Die Mensa der 37. Grundschule in Mahlsdorf ist gut gefüllt mit rund 120 interessierten Anwohnern. Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) hat zwei Wochen nach dem Angriff auf die Stromversorgung in Steglitz-Zehlendorf und dem anschließenden Stromausfall Experten in ihren Wahlkreis geladen, um über die Vorsorge zu informieren. Mit von der Partie sind Vertreter vom Roten Kreuz, der Freien Feuerwehr Mahlsdorf, dem Technischen Hilfswerk, dem Verband Deutscher Grundstücksnutzer sowie der Bezirksstadtrat für Katastrophenschutz Stephan Bley (CDU), in dessen Verantwortungsbereich auch der Katastrophenschutz fällt.
Die Idee zu der Veranstaltung sei ihr gleich nach dem Stromausfall gekommen, sagt Günther-Wünsch. Alle Mitwirkenden hätten sich auch nach der anstrengenden Zeit des Blackout Zeit genommen. „Gut, oder?“, freut sich die Politikerin. Ihr Lebenspartner, der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU), war in die Kritik geraten, weil er mit ihr am Blackout-Samstag in der Mittagspause eine Stunde Tennis gespielt und das auch auf Nachfrage zuerst nicht erwähnt hatte.
Warum nun also dieser Abend? „Das war eine sehr aufregende Situation für ganz Berlin. Ich glaube, dass man mit Informationen und Wissen etwas beruhigen kann.“ Die Situation in ihrem Wahlkreis, in der größten Einfamilienhaussiedlung Europas sei speziell und die Menschen dort auch. „Fragen Sie mal, ob die Leute ihr Eigenheim in einer solchen Situation verlassen würden. Ich glaube nicht.“
Feuerwehr warnt vor Kerzen und rät zu regelmäßiger Notfallprüfung
Es ist ein Abend, der guten, aber auch unbequemen Tipps: Der Vertreter der Freiwilligen Feuerwehr sagt, dass „Kerzen eine schlechte Wahl sind“ und setzt fast entschuldigend hinzu „Wir sind ja die Feuerwehr.“ Und wenn es bei einem Stromausfall zu „einem Brandereignis“ komme, könne es länger dauern, bis sie vor Ort seien. Er empfiehlt stattdessen Taschenlampen. Batterien bitte getrennt lagern, da sie die Geräte beschädigen können, wenn sie auslaufen.
Auch die Kondensatoren in Kurbelradios haben eine begrenzte Haltbarkeit. Der Feuerwehrmann empfiehlt, die Notfallausrüstung regelmäßig auf Funktionsfähigkeit zu prüfen. Und natürlich solle man auch bei den Vorräten für mindestens drei Tage, besser zehn Tage, immer aufs Haltbarkeitsdatum achten.
Das sogenannte „Prepping“, die Vorbereitung auf einen Katastrophenfall also, kann auch im kleinen Rahmen aufwendig sein, wenn man es gewissenhaft betreibt. Bei den meisten Berlinern scheitert es wohl schon allein an der Getränkemenge: Zwei Liter pro Person und Tag sind empfohlen. Wer hat schon sechs bis 20 Liter pro Person zu Hause gebunkert?
Ich wäre, ehrlich gesagt, auch überfordert als Mutter mit drei Kindern in einer solchen Situation.
Katharina Günther-Wünsch, Die Bildungssenatorin über den Stromausfall
„Gucken Sie sich mal die Vorsorge-Liste an – also ganz ehrlich, ich hatte nicht alles zu Hause“, gibt auch Günther-Wünsch im Gespräch mit der Morgenpost zu. Die Liste ist auf der Seite des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe herunterladbar. Da geht es von Essen und Trinken über alternative Kochgelegenheiten, Solar- oder Kurbelradios, sowie der Liste wichtiger Nummern auf Papier über Haustiernahrung und Medikamenten bis zu Schlafsäcken. „Ich kaufe ab jetzt immer mal eine Packung Nudeln mehr zum Lagern“, sagt Günther-Wünsch nach der Veranstaltung im Gespräch mit der Morgenpost. „Ich wäre, ehrlich gesagt, auch überfordert als Mutter mit drei Kindern in einer solchen Situation. Da kommt man schon ins Nachdenken. Wir überlegen jetzt auch, ein Notstromaggregat für zu Hause anzuschaffen.“

Günther-Wünsch sagt, dass auch auf gesamtstädtischer Ebene Nachbesserungsbedarf sichtbar geworden sei. „Wir hätten die Schulen schon wieder früher aufmachen können. Am Sonntagmorgen hatten wir die Notbetreuung organisiert. Aber wir hatten keine ausreichenden Informationen über die jeweilige Energieversorgungssituation der einzelnen Schulgebäude. Also: Wir wussten ganz einfach nicht, welche Generatoren man wo anschließen kann.“ Das solle nun nachgebessert werden.
Notstrom und Nachbarschaftshilfe rücken in den Fokus
Der Vertreter des Technischen Hilfswerks rät Eigenheimbesitzern dazu, einen Netztrennschalter in die Stromversorgung einzubauen, damit man im Notfall einfach das Notstromaggregat anschließen kann. „Geht schnell, kostet nicht viel.“ Auch ein Balkonkraftwerk mit Steckdosenanschluss, wie es sie im Baumarkt gibt, bringe Hausbesitzer im Notfall „ganz weit nach vorn“.
Am Ende des Abends entspinnt sich im Saal eine Diskussion, ob man eine Brennwerttherme – Gas fließt ja im Regelfall weiter – bei einem Stromausfall an ein Balkonkraftwerk anschließen kann. Und so scheint der Tipp des Vertreters des Verbands der Deutschen Grundstücksnutzer höchst sinnvoll: Man solle sich unbedingt beraten lassen. Und schließlich dann der universelle Ratschlag: „Das Leben in der Krise lässt sich am besten gemeinsam bewältigen. Halten Sie im Alltag Kontakt zu Ihren Nachbarn!“



