Biesdorf

Goldnest aus Schule geklaut: Durchsuchung bei Clan-Familie

Das Goldnest im Wert von 80.000 Euro wurde aus einer hochgesicherten Vitrine aus einer Biesdorfer Grundschule entwendet.

Das Goldnest lag in der Biesdorfer Fuchsberg-Grundschule in einer Vitirine.

Das Goldnest lag in der Biesdorfer Fuchsberg-Grundschule in einer Vitirine.

Foto: Lorenz Vossen/Jörg Krauthöfer

Der Fall erinnert an den spektakulären Diebstahl der Goldmünze aus dem Bode-Museum. Am Mittwoch wurde ein goldenes Kunstwerk aus einer Schule in Marzahn-Hellersdorf gestohlen. Es war nicht das erste Mal, dass versucht wurde, das „Goldnest“ zu rauben. Im November 2018 scheiterte ein erster Versuch, das teure, goldene Nest zu entwenden. „Einbrüche lohnen sich hier also nicht, sie beschädigen nur die Schule“, hatte der Schulstadtrat von Marzahn-Hellersdorf, Gordon Lemm (SPD), der Berliner Morgenpost im November 2018 gesagt. Am 24. Februar diesen Jahres gab es den nächsten Versuch. Im dritten Anlauf wurde das Nest aus der Biesdorfer Fuchsberg-Grundschule nun gestohlen. Bei dem Einbruch wurde nach Informationen der Berliner Morgenpost Spezialwerkzeug verwendet.

Das Goldnest ist bis zu 80.000 Euro wert

„Ehrlich gesagt, der Aufwand, der betrieben worden sein muss, um an das Nest heranzukommen, muss erheblich gewesen sein“, sagte Lemm der Berliner Morgenpost nach dem Diebstahl. „Sie müssen mit professioneller Ausrüstung angerückt sein.“ Was genau geschah, ist unklar. Die Täter schlugen eine Scheibe ein und brachen eine Tür auf. So gelangten die Täter in das Haus. Die Vitrine, in der das Nest lagerte wurde wiederum mit Spezialwerkzeug aufgebrochen. Welche Werkzeug die Täter genau benutzten, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Die Ermittlungen wurden vom Fachkommissariat für Kunstdelikte des Landeskriminalamtes übernommen. „Wir suchen Zeugen, die in der Nacht an der Schule etwas Verdächtiges beobachtet haben: fremde Autos, Menschen oder laute Geräusche“, sagte eine Sprecherin. Eine von mehreren Spuren, die die Ermittler derzeit Prüfen, führt nach Treptow-Köpenick. Dort hatten Unbekannte am 1. Mai zwei Löschfahrzeuge der Feuerwehr ausgeräumt. Die Einbrecher entwendeten Motorpumpenaggregate, ein Kombigerät, Motor- und Trennschleifer und zwei Motor-Kettensägen. Schon damals hieß es aus Polizeikreisen, dass man gespannt sei, bei welchem Einbruch demnächst Spezialwerkzeug verwendet werde. Eine offizielle Bestätigung für diese Spur gibt es nicht.

SEK durchsucht Villa von Clan-Chef R.

Wenige Stunden nach dem Diebstahl durchsuchte ein Spezialeinsatzkommando (SEK) in Britz, Buckow, Neukölln und Friedrichsfelde ein Auto und drei Objekte der Clan-Familie R., wie die Polizei am Mittwochabend bestätigte. Mitglieder dieser Familie stehen wegen des Münzraubs im Bode-Museum vor Gericht. Gefunden wurde aber nichts.

Das Kunstwerk (814 Gramm Feingold) hat einen Materialwert von 28.000 Euro (24 Karat). Das Nest besteht nach Angaben des Künstlers Thorsten Goldberg aus 74 massiv gegossenen Ästen aus Feingold. Laut Lemm soll sich der Wert inzwischen auf 30.000 bis 40.000 Euro gesteigert haben. Laut Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen beträgt der Wert sogar 80.000 Euro. Lemm: „Das Medium Gold scheint Fantasien zu erwecken.“ Die Idee mit dem Kunstwerk sei toll, aber man hätte vielleicht auf andere Materialien setzen sollen, mutmaßt Lemm. „Dann wäre der Reiz nicht so da gewesen, das Nest zu stehlen.“

„Deutlich bessere“ Sicherung als im Bode-Museum

Es ist nicht der erste Einbruchsversuch in der Schule. Danach wurden laut Stadtrat Lemm die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. „Es gab nicht nur Sicherungsmaßnahmen in der Schule, sondern auch Wachschutz und Polizeistreifen.“ Die Maßnahmen seien „sehr, sehr gut“ gewesen. „Sie waren deutlich besser als die im Bode-Museum, wo die Goldmünze geklaut wurde“, berichtete Lemm.

Trotzdem ist das Nest nun weg. Die Schwachstelle waren offensichtlich die Sicherheitsgläser im ersten Stockwerk der Schule. „Die Diebe sind über ein Fenster hereingekommen. Die Vitrine ist nur zum Teil aufgebrochen“, sagte Lemm. Kurz nach Mitternacht wurde der Diebstahl bemerkt, Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma alarmierten die Polizei.

