Der Förderverein des Mies van der Rohe Hauses in Berlin-Lichtenberg hat Ex-Kanzler Olaf Scholz (SPD) zum Ehrenmitglied ernannt. Der Vereinsvorsitzende Ingolf Kern lobte Scholz als „Bauhaus-Freund“, der sich in seinen politischen Ämtern für die Baukunst des 20. Jahrhunderts nicht nur interessiert, sondern auch eingesetzt hat. Auch die langjährige Leiterin des Mies van der Rohe Hauses, Wita Noack, erhielt eine Ehrenmitgliedschaft.
Scholz und Noack nahmen die Urkunden für die Auszeichnung als „Ehrenmiesianer“ am Dienstagabend in dem Backsteinhaus am idyllischen Obersee in Alt-Hohenschönhausen persönlich entgegen. Scholz betonte, sich auf der Ehrenmitgliedschaft nicht ausruhen, sondern sich weiter für die architektonische und demokratische Freiheit einsetzen zu wollen.
Er sei zutiefst besorgt, dass die gleiche Wortwahl, mit der die Bauhausarchitektur von den Nationalsozialisten bekämpft wurde, heute wieder zu hören sei. Die AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt hatte das Bauhaus als „Irrweg der Moderne“ bezeichnet.
Scholz kritisiert AfD-Rhetorik und betont Pluralismus
Scholz erklärte, diese Wortgleichheit zum Nationalsozialismus sei von der AfD gewollt. Es sei die Wortwahl der Aggression, mit dem Ziel, den pluralistischen Diskurs und die Verschiedenheit abzulehnen und zu diskreditieren. „Deshalb sehe ich mich als demokratischer Bürger verpflichtet, ein Zeichen zu setzen, dass wir uns das nicht gefallen lassen und uns nicht spalten lassen und Hetze keinen Raum bereiten“, sagte Scholz.
Der Ex-Kanzler appellierte, die Bauhausarchitektur auch heute beim Städtebau noch in Erinnerung zu behalten. Es gebe nicht den einen richtigen Architekturstil, „aber wir müssen uns mit der Moderne auseinandersetzen“, sagte Scholz. Das sollte auch beim Städtebau häufiger bedacht werden. Bereits in seiner Kanzlerzeit hatte Scholz das Mies van der Rohe Haus anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Fördervereins besucht.

Wita Noack leitete das Mies van der Rohe Haus für 33 Jahre. Der Vorsitzende des Fördervereins, Ingolf Kern, erklärte bei der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft, Noack habe dem Haus zu einem unvergleichbaren Aufstieg verholfen. Ihr sei es zu verdanken, dass das wertvolle Bauhaus-Erbe erhalten geblieben und weitergeführt worden sei. „Das Mies van der Rohe Haus ist und bleibt ihr Lebenswerk“, sagte Kern. Er hoffe, dass Noack dem Haus auch weiterhin erhalten bleibe.
Nachfolge für Leitung des Mies van der Rohe Hauses noch unklar
Wer auf Noack als Leiter oder Leiterin des Mies van der Rohe Hauses folgt, ist noch unklar. Die Nachfolge solle jedoch demnächst verkündet werden, hieß es aus dem Lichtenberger Bezirksamt. Ein Vertragsabschluss stehe kurz bevor.
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Das Mies van der Rohe Haus ist der einzige authentische Berliner Ort aus der Bauhauszeit. Zugleich ist es der letzte Bau des Architekten Mies van der Rohe in der Stadt vor seiner Emigration in die USA wegen der Nationalsozialisten. Zwischen 1932 und 1933 wurde das Haus als Landhaus Lemke für das Druckereiehepaar Karl und Martha Lemke errichtet.
Van der Rohe, der 1969 verstarb, gilt als weltberühmter Architekt der Moderne im 20. Jahrhundert. Heute ist das von ihm entworfene Haus in Lichtenberg vor allem eine Erinnerung an die Eleganz und Modernität, die von den Nationalsozialisten bekämpft und teils zerstört wurde.



