Kleingärtner fürchten den Westkreuz-Park

Warnung zum Workshop-Start: Laubenpieper sehen Naherholung in der Westkreuz-Brache kritisch.

Warnung zum Workshop-Start: Laubenpieper sehen Naherholung in der Westkreuz-Brache kritisch. Und schon 2018 baut hier der Bezirk einen neuen Weg direkt zu den Gleisen. Von Thomas Schubert Mehr Eile geht nicht. Ganze dreizehn Jahre vor der erwarteten Eröffnung des Westkreuzparks hat der Bezirk einen Workshop eröffnet, um Bürger früh von der Idee zu begeistern. Ein „Vorverfahren“ nannte Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) die Veranstaltungsreihe mit dem Ziel, etwa im Jahre 2030 ein neues Naherholungsparadies zu eröffnen, das Bürger mitgestaltet haben. Aber ob er mit so viel Skepsis gerechnet hatte?

Gärtner bevorzugen den Ist-Zustand

„Hier wird Geld ausgegeben für etwas, das der Bezirk nicht braucht“, stemmte sich eine Gärtnerin im Publikum gegen die Kultivierung des 17 Hektar großen Areals zwischen Dernburg- und Heilbronner Straße. Schon jetzt seien die hiesigen Kleingartenkolonien mit mehr als 200 Parzellen und Teile der Brache öffentlich begehbar, wendeten andere Redner ein. Wozu ein Park? Und der sensiblen Tierwelt mit Vögeln und Zauneidechsen könne die Umwandlung der teils 100 Jahre alten Wildnis zum Verhängnis werden.

Selbst warnende Vergleiche mit dem drogenbelasteten Görlitzer Park oder dem übernutzten Park am Gleisdreieck brachten Workshop-Teilnehmer vor.

Westkreuzpark mit Kleingärten kompatibel

Ängste, die Schruoffeneger nicht teilen mag. Man werde bei der Planung der neuen Naherholungsfläche möglichst behutsam vorgehen und die Gärten schonen, hieß sein Versprechen. „Es wird nicht darum gehen, Gärten zu zerstören für andere Arten von Grün“, versuchte auch Grünen-Kreisvorsitzende Franziska Eichstädt-Bohlig zu beruhigen. Gefahr drohe eher durch Begehrlichkeiten von Investoren und dem Wunsch der Deutschen Bahn, ihnen an dieser Stelle doch noch Wohnungsbau zu ermöglichen. Wohl nicht zufällig saß Immobilienentwickler Christian Gérôme im Publikum – hielt sich aber aus den Diskussionen heraus.

FDP kämpft weiter für Wohnungen

Umso lauter trat FDP-Sprecher Felix Recke für den Bau von bis zu 900 Wohnungen ein. „Wenn die Bahn tatsächlich an einen privaten Investor verkauft, kann nicht über das Eigentumsrecht hinweg entschieden werden“, kritisierte Recke den politischen Plan, das Areal einfach als Grünfläche auszuweisen. Dann wäre der Grund und Boden schlagartig entwertet.

Andererseits gibt es auch begeisterte Befürworter des Westkreuzparks. Und die Bürgerinitiative Stuttgarter Platz will sogar dafür kämpfen, auch noch die Brachen auf der westlichen Seite des Kreuzungsbahnhofs für die Erholung zu erschließen. Auch solche Gedanken sind den Parkplanern willkommen „Wir wollen mehrere Entwicklungsvarianten erarbeiten“, beschrieb Martin Janotta vom Büro Fugmann Janotta Partner einen Weg, den man zusammen mit interessierten Anwohnern begehen will. Zuletzt werde dann eine „Vorzugsvariante“ stehen bleiben. Sozusagen die Blaupause für den Westkreuzpark.

Neuer Haupteingang für isolierten Bahnhof

Wie auch immer die Anlage 2030 aussehen wird – ein zweites Projekt schafft schon 2018 erste Tatsachen: der neue Haupteingang für den Bahnhof. Dabei hat sich der Bezirk verpflichtet, aus der Rönnestraße in Charlottenburg und vom südlichen Rand der Brache in Halensee eine Art Zubringer für S-Bahnpassagiere zu bauen. Wenn der Plan Wirklichkeit wird, gelangt man künftig aus beiden Stadtvierteln geradewegs hinab an die Ost-West-Bahnsteige. Favorisiert wird dabei offenbar eine Überbrückung der verwinkelten Flächen. Denn die jetzigen Pfade entlang der Kleingärten wären für Pendlerströme zu schmal. Seit seiner Eröffnung im Jahre 1928 war der Bahnhof Westkreuz eigentlich nur für Umsteiger zwischen Stadt- und Ringbahn interessant. Mit der neuen Durchwegung aber bekämen Tausende Kiezbewohner in Charlottenburg und Halensee Zugang. Mehr noch: Es entstünde eine fußläufige Verbindung über die Stadtbahn zwischen zwei isolierten Quartieren. „Ich bin am Westkreuz aufgewachsen und bin noch nie zu Fuß hineingelangt“, fiel einer Dame im Publikum auf. Der abweisende Bahnhof, er wird sich öffnen. Und eines Tages befördert er Passagiere aus ganz Berlin in den neuen Park.