Sie ist ein markantes Bauwerk. Die Fassade aus dunkelrotem Backstein, hohe neogotische Fenster und viele kleine Türmchen auf dem Dach zeichnen die Friedrichswerdersche Kirche am Werderschen Markt in Berlin-Mitte aus. Sie gilt als eines der authentischsten Gebäude, die der preußische Baumeister Karl Friedrich Schinkel entworfen hat.
Doch das Museum im Inneren ist seit einem Jahr geschlossen, weil Gefahr für Besucher und ausgestellte Kunstwerke bestand. Im Zuge von Bauarbeiten auf dem Nachbargrundstück hatte sich das Kirchenfundament gesenkt. In der Folge war eine Seitenwand der Kirche leicht nach außen gekippt.
Jetzt haben Bauarbeiten begonnen, um das Fundament der Kirche zu stabilisieren. Zement wird über sogenannte Lanzen in den Untergrund des alten Gebäudes gespritzt. Die Arbeiten auf dem Nachbargrundstück bleiben hingegen weiter unterbrochen.
Dort soll das Luxusquartier „Kronprinzengärten“ mit 32 Eigentumswohnungen, sieben Stadthäusern und einem Galeriegebäude entstehen. Investitionsvolumen: rund 90 Millionen Euro. Im Herbst 2011 hatte das Projekt begonnen. Ein Jahr später wurde ein Baustopp verfügt, weil Risse im Gewölbe und im Boden der Kirche aufgetreten waren.
Standsicherheit neu berechnet
Im Zuge der Stabilisierung verändert sich jetzt auch das Innere der Kirche. Ein Gerüst wird eingebaut, um die Schäden an Wänden und Decken schneller erkennen zu können. Die ersten Risse im Gewölbe werden verpresst. Sensoren werden installiert, die schon die kleinsten Bewegungen in den Mauern melden. Die Standsicherheit der Kirche werde noch einmal neu von einem unabhängigen Sachverständigen berechnet, sagte Kultursstaatssekretär André Schmitz auf Anfrage der Linken-Abgeordneten Katrin Lompscher.
Die Kosten für die Stabilisierung der Kirche trägt der Bauherr der Kronprinzengärten, die Bauwert Investment Group. „Das haben wir mit der Gemeinde vereinbart“, sagte Bauwert-Sprecher Henning Hausmann. Zur Höhe der Kosten wollte er sich nicht äußern. Wann die Friedrichswerderschen Kirche wieder als Museum öffnen kann ist ungewiss. Bis zum Herbst 2012 wurden Skulpturen aus der Zeit von Schinkel gezeigt, darunter das Originalmodell der „Prinzessinnengruppe“, dem berühmten Werk des Bildhauers Johann Gottfried Schadows und der Marmorsarkophag der Königin Luise von Preußen von Christian Daniel Rauch. Die Besucher konnten auch Bilder aus dem Berliner Schloss im Kirchenschiff sehen.
Kosten für Auslagerung sind bereits beglichen
Die Kunstwerke waren Dauerleihgaben. Sie sind an die Antikensammlung übergeben und ins Depot der Nationalgalerie zurückgebracht worden. Die Skulpturen und Bilder seien nicht beschädigt worden, weil sie rechtzeitig entfernt wurden, sagte Schmitz. Die Kosten für die Auslagerung habe der Bauherr der Kronprinzengärten bereits beglichen. Die Bauwert Investment Group wolle auch die Einnahmeverluste und weitere Kosten, die den Staatlichen Museen durch die Schließung des Museums entstehen, bezahlen. Die Kirche wurde von 1824 bis 1830 erbaut. Das Bauwerk wurde im zweiten Weltkrieg beschädigt und blieb lange eine Ruine. Erst in den 80er-Jahren wurde die Kirche wieder aufgebaut. Seit Jahren wird sie als Ausstellungsraum der Staatlichen Museen zu Berlin genutzt.
Für die Arbeiten am Kirchenfundament sei die Baugrube der „Kronprinzengärten“ teilweise wieder aufgeschüttet worden, sagte Bauwert-Sprecher Hausmann. Der Zeitplan für das Bauvorhaben verschiebe sich. Für die Zementinjektionen sind zwei Monate Zeit eingeplant. Ein rechnerischer Test habe ergeben, dass diese Maßnahme ausreiche, um die Kirche zu stabilisieren. Die Arbeiten an den „Kronprinzengärten“ könnten voraussichtlich im November 2013 fortgesetzt werden, so Hausmann.
Noch ein Bauprojekt geplant
„Die Pläne bleiben unverändert.“ Die Baugrube solle mit einer Schlitzwand gegen das Kirchengrundstück abgegrenzt werden. Vorgesehen ist, dass das neue Wohnquartier zum Jahresanfang 2016 fertig ist. Ursprünglich sollte es bereits 2013 bezogen werden. 82 Prozent der Wohnungen seien verkauft, sagte Hausmann. „Wir wären schon bei 100 Prozent, haben aber den Verkauf während des Baustopps nicht weiter betrieben.“ Die Bauwert Investment Group plant derzeit ein weiteres Bauvorhaben in Mitte. Neben der Parochialkirche an der Klosterstraße sollen die „Klostergärten“ entstehen. „Es spricht im Moment nichts dafür, dass dort etwas Ähnliches passieren könnte“, sagte Hausmann. „Aber wir sind da sehr viel aufmerksamer.“
Zu den „Kronprinzengärten“ wurden Hausmann zufolge drei Bodengutachten angefertigt. Sie seien jetzt bestätigt worden. „Warum es zu den Verrückungen kam, konnte keiner vorhersehen. Es war für alle überraschend“, sagt der Bauexperte Es habe keinerlei Hinweis von den Gutachtern gegeben. Zu den „Klostergärten“ seien ebenfalls Gutachten erstellt. Es gebe keine Bedenken hinsichtlich der Stabilität der Parochialkirche. „Sie ist kleiner, der Abstand zu den Häuser ist deutlich größer“, so Bauwert-Sprecher Hausmann.




