Unzulässig hohe Mieten sind in Berlin alles andere als ein Nischenproblem. 339 Berlinerinnen und Berliner haben bei der vor knapp einem Jahr geschaffenen Mietpreisprüfstelle ihren Mietvertrag überprüfen lassen – in 94 Prozent, beziehungsweise 320 Fällen, ergab die Überprüfung eine unzulässig hohe Miete, die die im Mietspiegel ausgewiesene ortsübliche Vergleichsmiete um mehr als 20 Prozent übersteigt.
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Nur bei sechs Prozent, beziehungsweise in 16 Fällen, ergab die Überprüfung, dass die seit 2015 in Berlin geltende Mietpreisbremse eingehalten wurde. In 222 Fällen lag die Überschreitung sogar im strafbaren Bereich, weil eine sogenannte „Wuchermiete“ verlangt wurde, die die ortsübliche Vergleichsmiete um mehr als 50 Prozent übersteigt. Das geht aus den Daten hervor, die Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) am Montag im Stadtentwicklungsausschuss präsentierte.
Mietwucher in Berlin – Problemviertel identifiziert: Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow
Die Mietpreisprüfstelle des Landes gibt es seit März 2025. Mieterhaushalte können sich dort kostenlos beraten lassen, wenn sie annehmen, dass ihre Miete überhöht ist. Neben telefonischer Beratung gibt es bislang zwei Präsenzstandorte. Noch in diesem Monat, so Gaebler, werde eine dritte Beratungsstelle eingerichtet.
Die räumliche Verteilung der Beschwerden spiegelt die Problemlagen in der Stadt wider. Besonders viele Anfragen kommen aus den Bezirken Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow. Die Zuständigkeit für die Ahndung von Mietpreisüberhöhungen liegt bei den Bezirken-
Um die Arbeit in den Bezirken zu unterstützen, seien acht Regierungsinspektoren an die Bezirke abgeordnet worden, vier sollen im März folgen. Zusätzlich sollen 19 neue Beschäftigte ab April die Bezirke bei der Verfolgung von Mietpreisüberhöhungen unterstützen. Die Auswahlgespräche für diese Stellen finden Ende Februar statt. Die Mietpreisprüfstelle selbst wird ausgebaut, denn der Bedarf sei weiter hoch: „Von 130 Anfragen im Januar 2026 zeigen wieder nur sehr wenige zulässige Mietpreise“, sagte Sandra Obermeyer, zuständige Abteilungsleiterin in der Senatsverwaltung.
Hunderte Verfahren wegen Mietpreisüberhöhung eingeleitet
Friedrichshain-Kreuzberg gilt als Vorreiter bei der konsequenten Verfolgung von Verstößen. „Die überprüften Mieten liegen teils 100 bis 150 Prozent über Mietspiegel“, berichtete Regine Sommer-Wetter (Linke), Stadträtin für Soziales in Friedrichshain-Kreuzberg, von den Erfahrungen im Bezirk. Der erste erfolgreiche Bußgeldbescheid ihres Bezirks erging im Oktober 2025. Seit Januar 2026 liegt auch das erste Gerichtsurteil vor – ein wichtiges Signal für Mieter und eine Warnung an unseriöse Vermieter, so die Stadträtin.
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Aktuell seien allein in Friedrichshain-Kreuzberg über 300 Verfahren in der Amtsermittlung wegen Verdachts auf Mietpreisüberhöhung. Zusätzlich liegen fast 600 weitere Anzeigen vor, von denen bereits 17 in der Anhörung sind. Allerdings sei die gerichtliche Verfolgung langwierig: „Von der ersten Anzeige bis zum Gerichtsurteil vergeht im Schnitt ein ganzes Jahr“, sagte Sommer-Wetter.

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Der hohe Zeitaufwand erkläre sich durch die aufwendige Beweisführung: Jeder Fall erfordere Wohnungsbesichtigungen, detaillierte Prüfungen und eine umfangreiche Dokumentation. „Die angekündigten zusätzlichen Stellen vom Land würden in den Bezirken daher dankbar aufgenommen.






