Berliner stehen ungern Schlange. Eigentlich. Beim Berghain und bei Döner-Eröffnungen machen sie gern eine Ausnahme. Wenn es Hack-Döner für 1 Cent oder Steak-Döner für 3 Euro Eröffnungspreis gibt, reihen sich die Leute ums Haus. Es ist eine Mischung aus Sparsamkeit und (Event‑)Hunger. Nun hat der Berliner Bauchgefühl-Schauspieler Frederick Lau („Victoria“, „4 Blocks“) einen Dönerladen eröffnet. In der Oranienstraße 190. Für ihn „die geilste Straße von Berlin“, wie er sagt. Nicht dass dort Mangel an Döner herrschen würde, aber Laus Drehspieß ist vegan.

6,90 Euro kostet Laus Döner normalerweise, am Eröffnungstag ist er für 2,50 Euro zu haben. 20 Minuten vor der Eröffnung um 12 Uhr ist die Schlange vielleicht 20 Leute lang – der Andrang scheint sich in Grenzen zu halten. Doch dann wächst sie plötzlich, windet sich um die Ecke, fast dicht am asiatischen Restaurant entlang, sodass sich eine Mitarbeiterin bei der Security beschwert: „Geht so nicht.“

Frederick Lau präsentiert veganen Döner: Fünf Jahre Entwicklung

„Wir haben fünf Jahre an dem Rezept gearbeitet, dass es geil schmeckt und gut am Spieß hält“, erzählt Frederick Lau. Er, der sonst auf roten Teppichen immer locker wirkt, wirkt zum ersten Mal etwas gestresst, aber freundlich. „Weil es Zeit war, mal einen richtig geilen Döner zu machen, für den nicht jeden Morgen eine Kuh sterben muss“, sagt er.

Eröffnung von Frederick Laus veganem Döner-Laden in der Oranienstraße
Deko im Laden: Frederick Lau als Spießgeselle.© Dirk Krampitz | Dirk Krampitz

Lau behauptet auch, dass es der erste vegane Döner vom Spieß sei. Das stimmt so nicht – es gibt einige. Aber gut. Der Schauspieler schneidet den Spieß an. „Ich habe vorher ein bisschen geübt“, gibt er zu. „Das ist nicht so einfach, wie es aussieht.“

Promi-Aufläufchen und lange Wartezeiten sorgen für Gesprächsstoff

Schauspielkollegen wie Jan Sosniok, Burak Yiğit oder auch die schauspielende Rapperin Nura sind gekommen. Letztere zwar auf der einen Seite unter bewölktem Himmel mit Sonnenbrille getarnt, aber andererseits mit einem schreiend lilafarbenen Samt-Hausanzug samt der paillettierten Aufschrift „Juicy“ sonst weniger inkognito unterwegs.

Ich war 20 Minuten vor der Eröffnung da. 66 Minuten stehe ich in der Schlange. Die beiden mittelalten Männer hinter mir zählen ihr Geld, geraten in leichte Panik, als sie zuerst nur die Originalpreise angezeigt sehen: „6,90 Euro?“ Für den Angebotspreis von 2,50 Euro gibt es sonst gerade einmal eine Cola. Sie wirken so, als hätten sie sich längere Zeit überlegt, ob sie sich das heute gönnen können.

Berliner Alltag: Ukulele-Klänge an der Döner-Warteschlange

Vor mir zwei junge Mädels. Die Berlinerin erzählt der Zugezogenen betont gelassen, wie es so abläuft in Berlin. Aber eigentlich muss man nur die Augen aufmachen: Ein junger Mann mit Ukulele zieht immer wieder an den Kunden vorbei und spielt Warteschlangenmusik. Drei Bettler buckeln in der Zeit vorbei und halten ihre leeren Kaffeebecher in die Schlange. Zwei M29‑Busse geraten in Rangierturbulenzen, als sie an den Leuten, die mittlerweile bis auf die Straße wandeln, vorbeimüssen.

Eröffnung von Frederick Laus veganem Döner-Laden in der Oranienstraße
Kühl und klar eingerichtet: Der Neon-Spieß zieht die Aufmerksamkeit auf sich. © Dirk Krampitz | Dirk Krampitz

Dann bestelle ich an der Kasse, bezahle und warte, dass gleich nebenan mein Döner fertig gemacht wird. Die Erbsenproteinstreifen werden vom orangefarbenen Spieß gesäbelt. Das klassische Fladenbrot mit viel Sesam, leicht angetoastet, der Salat komplett, dazu Knoblauch/scharf.

Vegane Döner-Alternative überzeugt geschmacklich nur bedingt

Für mich ist vegan–Fleisch kein Glaubenskrieg. Essen schmeckt mir oder nicht. Meist mag ich Gerichte ohne Tier ein bisschen lieber. Lau nennt seinen rein pflanzlichen Döner „Döner Pro...“ und klein dahinter „...tein“. Weil er auf Basis von Erbsenprotein gemacht wird. Er soll wie ein klassischer Döner vom Spieß schmecken. Tut er aber nicht.

Eröffnung von Frederick Laus veganem Döner-Laden in der Oranienstraße
So sieht der Döner aus. Die Erbsenproteinstreifen sieht man unten vorn.© Dirk Krampitz | Dirk Krampitz

Als ich hineinbeiße, merke ich: Er schmeckt mir weniger gut, als ich es mir gewünscht hätte. Die scharfe Soße ist – wie so oft – nicht scharf. Und noch bedauerlicher: Die Erbsenproteinstreifen haben keinerlei Röstaroma, die Konsistenz ist fast cremig. Vielleicht ist das aber auch dem Andrang zur Eröffnung geschuldet, weil die Grillzeit zu kurz ist. Ich werde es noch einmal versuchen. Aber nur, wenn die Schlange kurz ist.