Lichtenberg ehrt den Hitler-Gegner Johannes Fest. Der Platz vor dem Karlshorster Theater an der Ehrenfelsstraße wurde am Mittwoch nach dem früheren Karlshorster Bürger, Schulrat und kämpferischen Demokraten benannt. Bei der Enthüllung der Namenstafel für den Vater des früheren Herausgebers der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und Hitler-Biografen Joachim Fest und des Ex-Senatspressesprechers Winfried Fest (für Eberhard Diepgen), freute sich Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (SPD), dass in seinem Bezirk endlich ein Platz nach einem bürgerlichen Politiker benannt wird.

Johannes Fest (1889–1960), vor 1933 Bezirksverordneter in Lichtenberg, war unmittelbar nach der Machtergreifung der Nazis als Rektor der 20. Grundschule entlassen worden. Ohne zu wanken, rettete er seine Familie nach dem Prinzip „Wenn alle mitmachen – ich nicht“ unter großen Entbehrungen durch die Zeit der Hitler-Diktatur.

Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte er sich in der CDU West-Berlins, war Schulrat in Tempelhof, Bezirksverordneter in Neukölln und saß in den beiden ersten Legislaturperioden im Abgeordnetenhaus. Enkel Nikolaus Fest dankte vor allem dem – abwesenden – gerade zurückgetretenen Kultur-Staatssekretär André Schmitz und Bernd Schultz von der Villa Grisebach. Ohne deren Hartnäckigkeit wäre diese Ehrung wohl nicht gelungen. Unter den Gästen war auch der frühere Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen. Sein Kommentar: „Solche Plätze sind mindestens so wichtig wie Stolpersteine.“

sto