Die Verletzung auf dem Kopf von Hans Georg Lindenau ist noch gut zu sehen, als er am Samstagmittag seinen Laden in der Falckensteinstraße in Kreuzberg öffnet. „Ich sollte eigentlich ins Krankenhaus“, sagt er zu einem Besucher. „Eitert die Wunde?“, fragt er den Reporter der Berliner Morgenpost. Es sieht jedoch gut aus – kein Eiter. Die Stelle musste nicht genäht werden.
In den vergangenen Tagen ist der 67-Jährige, der im Rollstuhl sitzt, gleich mehrfach angegriffen worden. Seit er am 3. Oktober Zettel gegen Judenfeindlichkeit im Zusammenhang mit dem Angriff der Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 aufhing, habe ihn wiederholt eine kleine Gruppe von Kindern und Jugendlichen aufgesucht und attackiert, berichtet er. Auf zehn bis 15 Jahre schätzt er das Alter der Angreifer. Deren Aussehen beschreibt er mit einem „arabisch-dunklen Teint“.
Berlin: Attacken mit Pfefferspray und Schreckschusspistole
Einer der Gründe sei wohl gewesen, dass er Pfefferspray, was die Jugendlichen bei ihm kaufen wollten, nicht vorzeigen wollte – und ihnen zudem den Verkauf verweigerte. Am 7. Oktober habe ihm jemand aus der Gruppe auf den Kopf geschlagen. Die noch deutlich sichtbare Wunde stamme jedoch vom 8. Oktober. Dabei sei mit einer Schreckschusspistole auf ihn eingedroschen worden. Zudem sei er mehrmals mit Pfefferspray besprüht worden.
Wie es in einer Polizeimeldung heißt, soll eine Gruppe von Jugendlichen am 7. Oktober gegen 19.20 Uhr im Geschäft erschienen sein. Sie sollen Lindenau beleidigt und mit Pfefferspray besprüht haben. Gegen 19 Uhr des 8. Oktober sollen dann abermals bis zu sechs Jugendliche im Geschäft erschienen sein und ihn mit Pfefferspray besprüht haben. Als er dabei um Hilfe gerufen habe, sollen die Jugendlichen geflüchtet sein. Kurz darauf wollte er sein Geschäft gerade schließen, als die Tatverdächtigen zurückkehrten und ihn wiederholt mit Pfefferspray angegriffen und geschlagen haben sollen.

Mehrere Zeugen teilten laut der Polizei mit, dass sie am Freitagabend gegen 19 Uhr bis zu acht Jugendliche dabei beobachteten, wie sie auf E-Scootern zum Geschäft gefahren sein sollen und dort mit Füßen und Fäusten gegen die Eingangstür geschlagen und getreten haben sollen. Die Tür wurde dabei beschädigt. Die Tatverdächtigen flüchteten anschließend. Lindenau selbst hatte die Polizei alarmiert. Der Polizeiliche Staatsschutz ermittelt nun wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung, Beleidigung und Sachbeschädigung.
Kreuzberg: Was hinter den Attacken auf Hans Georg Lindenau stecken könnte
„Mental okay“, antwortet Hans Georg Lindenau auf die Frage, wie er sich zwei Tage nach der jüngsten Attacke fühlt. Er ist sich jedoch sicher, dass die nächsten Angriffe auf ihn folgen werden. „Die kommen vielleicht heute noch wieder“, meint er am Samstagmittag. „Angst habe ich nicht, aber ich bereite mich darauf vor“, so Lindenau. Am Sonntag werde ein Sanitäter noch mal kommen und seine Wunde untersuchen. Diese heile bereits, jucke aber unangenehm.
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Seit 1978 betreibt Hans Georg Lindenau, der eigentlich nur HG genannt wird, seinen „Gemischtwarenladen für Revolutionsbedarf“. Seit 2017 befindet sich dieser in der Falckensteinstraße nahe dem Schlesischen Tor. Ein „respektvoller, liebevoller Umgang“ ist ihm wichtig, wie er sagt. Bei ihm gibt es antifaschistische Sticker, Literatur, Rucksäcke mit entsprechenden Botschaften, aber auch Kaffee. „Alles, was man zum Leben braucht“, wie er meint.
Vermutlich deshalb zieht er immer wieder den Hass bestimmter Gruppierungen auf sich. Bereits am 1. und am 8. Mai 2025 wurde er in seinem Laden überfallen. Damals musste er sogar einen Tag im Krankenhaus verbringen, blickt er zurück. Trotz dieser brutalen Attacken zeigt er sich erstaunlich gelassen.




