Das sind die Pläne: Büros in der Avus-Tribüne, Sanierung der Autobahn und der maroden Brücken, ein neuer Park am Westkreuz sowie der Ausbau des Busbahnhofs ZOB. Von Burkhard Fraune „Wenn ich die Avus entlangfahre und den Funkturm sehe, ach, da wird mir jetzt schon ganz warm ums Herz.“ Die Rennfahrerin Heidi Hetzer hat Berlins Wahrzeichen auf ihrer Weltreise vor einem Jahr nicht vergessen. Auch für Tausende Besucher und Pendler bilden der Funkturm und die Autobahn zu seinen Füßen das Eingangstor in die deutsche Hauptstadt. Wer mit Auto oder Bus aus Düsseldorf, Leipzig, Hannover oder Potsdam nach Berlin kommt, muss dort entlang. Das Dreieck Funkturm zählt zu den am stärksten befahrenen Knotenpunkten Deutschlands. Aber das Tor zum Berliner Westen verändert sein Gesicht. Vieles soll sich in den nächsten Jahren ändern, um den Nicht-Ort rund um den Funkturm attraktiver zu gestalten. Ende März soll der Umbau der denkmalgeschützten Avus-Tribüne beginnen. Unklar ist noch, ob zuerst das stark belastete Autobahndreieck am Funkturm oder die marode Rudolf-Wissell-Brücke saniert wird. Was sonst noch rund um das ICC und Westkreuz passieren soll. Ein Überblick:

Die Avus-Tribüne

Der Unternehmer Hamid Djadda steht auf der Tribüne an der ehemaligen Autorennstrecke und heutigen Autobahn 115 und schaut auf den Verkehr. Foto: dpa/Gregor Fischer
Der Unternehmer Hamid Djadda steht auf der Tribüne an der ehemaligen Autorennstrecke und heutigen Autobahn 115 und schaut auf den Verkehr. Foto: dpa/Gregor Fischer

Der Unternehmer Hamid Djadda hat die denkmalgeschützte Tribüne gekauft und will unterhalb der Sitzreihen Büros bauen. Als besonderer Clou aber ist ein verglaster Veranstaltungsraum gedacht, auf der Kanzel in der Mitte der Tribüne – Feiern direkt an der tosenden Autobahn mit 90.000 Fahrzeugen pro Tag. „Den können dann Unternehmen mieten, etwa während Messen, oder aber auch Privatleute für Hochzeiten oder Geburtstage“, sagt Djadda. Blicke der Autofahrer wird das Spezialglas nicht durchlassen. Auch auf der restlichen Tribünenfläche werden keine Ablenkungen für Autofahrer entstehen, so wollen es die Behörden. Bis zu fünf Millionen Euro will Djadda mit Hilfe von Investoren in die Tribüne stecken. Warum? „Es ist ein ungewöhnliches Projekt, und ich mache ungern normale Sachen.“ Zum 100-Jährigen der Avus 2021 soll die Tribüne fertig sein. Beginnen will Hamid Djadda mit dem Dach der denkmalgeschützten Avus-Tribüne an der A115. Es soll Ende März abgerissen und anschließend neu wieder aufgebaut werden. Das kündigte der Investor an.

Das ICC

Wie es mit dem ICC weitergeht, ist ungewiss. Eine Ertüchtigung kostet Millionen Euro. Foto: pa/dpa
Wie es mit dem ICC weitergeht, ist ungewiss. Eine Ertüchtigung kostet Millionen Euro. Foto: pa/dpa

Im Frühling 2017 mussten Spuren der Autobahn gesperrt werden, weil Fassadenteile des Kolosses herabzustürzen drohten. Seit vier Jahren ist das Internationale Congress Centrum (ICC) geschlossen, es diente zeitweise als Flüchtlingsunterkunft. Die Messegesellschaft würde den raumschiffartigen Bau am liebsten abreißen, um Platz für neue Hallen zu schaffen. Der Senat aber will wieder Kongresse im ICC sehen. Vor einer Wiedereröffnung müsste aber erst einmal der Asbest raus – was Millionen Euro kosten könnte. Möglich ist auch ein Verkauf des ICC – Ausgang noch ungewiss.

