Sie ist Berlins bekannteste Brücke: die Oberbaumbrücke. Die im neugotischen Backsteinstil erbaute und 1896 eröffnete Brücke führt zwischen Kreuzberg und Friedrichshain über die Spree, sie führt die U-Bahn-Linien U1/U3 zum Endbahnhof Warschauer Straße. Und jetzt führt die für Berlin so schicksalshafte Brücke auch zu wilden Spekulationen.

1945 wurde die Brücke von der Wehrmacht teilweise gesprengt, um den Vormarsch der sowjetischen Truppen zu verhindern. Auch die 34 Meter hohen Türme, nachempfunden dem Mitteltorturm der Stadtmauer in Prenzlau, wurden während des Zweiten Weltkriegs in Mitleidenschaft gezogen. 1967 hat die DDR die Türme wegen Einsturzgefahr gesprengt. Bereits ab 1963 war die Brücke Grenzübergang für Fußgänger zwischen Ost- und West-Berlin.

Oberbaumbrücke: Licht im Nordturm sorgt für Spekulationen

Nach der Wiedervereinigung wurde die Brücke bis 1995 umfassend wiederaufgebaut. Die U-Bahn fährt seit dem 16. Oktober 1995 wieder bis zur Warschauer Straße über die Oberbaumbrücke. Sie symbolisiert das Zusammenwachsen von Ost- und West-Berlin. Berühmt wurde sie nach der Sanierung, auch wenn über einige Jahre die bis 2001 noch eigenständigen Bezirke Friedrichshain und Kreuzberg sich auf der Brücke Schlachten mit fauligem Obst lieferten.

Im Nordturm der Oberbaumbrücke brennt Licht
Warum brennt im nördlichen Turm der Oberbaumbrücke Licht?© Dirk Krampitz | Dirk Krampitz

Seit einigen Tagen brennt im nördlichen Turm Licht. Die Tür zum Turm ist allerdings verschlossen und auf Klopfen reagiert niemand. Auf Social Media blühen die – vermutlich nicht ganz ernst gemeinten – Spekulationen: „Ist da jemand eingezogen?“, „Der Glöckner“, „Rapunzel“, vermuten einige. Einer verfasst einen spöttischen Kommentar angesichts der exorbitant steigenden Berliner Mieten und Mietwucher: „Ist jetzt ne Vierer-WG. 600 kalt pro Nase.“

Ein anderer macht seinem Ärger über die aus seiner Sicht offenbar mangelhafte Bewältigung des Glätte-Chaos Luft: „Da lagert Berlin seine Pläne, wie bei Schneefall zu verfahren ist, und jetzt lohnt es sich dann doch mal, die rauszusuchen.“

Brücke bleibt beleuchtet: Senatsverwaltung vermutet technischen Defekt

Doch was ist da wirklich los? Zuständig für die Brücke ist die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt. Dort ist man überrascht von der Anfrage der Morgenpost. Eine technische Prüfung im Bauwerk habe es nicht gegeben, heißt es. Es gebe keinen bekannten Grund, warum dort Licht brennen sollte. Es könne eigentlich nur ein technischer Fehler sein. Aber man will der Sache in den kommenden Tagen einmal fundiert nachgehen.