Claudia Schiffer nennt ihn ihren Lieblingsmaler, Don McLean widmete ihm den berühmten Evergreen „Starry, Starry Night (Vincent)“. Wenig andere Maler erzielen heute derart hohe Preise auf dem Kunstmarkt, kaum ein anderer Künstler bewegte die Gemüter so sehr wie Vincent Van Gogh.
Schauspiel-Legenden wie Kirk Douglas oder Willem Dafoe verkörperten ihn, zuletzt sorgte der animierte Krimi „Loving Vincent“ für Furore, der auf Gemälden Van Goghs basiert. Am Freitag startet nun in Berlin eine brandneue Show auf dem RAW-Gelände: „Vincent – Zwischen Wahn und Wunder.“ Die Morgenpost sprach nach der Preview mit dem Kreativdirektor der immersiven Show, die am 26. September ihre Weltpremiere feiert.
Ex-Tänzer mit Broadway-Erfahrung erdachte Show

Kreativdirektor Mitch Sebastian hat sich die immersive Show ausgedacht, die ab Freitag auf dem RAW-Gelände zu bestaunen ist. Sein Drehbuch ähnelt dem eines Animationsfilms und umfasst etwa 100 Seiten. Vier Monate lang recherchierte er über das Leben und Werk Vincent van Goghs, las seine Briefe. Sebastian war ursprünglich Balletttänzer in London, bevor er Theaterstücke für den Broadway und Londoner West End Shows, sowie Bühnenshows für Stars wie die Spice Girls oder Destiny‘s Child entwarf.
Vincents Emotionen visuell umgesetzt

„Die meisten Ideen bekam ich beim Spaziergang mit meinem Hund unter einem Baum, den ich später Vincent‘s Baum nannte“, lacht Mitch Sebastian. Der Ire lebt derzeit am Stadtrand von Zürich und ist sicher: „Die Lebensgeschichte von Vincent ist eine Geschichte über Liebe und Hingabe. Theo hat ihm die Freiheit gegeben, zu malen und sich als Künstler zu entwickeln. Er glaubte fest an seinen Bruder.“ Doch trotz Vincents kompletter Hingabe an die Kunst, die etwa zehn Jahre dauerte, sei der Durchbruch als Künstler ausgeblieben, so dass Vincent sich wie eine Last gefühlt habe.

An der Umsetzung der immersiven Show war ein Team aus 25 Menschen beteiligt – vom Kreativdirektor und Drehbuchautor, über einen Graphic Artist bis hin zum Sounddesigner. Damit Besucher mit Vincent Van Gogh in den Dialog treten können, wurden mehrere KIs genutzt, die einander trainiert haben. Das Ergebnis sind erstaunlich lebensechte Antworten, die ein animiertes Selbstporträt von Van Gogh mit sanfter Stimme spricht.
Immersive Show "Vincent- Zwischen Wahn und Wunder" ab 26.9. auf dem RAW Gelände Berlin pic.twitter.com/tG7J0GnB2u
— I. M. (@IrisflowerI) 25. September 2025
In einem Raum der Ausstellung werden Reproduktionen der teuersten Gemälde Van Goghs gezeigt. 2022 wurde sein Gemälde „Obstgarten mit Zypressen“ (Verger avec cyprès) für beeindruckende 117,18 Millionen US-Dollar versteigert – ein neuer Rekordwert für van Gogh. Das Kernstück der immersiven Ausstellung ist aber sicher der knapp 40-minütige, immersive Film, der das kurze, dramatische Leben von Vincent van Gogh in einer Art 3D-Clip visuell und musikalisch nacherzählt. Über einen Audioguide hören die Besucher Ausschnitte aus den Briefen Van Goghs, Pferdegetrappel und Stimmengewirr untermalen seine zwei Jahre im Pariser Künstlerviertel Montmartre, ein Stück von Coldplay ist ebenfalls in den Film integriert. Die leidenschaftlich-wilden Wolkengemälde zerfallen in Pixel, die das Chaos in Vincents Kopf in seinen letzten Tagen visuell erfahrbar machen.
Die wichtige Rolle der Schwägerin

„Er war ein intensiver Mensch, für den Farben lebendige Wesen waren“, sagt eine weibliche Stimme, die sich als „Jo“, vorstellt. In der immersiven Show „Vincent – Zwischen Wahn und Wunder“ werden die Besucher zu Beginn von Van Goghs Schwägerin Johanna van Gogh-Bonger an die Hand genommen, die im Alter von 24 Jahren völlig mittellos und allein mit einem Kleinkind zurückblieb, nachdem Ehemann und Schwager kurz hintereinander verstorben waren. 1890 hatte Vincent im Alter von nur 37 Jahren seinem Leben ein Ende gesetzt. Sechs Monate nach Vincent verstarb auch Theo an den Folgen der Syphilis.
Johanna van Gogh-Bonger, genannt „Jo“, kennt heute kaum jemand. Dabei war sie es, die Vincent Van Gogh zur Ikone machte. Sie erbte 1891 seinen Nachlass aus rund 400 Gemälden, die damals niemand als wirklich wertvoll erachtete. Sie glaubte jedoch fest daran, dass sich dies eines Tages ändern würde.
Statt sich der Trauer und Verzweiflung über ihre prekäre Lage hinzugeben, verkaufte sie im Laufe ihres Lebens mehr als 250 von Van Goghs Kunstwerken in aller Welt. 1905 organisierte sie eine Ausstellung seiner Werke in Amsterdam und legte damit den Grundstein für seinen Weltruhm. 1914 veröffentlichte sie den Briefwechsel von Theo und Vincent und steigerte damit noch einmal seinen Wert.
„Vincent – Zwischen Wahn und Wunder“, immersive Art Show, ca. 75 Minuten, 26. September 2025 bis 11. Januar 2026, täglich 10 bis 20 Uhr, New Media Art Center, RAW-Gelände, Revaler Str. 99, 10245 Berlin, Tickets ab 20 Euro.
Transparenzhinweis: Die Show im New Media Art Center ist Medienpartner der Berliner Morgenpost.



