Ein Jahr nach der tödlichen Attacke auf Jonny K. verstärkt die Berliner Polizei noch einmal ihre Präsenz am Alexanderplatz. Neben den normalen Streifen sollen dort wochentags von 9 bis 22 Uhr künftig sechs zusätzliche Beamte im Einsatz sein.

„Wir versprechen uns davon, dass wir das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stärken“, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich am Sonnabend. „Uns geht es darum, ansprechbar zu sein und Präsenz zu zeigen.“

Nach Überzeugung der Berliner Polizei zeigt die gesteigerte Präsenz der Beamten bereits Wirkung. In den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden am Alex 3941 Straftaten registriert. Gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres ist das ein Rückgang um fünf Prozent.

Straftaten auf diesem Platz komplett zu verhindern, sei nicht möglich, aber die Polizei investiere viel, um das Sicherheitsgefühl der Menschen zu steigern, kommentierte Innensenator Frank Henkel (CDU) die jüngsten Maßnahmen der Ordnungshüter.

Positive Erfahrungen

Das Konzept, das am 4. November in Kraft treten soll, ist nach Redlichs Worten eine Reaktion auf die positiven Erfahrungen mit dem sogenannten Kontaktmobil. Der zusätzliche Funkwagen ist seit dem Angriff auf Jonny K. regelmäßig am Alexanderplatz im Einsatz.

Während das neue sechsköpfige „Direktionskommando“ an den Wochentagen bereits von Polizeipräsident Klaus Kandt gebilligt wurde, wird eine Verstärkung der Kräfte am Wochenende nach Redlichs Angaben noch geprüft.

Der Vorschlag lautet, dass sonnabends und sonntags zehn Beamte zusätzlich bis 5 Uhr am Alexanderplatz Streife fahren. Dafür müssten sie aber aus anderen Direktionen abgezogen werden.

Jonny K. starb am 14. Oktober 2012 nach Tritten und Schlägen an Gehirnblutungen. Die Prügelattacke gegen ihn und einen Freund hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst. Sechs junge Männer wurden zu Haftstrafen verurteilt. Die Zahl der Strafanzeigen am Alexanderplatz ist seit damals deutlich zurückgegangen.

Wieder Schlägerei

Doch erst in der Nacht zu Sonnabend musste die Polizei wieder wegen einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen am U-Bahnhof Alexanderplatz eingreifen.

Ersten Aussagen zufolge war es beim Einsteigen einer Gruppe Jugendlicher in einen U-Bahnwaggon gegen 1.30 Uhr zum Streit mit einem 35-Jährigen gekommen, der wiederum mit seinem Fahrrad aussteigen wollte. Zeugenaussagen zufolge zog der Mann im Zuge der Rangelei ein Messer und bedrohte die Jugendlichen.

Anschließend rannte er über den Bahnsteig. Dabei wurde der 35-Jährige von der Gruppe verfolgt, stürzte und fiel schließlich ins Gleisbett. Von dort aus warf er mit Steinen auf die Verfolger, von denen er auch vier traf. Eine unbeteiligte Passantin wurde dabei ebenfalls von einem Stein getroffen. Nachdem der Mann aus dem Gleisbett gestiegen war, kam es bis zum Eintreffen der alarmierten Polizisten zu einer Schlägerei.

Alle Beteiligten wurden nach erkennungsdienstlichen Maßnahmen wieder entlassen. Das Messer und die Videoaufzeichnung des U-Bahnhofs wurden als Beweismaterial sichergestellt. Wegen des Einsatzes kam es zur Verspätung mehrerer U-Bahnen.

dpa/mim/hhn