Nach dem Streit um eine Anti-Hacker-Software des US-Unternehmens Crowdstrike zwischen dem Bezirk Lichtenberg und dem Berliner Senat zeichnet sich offenbar eine Lösung ab. Lichtenberg habe nun doch zugesagt, die Software anzuwenden, erklärte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) am Dienstag.
Zuvor hatte sich der Bezirk geweigert, die Software des US-Herstellers im Rahmen der Aufarbeitung des Hackerangriffs auf die Berliner Verwaltung zu installieren. Als Grund gab Lichtenberg datenschutzrechtliche Bedenken an. Nun offenbar die Kehrtwende. „Ich bin froh, sagen zu können, dass der Bezirk Lichtenberg nach jetzigem Stand auch dabei ist“, sagte Wegner. Es gehe jetzt nicht um Bezirksinteressen, sondern um die „Sicherheit von uns allen“.

Die forensische Analyse nach dem Hackerangriff, bei dem riesige Datenmengen zweier Senatsverwaltungen erbeutet wurden, könne nun auf alle Systeme der Berliner Behörden ausgerollt werden. Laut Wegner hatte Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Martin Schaefer (CDU) ihm die Entscheidung in einem Telefonat mitgeteilt.
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Der Bezirk hatte zuvor erhebliche Bedenken bezüglich des US‑amerikanischen Herstellers und des Datenschutzes geäußert. Die Software würde dem Hersteller nahezu unbegrenzten Zugriff auf sämtliche Daten ermöglichen, hieß es zur Begründung. Auch personenbezogene Daten seien wohl nie wieder zu entfernen.
Chaos Computer Club: Risiko bei Datenverarbeitung im Ausland wächst
Jochim Selzer vom Chaos Computer Club erklärte auf Anfrage der Morgenpost, das US-Unternehmen sei „eine angesehene und etablierte Firma für Angriffserkennungssoftware“. Allerdings zeigte er auch Verständnis für die Einwände des Bezirks.
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Es stelle sich grundsätzlich die Frage, „von wem wir wo unsere sensiblen Daten verarbeiten lassen“. Daten von Firmen in einem Land verarbeiten zu lassen, sei immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Vor allem in Ländern mit angespannten politischen Verhältnissen. Die Befürchtungen, sensible Daten könnten auf Druck der Regierung abfließen, seien nicht unbegründet, erklärt Selzer. „Im Zweifelsfall wird eine in einem solchen Land ansässige Firma mehr auf die Weisungen ihrer Regierung als auf europäische Befindlichkeiten hören.“
Senat versichert: Daten bleiben in Europa und werden nach Auftragsende gelöscht
Berlins Digital-Staatssekretär Florian Hauer räumte diese Bedenken nun aus. Man habe sich die datenschutzrechtlichen Aspekte „selbstverständlich angeschaut“, erklärte Hauer am Dienstag. Das US-Unternehmen habe aber vertraglich zugesagt, dass „alle Daten auf Servern in Europa bleiben“. Wenn der Auftrag beendet sei, würden die Daten außerdem nicht weiter beim Hersteller verbleiben. Personenbezogene Daten von Mitarbeitenden würden von der Software ohnehin nicht erhoben werden. Die Software werde lediglich versuchen, „Angriffsmuster zu detektieren und Metadaten zu erheben“.
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Internationale Bekanntheit erlangte das Unternehmen Crowdstrike vor zwei Jahren, als ein fehlerhaftes Software-Update weltweit Flughäfen, Banken, Buchungs- und Notrufsysteme lahmlegte. In der Folge stürzten Tausende Windows-Rechner mit Bluescreens ab und ließen sich nur manuell wieder hochfahren. Auch der BER war betroffen. Die damals weitreichenden Auswirkungen seien aber nicht allein Crowdstrike anzulasten, betonte Selzer. Allgemein sei Crowdstrike ein angesehenes Unternehmen.






