Messegelände

Berlin nimmt neuen Anlauf für die Zukunft des ICC

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) will für 4,5 Millionen Euro Investoren mit Ideen für das Gebäude suchen lassen.

Man nennt es auch „Raumschiff“: Das ICC ist seit vier Jahren geschlossen

Man nennt es auch „Raumschiff“: Das ICC ist seit vier Jahren geschlossen

Foto: Schoening / picture alliance / Arco Images

Berlin.  Die größte Problemimmobilie der Stadt hat schon einige Wirtschaftssenatoren kommen und gehen sehen. Eine Lösung für das Internationale Congress Centrum (ICC) am Messedamm hat aber noch niemand gefunden. Nun plant die Grünen-Politikerin Ramona Pop einen neuen Anlauf, um das seit vier Jahren geschlossene Kongressgebäude wieder zu beleben. Denn Berlin braucht dringend Flächen für größere Veranstaltungen.

Im Auftrag der Wirtschaftssenatorin soll die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) in einem groß angelegten Interessenbekundungsverfahren Investoren finden – die dann den privat zu finanzierenden Teil einer Sanierung und Nachnutzung des 313 Meter langen Komplexes an der Stadtautobahn übernehmen.

Die BIM soll für dieses Verfahren inklusive ihrer Managementvergütung 4,5 Millionen Euro von der Senatswirtschaftsverwaltung erhalten. Das geht aus einem Entwurf einer Mitteilung an den Hauptausschuss hervor, der der Berliner Morgenpost vorliegt. Das Geld ist bereits im Doppelhaushalt 2018/19 eingeplant, muss aber vom Abgeordnetenhaus noch freigegeben werden.

Investoren sollen Konzept und Finanzierung nachweisen

Zwar hatte schon Pops Vorgängerin Cornelia Yzer (CDU) 2015 das Beratungsunternehmen Drees & Sommer den wirtschaftlichen Betrieb des für die Berliner Messe lange defizitären ICC untersuchen lassen. Eine „Investorenansprache“ sei damit jedoch nicht verbunden gewesen, weil sich Senat und Abgeordnetenhaus seinerzeit nicht einig waren, für welche Art Nutzung überhaupt private Partner gesucht würden. Damals war auch ein Einkaufszentrum unter den Varianten gewesen. Ein solches wird inzwischen ausgeschlossen, ebenso wie eine Spielbank oder ein Bordell.

Wenn die Vorgaben auch klarer sind, will man den Interessenten doch Freiheiten lassen, um ein möglichst breites Spektrum von Nutzungsvarianten zu erhalten. Berlin will keinen Zuschuss mehr für den Betrieb des ICC bezahlen. Die Messe Berlin soll den für Kongresse hergerichteten Teil des Gebäudes als Hauptnutzer betreiben. 19.000 Quadratmeter flexibel nutzbare Kongressflächen für bis zu 80.000 Teilnehmer sollen entstehen.

Mögliche Investoren sollen nun darlegen, wie sie das Ausbau- und Nutzungskonzept in dem 1979 eröffneten Gebäude umsetzen wollen, und eine geschlossene Finanzierung nachweisen. Interessenten sollen auch „Alternativen zum Eigentumserwerb“ darstellen, um dem Land Berlin ausreichend Möglichkeiten zu bieten, seine Interessen zu wahren. Ein schlichter Kauf des ICC durch Private soll nicht möglich sein.

Schadstoffsanierung soll ebenfalls geprüft werden

Bisher hat das Berliner Abgeordnetenhaus für das ICC 200 Millionen Euro vorgesehen. Diese Summe reicht jedoch nach allgemeiner Einschätzung bei Weitem nicht, um das ganze Gebäude zu ertüchtigen. Die Frage wird also sein, ob ein Investor eine zündende Idee hat, wie er seinen auf noch einmal mindestens die gleiche Summe geschätzten Anteil an den Sanierungs- und Umbaukosten refinanzieren kann. In den vergangenen Jahren sollen bereits rund zwei Millionen Euro in diverse Gutachten zum ICC geflossen sein.

Neben der Investorensuche will Pop noch in diesem Jahr die Schadstoffsanierung des ICC auf den Weg bringen. In dem Kongresszentrum war unter anderem Asbest verbaut worden. Die BIM soll bis Ende des Jahres aus den bisher dazu vorliegenden Untersuchungen eine Machbarkeitsstudie erstellen. Dafür soll sie noch einmal 500.000 Euro bekommen. Erst dann werde es verlässliche Aussagen zu Kosten und Terminen geben.

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