Das Nest wurde erst am 16. November 2018 der neu eröffneten Schule übergeben. Warum aber wird ein so wertvolles Objekt in einer Grundschule ausgestellt? Das liegt an der gesetzlichen Vorgabe zur Kunst am Bau. Der Staat ist bei öffentlichen Gebäuden verpflichtet, einen gewissen Teil der Baumittel für Kunstwerke zu verwenden – in der Regel rund ein Prozent der Baukosten.

Nest von Künstler Thorsten Goldberg

In der Grundschule am Fuchsberg war es definitiv weniger, die Baukosten lagen bei 17,5 Millionen Euro. Wie eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sagte, werde es auch weiterhin für neue Schulen entsprechend der Vorgabe Kunst am Bau geben. Man wolle jedoch keine Vorschriften dazu festlegen, wie die Kunst auszusehen habe oder aus welchem Material sie bestehen sollte.

Das Kunstwerk in der Fuchsberg-Grundschule sei bereits Teil der Planungsunterlagen gewesen. Das Nest stammt vom Künstler Thorsten Goldberg, der sich in einem Ideenwettbewerb durchsetzen konnte. Seine Idee mit dem Nest gefiel im Bezirk, da es Geborgenheit symbolisiert. Zudem liegt die Schule an der Straße Habichtshorst. Goldberg hat die Urheberrechte seines Werks abgegeben, nach 14 Jahren hätte die Schule das Nest etwa einschmelzen dürfen, verkaufen und mit dem Erlös anschaffen können, was sie benötigt.

Mitglieder der Familie R. vor einigen Tagen im Umfeld der Schule kontrolliert

Aus Polizeikreisen verlautete am Donnerstag, dass es nicht Aufgabe der Polizei sei, jeden Wertgegenstand mit einem eigens dafür abgestellten Beamten zu schützen. Auch Juweliergeschäfte hätten auf eine permanente Bewachung keinen Anspruch. Der Schutz privater Wertgegenstände liege zunächst in der Verantwortung der Eigentümer.

Die Meldung, dass Mitglieder der polizeibekannten arabischen Großfamilie R., mutmaßlich beim Ausspähen der Schule, von polizeilichen Observationskräften gesichtet worden seien, wurde im Umfeld der Polizei nicht bestätigt. Mitglieder der Familie R. und einer weiteren polizeibekannten Großfamilie seien zwar tatsächlich vor einigen Tagen im Umfeld der Schule kontrolliert worden. Diese Kontrolle habe aber nicht im Rahmen einer gezielten Observation stattgefunden. Ein Zusammenhang mit der Schule und einem womöglich bevorstehenden Raub sei für die Beamten nicht erkennbar gewesen. Bei den nach dem Raub des Goldnestes durchgeführten Durchsuchungen in Objekten der Familie R. sei nach jetzigem Stand nichts Belastendes gefunden worden.

Gespräche mit Künstler laufen

Laut Lemm sei man derzeit in der Prüfung, wie man nun weitermache. Das betreffe etwa Versicherungsfragen und wem das Kunstwerk eigentlich gehöre. Derzeit befinde man sich auch mit dem Künstler im Austausch. Das Kunstwerk solle nach Möglichkeit auch ersetzt werden – allerdings mit anderem Material. „Das war uns eine Lehre“, sagte Lemm der Berliner Morgenpost am Donnerstag.

In der jüngeren Vergangenheit hatte es in Berlin immer wieder spektakuläre Gold-Diebstähle gegeben. Unter anderem wurde am 27. März 2017 eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze aus dem Bode-Museum entwendet.

Goldschmiedemeister: Nach dem Einschmelzen Herkunft kaum nachzuvollziehen

Der Berliner Goldschmiedmeister Jens Sierra Lingemann erklärt, wie man Gold mit großem Wiedererkennungswert überhaupt loswerden kann. Sei das Gold erstmal eingeschmolzen, so Lingemann, sei es völlig ausgeschlossen zu erkennen, wo es ursprünglich herkommt. „Man kann sich das wie bei Schokolade vorstellen. Ist die einmal geschmolzen, kann man nicht sagen, ob es ein Osterhase oder ein Weihnachtsmann gewesen ist, auch wenn unterschiedlich viel Kakao und Milch drin steckt“.

Selbst Goldschmiede und Juweliere könnten nicht sagen, wo das Gold herkommt, das sie von den Händlern beziehen, sagt Lingemann. Durch das Schmelzen verliere das Gold jegliche Spuren die es ermöglichen das Schmuckstück oder die Münze einzuordnen.

Um Gold zu schmelzen braucht man hohe Temperaturen: „Gold hat je nach Legierung einen Schmelzpunkt bei 800 bis 1000 Grad Celsius“, sagt Lingemann. Diese Temperaturen könne man aber auch im selbstgebauten Ofen in der heimischen Garage erreichen, Schamottsteine bekomme man in jedem Baumarkt „Da gibt es sicher Youtube-Videos dazu“ sagt Lingemann. Bei sehr kleinen Mengen reiche auch die Flamme eines Bunsenbrenners aus.

Sei das Gold erstmal eingeschmolzen, könne man es beim Juwelier oder Goldhändler verkaufen. Dabei werden, verläuft der Verkauf ordnungsgemäß, die Personalien aufgenommen. Verkaufe man aber immer nur kleine Mengen und das über einen langen Zeitraum und an verschiedenen Orten, zum Beispiel auch im Ausland, dann falle das nicht auf.