Erste Bürgerbeteiligung zum Westkreuzpark beendet

Die Kosten sind noch ungewiss, dennoch werden die Pläne für den Westkreuzpark positiv aufgenommen. Nur Kleingärtner fürchten um ihre Existenz.

Große Pläne für das Niemandsland am Westkreuz

Große Pläne für das Niemandsland am Westkreuz

Foto: Thomas Schubert

Rund 30.000 Quadratmeter Brache liegen nur wenige Fußminuten vom Kurfürstendamm entfernt. Das von S- und Fernbahngleisen eingehegte Gebiet zwischen Rönne- und Heilbronner Straße ist geplanter Ausgangspunkt eines Naherholungsgebiets. Der Westkreuzpark soll sich in westlicher Richtung über die dort liegenden Kleingärten bis zum gleichnamigen Bahnhof erstrecken. Die formellen Planungen werden zwar erst im kommenden Jahr gestartet. Und eine Eröffnung wird auf frühestens 2030 terminiert. Nach Bekanntwerden sorgten die Pläne von Senat und dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf jedoch für einige Skepsis. Dieser wollte das Bezirksamt früh begegnen und für Akzeptanz werben. Dazu wurde im vergangenen Mai ein vorgezogenes Beteiligungsverfahren gestartet, das nun zu Ende ging. Bürger konnten Ideen und Wünsche einbringen. Diese flossen in ein Planungskonzept ein. Dieses sowie die weiteren Schritte wurden am vergangenen Donnerstag vor rund 100 Interessierten im Rathaus Charlottenburg vorgestellt.

120 der 280 Kleingärten sollen weichen

Die Brachfläche im östlichen Teil firmiert dabei unter dem Namen "gelenkte Wildnis". Als Biotop soll sie für Naturerlebnis und Umweltbildung sorgen und durch schmale Durchwegungen erschlossen werden. Eingriffe in die Natur gelte es dabei so gering wie möglich zu halten, sagte Harald Fugmann vom Landschaftsarchitekturbüro Fugmann Janotta Partner. Weiterhin sollen nur 160 der 280 Kleingärten dauerhaft erhalten bleiben. Dabei handelt es sich um das zusammenhängende Gebiet nördlich der Stadtbahntrasse zwischen Dernburgstraße und Ringbahn. Diese Fläche wolle man auch nicht ankaufen, so Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne). Für die übrigen 120 Parzellen südlich der Stadt- und Fernbahntrasse ist perspektivisch jedoch eine andere Nutzung vorgesehen. Damit erfüllt sich zumindest in Teilen eine Befürchtung der Kleingärtner vom Start der Bürgerbeteiligung.

Kleingärtner fürchten den Westkreuz-Park

Allerdings sollen die Parzellen nicht sofort verschwinden. Nach Ankauf dieser Flächen durch die Öffentliche Hand ist zunächst ein Bestandsschutz für zehn Jahre geplant. Im Anschluss, gegebenenfalls auch vorher, sollen einzelnen Parzellen sukzessive umgewandelt werden ("Perforation"). Den Planern schweben hier öffentliche Grünflächen, Spiel- und Sportflächen, im wesentlichen jedoch Gemeinschaftsgärten vor. Als Vorbild nannte Fugmann das Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld oder die Prinzessinnengärten in Kreuzberg. "Ich fühle mich richtig betrogen", sagte eine Betroffene. Zehn Jahre seien ihr zu wenig. Vor dem Hintergrund der wachsenden Stadt habe man aber die Pflicht, an alle zu denken, hielt der Leiter des Umweltamts, Wilhelm-Friedrich Graf zu Lynar, dagegen. Auch andere Anwesende äußerten Unverständnis über die vermeintlichen Besitzstandswahrer.

Neben der Nutzung gelte es vor allem, die Anlage zu erschließen. Sechs Eingänge sind geplant: Von der Neuen Kantstraße im Uhrzeigersinn an der Dernburgstraße, Rönnestraße, Holtzendorffstraße und Ringbahn-, Ecke Lützenstraße sowie von Westen nördlich des Bahnhofs Westkreuz. Auch der Bahnhof soll einen neuen Haupteingang an seiner östlichen Seite bekommen. Die Zuwegung soll im Wesentlichen über Brücken realisiert werden.

Ferner soll das Areal, das heute noch eine unüberwindbare Barriere zwischen den Quartieren um den Lietzensee und dem westlichen Kudamm darstellt, in das übergeordnete Fahrradwegesystem eingebunden werden. Das "Spaghettimonster" soll entwirrt werden

Mit dem geplanten Umbau des Autobahndreiecks Funkturm tue sich dazu nun ein wichtiges Zeitfenster auf, so Fugmann. „Im Zuge dieser Maßnahme besteht die Möglichkeit eines Brückenschlags, der jetzt fast utopisch erscheint." Eine Radverbindung aus der City West durch den Park bis in den Grunewald ist geplant.

Kosten noch ungewiss

"Es ist eine grobe Richtschnur für das Jahr 2030", sagte Graf zu Lynar. Nur ein Rahmen, in dem konkretere Konzepte untergebracht werden könnten und kein fixiertes Bild, betonte auch Fugmann. "Wir sind noch ganz am Anfang", ergänzte Baustadtrat Schruoffeneger.

Das vorrangige Thema ist laut Graf zu Lynar nun der Ankauf der Flächen, die noch der Deutschen Bahn gehören. „Wir müssen mal schauen, wie hoch die Forderungen sind, aber ausgehend von den Erfahrungen in anderen Bezirken sind das normalerweise relativ erträgliche Beträge.“ Eine Kostenschätzung wollte er dabei nicht abgeben. Auch die Deutsche Bahn wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern. Generell habe man sich jedoch mit dem Land Berlin geeinigt, dass dieses zwei Drittel und der Bezirk ein Drittel der Kosten übernimmt, so Graf zu Lynar weiter. Allerdings sei die Bahn in Teilen verhalten, was die Verkaufsabsichten betrifft. Diese hatte lange eine Wohnbebauung präferiert.

Westkreuzpark: Senat startet Öffentlichkeitsbeteiligung

Klare Absage für Wohnungsbau

Dieses Interesse bestehe auch weiterhin, so Graf zu Lynar. "Wenn aber der Flächennutzungsplan und der Bebauungsplan das Ganze auf grün stellen, hat ein Eigentümer wenig bis keine Möglichkeiten." Der Immobilieninvestor Christian Gérôme wollte ursprünglich einen Teil der Flächen kaufen und ein "Quartier Westkreuz" bauen: Ein Park sowie Hochhäuser mit 900 Wohnungen, davon 220 für Sozialmieter. Dem erteilte die rot-rot-grüne Mehrheit der BVV jedoch bereits im Januar eine klare Absage. Die Freifläche sei für die Frischluftzufuhr notwendig. Es gelte, einen Ausgleich zu der sich immer weiter verdichtenden Umgebung zu finden. Ferner wurde bezweifelt, dass günstiger Wohnraum aufgrund zu treffender Lärmschutzmaßnahmen hier überhaupt möglich ist. Einzig die FDP hält an den Wohnungsbauplänen fest. Eine Grünfläche nütze nur den Menschen, die bereits im Bezirk leben. Durch das Bewahren des Status quo blende man die Bevölkerungsentwicklung aus, argumentieren die Liberalen.