am besten den Weitblick genießen und die Lärmbelastung ist auch deutlich geringer“, begründete Reschke. Die unteren neun Etagen sollen dagegen von einen Hotel mit 150 Zimmern sowie einem Fitnessstudio und Restaurants genutzt werden.

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