• In Berlin-Friedrichshain kommt es heute zu einer Bombenentschärfung
  • Die Polizei richtet einen Sperrkreis ein. Anwohner müssen ihre Wohnungen verlassen
  • Zwischen Ostbahnhof und Alexanderplatz fährt keine S-Bahn

Berlin. Es war für viele Anwohner eine böse Überraschung. Wie sich am Mittwoch in ihrem Viertel am Ostbahnhof in Friedrichshain herumsprach, kommt es am Donnerstag wenige Schritte von ihrer Haustür zu einer Bombenentschärfung. Der Sperrkreis von 350 Metern wird ab 8 Uhr eingerichtet.

Die etwa 100 Kilogramm schwere Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg war am Dienstag auf einem Baugrundstück entdeckt worden. Das Areal befindet sich zwischen Krautstraße, Lange Straße, Andreasstraße und einem Bahndamm.

Bombenentschärfung heute in Berlin: Nichts geht mehr am Ostbahnhof

Die Polizei kündigte an, dass Donnerstag von etwa 11 bis 14 Uhr zwischen Ostbahnhof und Alexanderplatz keine S-Bahnen fahren. Bei einer Entschärfung wird der Zünder entfernt oder zerstört. Entschärfte Bomben kommen zum Sprengplatz Grunewald, um dort kontrolliert gesprengt zu werden.

Regionalzüge, ICEs und ICs der Deutschen Bahn sollen umgeleitet werden. Man erwartet, dass die Bombe gegen 14 Uhr entschärft ist und die Sperrungen beendet werden können. Neben den Wohngebäuden schließt der Sperrkreis auch eine Schule und eine Kita ein. Der etwa 500 Meter entfernte Ostbahnhof ist nicht betroffen.

Bombenentschärfung: Das ist der Sperrkreis

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  • Singerstraße 19-29
  • Andreasstraße 20-21
  • Langestraße 74-79
  • Koppenstraße 93
  • südliches Spreeufer zwischen Schillingbrücke und Michaelbrücke
  • Michaelbrücke bis zur Lichtenberger Straße 40-41

Die Bombe wurde bei Bauarbeiten an der Krautstraße entdeckt

Vor Ort hatte sich der Bombenfund am Mittwochvormittag bereits herumgesprochen. Eine 82-jährige Anwohnerin war durch Nachbarn informiert worden und nun von ihrem zwei Straßen weiter gelegenen Wohnhaus zum Fundort gekommen. Es ist eine großflächige Baustelle für ein lang angekündigtes Gebäude-Projekt mit dem Schwerpunkt Gewerbe eines privaten Unternehmens. Auch eine Schule war hier vorübergehend geplant. Allerdings waren dem Bezirk dafür von Senatsseite letztlich die Mittel verwehrt worden. Am Mittwochvormittag sicherte die Besatzung eines Polizeiwagens das Gelände.

An das Baugrundstück grenzt eine Reihe 60er-Jahre Hochhäuser an schmalen, kaum befahrenen Straßen. Viele Gebäude sind im Besitz der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft WBM. Die 82-Jährige Anwohnerin berichtete, schon zu DDR-Zeiten seien im Viertel bei Bauarbeiten oft Bomben gefunden und entschärft worden, etwa vor der Errichtung der Schwimmhalle Holzmarktstraße. Sie selbst lebt seit 1965 im Kiez. Die Umgebung mit Ostbahnhof mit wichtigen Zugverbindungen, Gleisanlagen und dem nahen Reichsbahnausbesserungswerk – dem heutigen RAW-Gelände – waren wesentliche Ziele für die Bombardierungen durch die Alliierten im Zweiten Weltkrieg.

Auf dieser Baustelle in Friedrichshain wurde die Bombe gefunden.
Auf dieser Baustelle in Friedrichshain wurde die Bombe gefunden.© Patrick Goldstein

Wegen der Entschärfung ruht nebenan der Baubetrieb

Angrenzend an den Fundort befindet sich ein mehr als zehnstöckiges Bauvorhaben mit sogenannten Microapartments. Auf der Baustelle besprach Oberbauleiter Matthias Krüger von der Schrobsdorff Bau AG am Mittag telefonisch den weiteren Fortgang. 70 Arbeiter sind dort beschäftigt. Krüger sagte, sie würden am Mittwoch informiert, dass sie am kommenden Tag nicht zum Dienst erscheinen müssen. In diesem Fall werden sie sich in Rufbereitschaft halten, so Krüger. In Folge des Bombenfundes rechnete Krüger nun mit einer Verzögerung des Bauablaufs. Das sorgt am Ende für höhere Kosten, weil etwa länger Mieten für die Baustellennutzung gezahlt werden müssen.

Auf den Straßen des Viertels war die Entschärfung am Mittwoch Thema Nummer Eins. Die 48 Jahre alte Janine war mit ihrer 74-jährigen Mutter unterwegs. Die Seniorin erzählte, in der Vergangenheit sei es dort schon vorgekommen, dass morgens um acht Uhr Polizei vor der Tür stand und wegen eines Bombenfundes die Mieter herausholte. „Alles liegenlassen, nur Hunde und Katzen können mit“, habe es geheißen.

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Anwohner können während der Entschärfung in die Mercedes-Benz Arena

Tochter Janine sagte, sie werde ihre wichtigsten Unterlagen nun schon mal am Vorabend ins Auto bringen. „Falls es doch zur Explosion kommt.“ Ihre Kinder seien während der Entschärfung glücklicherweise in der Schule. „Aber den Plan, am Donnerstag Homeoffice zu machen, kann mein Mann wohl aufgeben“, sagte sie.

S-Bahngäste sind angehalten, das Gebiet zu umfahren. Ersatzverkehr gibt es nicht. Regionalzüge werden über Gesundbrunnen umgeleitet, viele Bahnhöfe in der Innenstadt werden nicht angefahren. Fahrgäste sollten sich im Internet informieren. Der Fernverkehr wird über den Hauptbahnhof umgeleitet.

mit dpa