Ausflugs-Tipp

Wiesen, Mufflons, nackte Catcher im Volkspark Rehberge

Der Volkspark Rehberge ist nach dem Tiergarten der zweitgrößte Park im Stadtbezirk Mitte. Ein Ausflug verheißt einen vergnügten Nachmittag - mindestens.

Foto: FRANZ MICHAEL ROHM / Franz Michael Rohm

Unser Ausflug beginnt an der U-Bahnstation Rehberge. Von der Müllerstraße biegen wir rechts in die Otawistraße. Die führt Richtung Süd-Westen durch das Afrikanische Viertel zum Volkspark Rehberge. Vor dem Ersten Weltkrieg plante der Hamburger Tierhändler und Zoodirektor Carl Hagenbeck hier eine Anlage mit Tieren aus den damaligen afrikanischen Kolonien des Kaiserreichs. Nach Kriegsende gab es keine Kolonien mehr, doch die Straßennamen waren bereits vergeben. So passieren wir fast 100 Jahre nach der Kolonialzeit die Lüderitz- und Togostraße, bevor wir an der Afrikanischen Straße den Volkspark betreten.

Vermutlich favorisierte Hagenbeck das ehemalige militärische Übungsgelände wegen der Savannentopographie, in der es sogar Flugsanddünen gab. Bis Mitte der 20er-Jahre gehörte das Gebiet noch zur Jungfernheide. Dann gestaltete zwischen 1926 und 1929 Stadtgartendirektor Erwin Barth einen der größten Volksparks Deutschlands auf einer Fläche von mehr als 70 Hektar. Große Wiesen sollten der Erholung und sportlichen Ertüchtigung dienen, die Dünen wurden bepflanzt. Heute ist der Park Landschaftsschutzgebiet.

Am Möwensee, einem grundwassergespeisten, etwa 300 Meter langen See betreten wir den Park. Rechterhand steigt das Gelände zu einem Rücken an, tiefgrüne Nadelhölzer lassen auf sandigen Grund schließen. Durch einen steinernen Bogen gelangen wir zu einer sehr freizügigen Bronzeskulptur von zwei nackten Ringern. „Deshalb heißt die Grünfläche dahinter im Volksmund Catcherwiese“, erklärt Martin Ewald, Inspektionsleiter des Grünflächenamtes. Rechts führt der Weg zum Stadion, in dem der BSC Rehberge spielt. Links und wieder links gelangt man zum Rathenau-Brunnen, der 1930 vom Berliner Bildhauer Georg Kolbe entworfen wurde und den AEG-Gründern Walter und Emil Rathenau gewidmet ist.

Die Nazis schmolzen ihn ein, 1987 wurde er von der Gießerrei Noack wieder hergestellt. Direkt dahinter geht die Rodelbahn ab. Wir gehen die kleine Ahornallee zurück zur Ringerskulptur und nehmen den zweiten Asphaltweg rechts Richtung Transvaalstraße. Die überqueren wir kurz nach der Senegalstraße.

Steter Kampf gegen die Maulwürfe

Nun sind wir im Goethepark, und laufen bis zum Ende des Weges, biegen rechts ab und passieren einen großen Betriebshof, in dem das Straßenbaumreviers des Bezirks Mitte untergebracht ist. Die beiden Parks und das gesamte Gebiet südlich der Müllerstraße bis Moabit wird von 17 festen Mitarbeitern und zehn Jobbern gepflegt. „Jetzt im Winter geht es überwiegend darum, den Windbruch zu beseitigen, Totholz aus den Bäumen zu entfernen und wenn nötig die Baumkronen zu reduzieren“, erklärt Martin Ewald. Der 35-jährige kennt die Rehberge aus dem Effeff, als Kind und Jugendlicher verbrachte er viel Zeit im Park. Derzeit kämpft sein Team einen aussichtslosen Kampf gegen unterirdische Parkbewohner: Maulwürfel. Ab Mitte Mai bis Ende Juli müssen die riesigen Liegewiesen alle zehn Tage gemäht werden.

Am Donahgestell kehren wir zurück in den Volkspark. Geradeaus führt der Weg an Buchen und amerikanischen Roteichen vorbei, auch Birken begrenzen die Wiesen. Kurz vor dem Charles-Corcelle-Ring biegen wir rechts ab und passieren ein großes Gehege. Darin lebt nur noch der einsame Wildschweineber, den die Parkmitarbeiter liebevoll den „Alten“ nennen. Wenn er stirbt, wird das Gehege renaturiert. Auf der rechten Seite schließt sich das Gehege einer Mufflonherde und eines Damhirsches an. Als erstes kommt der dickgehornte Mufflon-Chef und schaut nach dem Rechten, die Damen und Jungtiere halten sich dezent im Hintergrund. Doch wo ist der Hirsch? Am Ende des Geheges führt ein kleiner Trampelpfad zum hinteren Teil. Und tatsächlich, dort versteckt sich das Tier. Es hat beeindruckende Schaufeln.

Zurück auf dem Hauptweg zeigt nach einigen hundert Metern ein Schild nach rechts zum Freiluftkino Rehberge und zum Restaurant Schatulle. Essen gibt es hier aber erst wieder ab Ende März. Links und gleich wieder rechts geht es am Ufer des Möwensees entlang zurück zum Ausgang an der Otawistraße.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.