Marzahn-Hellersdorf

Schloss Biesdorf: Kulturelles Herzstück im Aufschwung

Die Villa wird wieder vom Bezirk betrieben. Mehr Ausstellungen und ein neues Konzept sollen mehr Besucher anlocken.

Das Schloss Biesdorf erstrahlt in neuem Glanz und soll sich zu einem offenen Kunst- und Kulturzentrum im Stadtbezirk Marzahn-Hellersdorf entwickeln

Das Schloss Biesdorf erstrahlt in neuem Glanz und soll sich zu einem offenen Kunst- und Kulturzentrum im Stadtbezirk Marzahn-Hellersdorf entwickeln

Foto: dpa

Berlin. Titus Spree, Künstler und Kurator, der wirklich so heißt, verbringt einen Großteil seines Lebens in Japan und hat sich von dort etwas abgeschaut. „In Japan gibt es viele mobile Läden, die man von Ort zu Ort bewegen kann“, sagt er. Inspiriert dadurch hat Spree sich ein mobiles Büro gebaut, ein recht rustikales Gebilde aus Holz auf Rädern. „Man sucht sich einen einen Ort, der einem gefällt und fängt an zu arbeiten.“

Noch ist das eigentümliche Gefährt nicht fertig, im Untergeschoss des Schlosses Biesdorf feilt Spree noch am letzten Schliff. Ab dem 7. September soll es dann Teil der Ausstellung „Soft City“ sein. Künstler aus Deutschland und Japan stellen sich dabei im Rahmen von Veranstaltungen, Workshops und Performances dem Thema, das sowohl in Berlin als auch in Tokio die Menschen umtreibt: Wie gehen wir mit dem immer knapper werdenden Platz um?

Gute vier Monate wird die Ausstellung gehen

Und das ist Teil des neuen Konzepts in Schloss Biesdorf. „Zuvor gab es nur zwei Ausstellungen im Jahr“, sagt die neue künstlerische Leiterin, Karin Scheel. „Wir haben die Schlagzahl erhöht.“ Vier sind es aktuell. Die Ausstellung „mancherorts“ etwa, die noch bis Ende des Monats geht, steht nur fünf Wochen auf dem Programm.

Sie haben Tempo aufgenommen in Schloss Biesdorf

Mehr Abwechslung, mehr Angebot. Seit Februar wird die von Martin Gropius und Heino Schmieden entworfene Villa wieder vom Bezirk Marzahn-Hellersdorf betrieben. Zuvor war die Grün Berlin GmbH verantwortlich, die unter anderem den Bau von Radwegen organisiert. Doch vergangenen Sommer zeichnete sich ab, dass das nicht gut gehen würde. Weil die erwarteten Einnahmen ausblieben, hatte die landeseigene Gesellschaft zu den jährlichen Mitteln von 500.000 Euro zusätzlich 150.000 Euro gefordert. Geld, das es nicht gab.

Mit einem neuen Konzept, das laut Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke) bis Ende des Jahres stehen soll, soll es mit dem „kulturellen Herzstück des Bezirks“ wieder bergauf gehen. Und tatsächlich sind bereits erste Erfolge zu vermelden. Dank zahlreicher Veranstaltungen wurden bis Juli 37.000 Besucher gezählt – mehr als im gesamten letzten Jahr. Allein zum Biesdorfer Blütenfest im Mai waren es über vier Tage 13.000.

Zeitgenössische Kunst zu gesellschaftlichen Themen

Leiterin Scheel, die von der kommunalen Bezirksgalerie M ins Schloss wechselte, setzt vor allem auf zeitgenössische Kunst zu gesellschaftlichen Themen. Oft mit Fokus auf den städtischen Raum. So wurde eine Ausstellung mit Studenten der Universität der Künste gestemmt. Videoinstallationen im Erdgeschoss zeigen, welchen Blick die Nachwuchskünstler auf den Bezirk warfen. Nicht fehlen darf das künstlerische Erbe mit Fokus auf Kunst in der DDR, weshalb die Kooperation mit dem Kunstarchiv Beeskow – der Dokumentationsstelle zur bildenden Kunst in der DDR – fortgeführt wird.

Ein Thema, das Scheel besonders am Herzen liegt, ist die Vermittlung von Kunst. Im sogenannten Labor M gibt es mehrmals wöchentlich entsprechende Angebote. Aktuell können Besucher dort zum Beispiel an der Gestaltung einer Decke arbeiten, die man dann für ein Picknick im Schlosspark ausleihen kann. Das Angebot werde gut angenommen, aber über ein wenig mehr Zulauf würde man sich freuen, sagt Thomas Bratzke, einer von zwei Künstlern, die im Labor M aktiv sind.

Neues Konzept ist auch auf internationalen Besuch ausgerichtet

Dies wird eine der Hauptaufgaben sein. Da Schloss Biesdorf mit EU-Mitteln gefördert wird, muss das neue Konzept auch auf internationalen Besuch ausgerichtet sein. Und die verirren sich in der Regel nicht so oft nach Biesdorf, „das Schloss fällt auf der Landkarte nicht unbedingt auf“, sagt Kulturstadträtin Juliane Witt (Linke). Hier sollen die Tourismuswerber von „Visit Berlin“ eingreifen. Sie planen die Einstellung eines Vermittlers, der sich nur um den Tourismus in den Ost-Bezirken kümmert. Viel wichtiger sei es, so Witt, nicht den typischen Berlin-Besucher, sondern Berliner aus anderen Bezirken nach Biesdorf zu locken.

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