Als in Berlin am Samstag die Lichter ausgingen, blieben Aufzüge stecken, Heizungen kalt und Pflegekräfte mit Taschenlampen in dunklen Stationen zurück. Menschen saßen fest, froren, warteten. Die Stadt war im Ausnahmezustand. Und ihr Regierender Bürgermeister? Spielte zwischen 13 und 14 Uhr Tennis.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Politische Führung zeigt sich nicht an Tagen, an denen alles läuft. Sie zeigt sich dann, wenn etwas schiefläuft. Wenn Systeme versagen. Wenn Unsicherheit entsteht. Genau in diesem Moment braucht eine Stadt Orientierung. Und genau in diesem Moment war ihr oberster Repräsentant abwesend – nicht physisch unerreichbar, aber sichtbar falsch verortet.
Wegner hat das Prinzip Verantwortung nicht verstanden
Natürlich darf auch ein Regierender Bürgermeister Freizeit haben. Er darf Sport treiben, abschalten, Luft holen. Doch Führung bemisst sich nicht an dem, was erlaubt ist. Sondern an dem, was man in einer bestimmten Lage lässt. Wer das nicht unterscheidet, hat das Prinzip Verantwortung nicht verstanden.
Der Gang auf den Tennisplatz war kein organisatorischer Lapsus. Er war ein politischer Fehlgriff. Ein Zeichen mangelnden Instinkts. Denn in Krisen geht es nicht nur um Problemlösung, sondern auch um Haltung. Um Präsenz. Um das Gefühl: Da ist jemand, der die Lage ernst nimmt. Sichtbar, ansprechbar, im Zentrum der Verantwortung. Ein Regierender Bürgermeister muss nicht jeden Schalter selbst umlegen. Aber er muss da sein.
Krisen sind keine Excel-Tabellen. Sie lassen sich nicht mit Häkchen und Lageberichten abarbeiten. Sie sind emotionale Ausnahmezustände. Menschen brauchen Gewissheit, nicht perfekte Abläufe. Genau deshalb ist Führung in solchen Momenten auch eine Frage der Symbolik. Und Symbole wirken – ob man will oder nicht. Ein Tennismatch sendet in dieser Lage eine klare Botschaft: Abstand.
Fehlende Transparenz beschädigt das Bild nachhaltig
Richtig fatal wurde die Sache jedoch erst danach. Die nachgeschobene Kommunikation, das Reden von einem „ganzen Tag im Büro eingeschlossen“, während private Termine unerwähnt bleiben, ist kein Versehen. Es ist der Versuch, die Realität nachträglich umzuschreiben. Nicht der Tennisplatz allein beschädigte das Bild – sondern der Versuch, ihn aus der Erzählung zu tilgen. Transparenz sieht anders aus. Glaubwürdigkeit auch.
Am Ende geht es nicht um Sport. Es geht um Maßstäbe. Um die Frage, welches Gespür jemand für die Wirkung seines Handelns hat. Wer in einer Krise nicht erkennt, dass manche Dinge zwar erlaubt, aber unangebracht sind, sendet ein gefährliches Signal. Führung heißt nicht, alles zu dürfen. Führung heißt, im richtigen Moment auf etwas zu verzichten.
Gerade dann, wenn es dunkel wird.