Das Dreieck Funkturm

Das Autobahndreieck am Funkturm gehört zu den am stärksten befahrenen Straßen Deutschlands.  Foto: dpa/Paul Zinken
Das Autobahndreieck am Funkturm gehört zu den am stärksten befahrenen Straßen Deutschlands.  Foto: dpa/Paul Zinken

Marode, stauanfällig – so präsentiert sich das Autobahndreieck, das zu den am stärksten belasteten in Deutschland zählt. Und das bleibt noch eine ganze Weile so. Denn momentan werden noch die Grundlagen für die Planungen ermittelt, wie die Verkehrsverwaltung mitteilt. Schon 2015 ging der Senat davon aus, dass allein die Planung sieben Jahre dauern wird. Geschätzte Baukosten: gut eine Viertelmilliarde Euro. Denn in dem Geflecht von Spannbetonbrücken aus den 60er-Jahren haben Fachleute Kon­struktionsfehler ausgemacht. Ziel des Umbaus ist demnach zunächst, die Verkehrssicherheit zu erhalten, wie Sprecher Derk Ehlert erklärt. „Ob sich dadurch auch Verbesserungen am Verkehrsfluss oder ein städtebaulicher Gewinn erreichen lassen, kann zum gegenwärtigen Planungsstand nicht eingeschätzt werden.“

Die Rudolf-Wissell-Brücke

Die Rudolf-Wissell-Brücke. Foto: dpa/Jörg Carstensen
Die Rudolf-Wissell-Brücke. Foto: dpa/Jörg Carstensen

Der Senat spricht von einem der größten Straßensanierungsprojekte in der Geschichte der Stadt: Die fast einen Kilometer lange Rudolf-Wissell-Brücke muss neu gebaut werden. Über sie fahren auf der A100 rund 180.000 Fahrzeuge pro Tag. Vor bald 60 Jahren gebaut, ist sie in die Jahre gekommen, muss immer wieder repariert werden. Frühestens 2022 soll die neue Brücke gebaut werden. Ob dort die Bagger zuerst anrücken oder am Dreieck Funkturm, wird derzeit mit dem Bund diskutiert, sagt Oliver Schruoffeneger (Grüne), Baustadtrat des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf.

Der Westkreuzpark

Blick in ein kaum bekanntes Biotop: Selbst Parkbänke sind in der Brache am Westkreuz bereits vorhanden. Foto: Thomas Schubert
Blick in ein kaum bekanntes Biotop: Selbst Parkbänke sind in der Brache am Westkreuz bereits vorhanden. Foto: Thomas Schubert

Zwischen Bahntrassen und Autobahnabfahrten liegt am Westkreuz eine städtebauliche Steppe. Doch Fachleute erblicken entlang der Gleise und Brücken zwischen Lietzensee und Halensee nicht bloß Wildnis, Ruinen und Kleingärten, sondern schutzwürdiges Grün und eine wichtige Kaltluftleitbahn für die Innenstadt. Auf nicht mehr benötigten Bahnflächen soll deshalb der neue Westkreuzpark entstehen. Erste Ideen erinnern an den Gleisdreieck-Park in Schöneberg. Noch aber wird im Bezirk diskutiert, wie der Westkreuzpark aussehen soll. Es läuft die Bürgerbeteiligung, in den nächsten Wochen soll ein Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan kommen. In einem ersten Schritt sollen neue Fuß- und Radwege zum S-Bahn-Knotenpunkt Westkreuz gebaut werden, sagt Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne). Eines Tages soll man vom Grunewald aus über den Halensee durch den neuen Park nach Charlottenburg radeln können. Das hängt aber auch vom Autobahnbau ab.

Der ZOB

Das Fahrgastaufkommen steigt stetig, auch wenn der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) gerade umgebaut wird. Foto: Carolin Brühl
Das Fahrgastaufkommen steigt stetig, auch wenn der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) gerade umgebaut wird. Foto: Carolin Brühl

Der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) aus der Mauerzeit platzt aus allen Nähten, weil immer mehr Berliner und Besucher mit dem Fernbus reisen. 214.249 An- und Abfahrten wurden 2016 gezählt. Für 2017 wird mit weniger Nutzungen gerechnet, prognostiziert sind es momentan 166.000. Bei laufendem Betrieb wird er seit eineinhalb Jahren ausgebaut, vor allem für mehr Haltestellen. Ursprünglich mit gut 14 Millionen Euro veranschlagt, soll der Ausbau nun knapp 30 Millionen Euro kosten – weil Gebäude neu errichtet statt nur instandgesetzt werden, weil die Wartehalle größer werden soll als zuerst geplant, die Fahrgastinformation erneuert und die Leitstelle versetzt wird. mit fü/dpa