Eine abwechslungsreiche Tour um drei Seen herum und dabei durch eines der ältesten Naturschutzgebiete Berlins lässt sich in Hohenschönhausen unternehmen. Los geht es an der Haltestelle der M4 am Stadion Buschallee/Ecke Hansastraße, nur gute 20 Minuten Straßenbahnfahrzeit vom Alexanderplatz entfernt. Es geht zunächst ein kleines Stück die Hansastraße entlang, vorbei an einem ehemaligen Säuglings- und Kinderkrankenhaus, einst das erste seiner Art in Preußen. Es steht zwar unter Denkmalschutz, ist aber leider völlig verwahrlost. Idyllisch wird es erst dahinter, wenn man nach rechts auf den kleinen Kopfsteinpflasterweg einbiegt, der um das südliche Ende des von Bäumen eingefassten Sportgeländes herumführt.
Straßenlärm, Neubauten und Bauzäune sind ab jetzt passé. Die Vögel zwitschern, und der stille Weg schlängelt sich vorbei an Vereinsheim und dem Umweltbüro Pankow, danach rechter Hand über ein paar Stufen hinab zum Eingang ins Naturschutzgebiet Fauler See. An der Weggabelung gleich hinter dem Zauntor begeben wir uns links entlang direkt auf den Rundweg um den See. Man läuft durch einen ruhigen kleinen Wald. 25 Hektar groß ist das Naturschutzgebiet, nur ein Fünftel davon nimmt der See in Anspruch. Die restliche Fläche bietet einer Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten ein Rückzugsgebiet, und dass hier ein Vogelparadies mitten in der Stadt liegt, hört man sofort.
Der Rundweg führt teilweise durch einen besonders schützenswerten Altbaumbestand. Hat man den See schon fast umrundet, bietet eine Aussichtsplattform am Ufer erstmals freien Blick über das stellenweise mit Schilf bewachsene Gewässer. Von hier aus folgt man dem Weg geradeaus bis zum Ausgang Suermondtstraße. Direkt gegenüber geht der Sabinensteig ab, auf dem wir ins Villenviertel rund um Oranke- und Obersee hineinspazieren. In der Gegend residierten schon vor dem Krieg wohlhabende Künstler oder Industrielle und auch zu DDR-Zeiten war dies eine exklusive Wohngegend, in der besonders viele Stasifunktionäre lebten. An der Oberseestraße stand etwa ein Gästehaus von Stasi-Minister Erich Mielke.
Kleinod der klassischen Moderne
Uns interessiert aber vielmehr das nur wenige Meter entfernte Mies van der Rohe Haus, das der berühmte Bauhausarchitekt 1933 als Privathaus für den Besitzer einer „grafischen Kunstanstalt“ baute. Es war seine letzte Arbeit vor der Emigration in die USA und ist aufgrund der mehrjährigen Sanierungsarbeiten in der Neuen Nationalgalerie bis auf Weiteres das einzige begehbare Bauwerk Mies van der Rohes in Berlin. Der flache sachliche Bau ist ein echtes Kleinod der klassischen Moderne. Auch der zum Obersee sich erstreckende Garten lädt zum Verweilen ein. Im Haus selbst werden bei freiem Eintritt ständig wechselnde Ausstellungen gezeigt, durch die die freundlichen Mitarbeiter gern persönlich führen, wenn es die Zeit zulässt.
Nach dieser Kunst-Pause gehen wir die Oberseestraße ein kleines Stück zurück und folgen dem zweiten Seerundweg der Tour. Der Obersee wurde Ende des 19. Jahrhunderts künstlich angelegt, um den Wasserbedarf einer Brauerei zu sichern. Diese Aktion schloss die Errichtung eines Wasserturmes auf dem angrenzenden Lindwerderberg mit ein. Bis heute thront der historische Ziegelsteinturm auf dieser höchsten Erhebung Alt-Hohenschönhausens, die immerhin 61 Meter über dem Meeresspiegel liegt.
Die in dem 1900 erbauten Turm untergebrachte Bar wird heute für Kulturveranstaltungen, Feierlichkeiten und die gastronomische Versorgung von Spaziergängern genutzt. Am östlichen Ende des Parks überqueren wir die Straße hin zum direkt gegenüber liegenden Orankesee. Links am Freibad vorbei gelangt man an dem mit Bäumen umstandenen See entlang zum Biergarten Orankesee – ab April hat das Freiluftlokal wieder geöffnet. Zum Abschluss vollenden wir die Runde um den See fast vollständig und folgen dann der Miniallee namens Oberseestrand geradeaus, bis wir wieder auf die Suermondtstraße stoßen. Hier fährt direkt die Tram 27, biegt man links ab, gelangt man in zwei Minuten auch wieder zum Ausgangspunkt an der M4.





