Seit Ende August dürfte Polizeihauptkommissar Karsten B. vielen Menschen in Deutschland bekannt sein. Als Hunderte Corona-Leugner die Absperrung vor dem Reichstag überwanden und die Treppen empor rannten, war er es, der die Demonstranten aufhielt. Bilder von ihm, wie er sich allein den Demonstranten entgegenstellte, wurden zehntausendfach im Internet geteilt. Für seinen mutigen Einsatz wurde B. mit zwei weiteren Polizisten im Nachhinein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) im Schloss Bellevue empfangen und ausgezeichnet.

Nun ist der Hauptkommissar als Teil einer Alarmhundertschaft wieder im Einsatz. Wieder geht es darum, was der Rechtsstaat zulassen kann und wie er mit denen umgeht, die sich widersetzen. Nur dieses Mal ist der Polizist an der Liebigstraße in Friedrichshain im Einsatz.

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Am Dienstag fand vor dem Haus eine Pressekonferenz statt. Drei Tage vor der geplanten Räumung durch die Polizei haben die Bewohner und Bewohnerinnen massiven Widerstand angekündigt. Eine Bewohnerin verlas eine Erklärung. Sie sagte: „Wir werden dieses Haus nicht freiwillig hergeben.“ Die Liebigstraße sei einer der letzten Rückzugsräume in Berlin und „Sand im Getriebe“ der fortschreitenden Gentrifizierung.

Neben der Bewohnerin saß eine Frau in einem Dinosaurierkostüm. Sie trug eine Sturmhaube und einen Motorradhelm. Die Polizei erkannte darin eine unerlaubte Vermummung und einen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz – und nahm die Frau kurzerhand fest, um ihre Personalien festzustellen. Zwischenzeitlich bewachten vier Beamte die Frau im Dinosaurierkostüm.

Der Anwalt des Hauses kritisierte die Maßnahme. Die Kostümierung sei Teil der Pressekonferenz und damit erlaubt gewesen. Der Anwalt sagte zudem, dass die Räumung illegal sei. Der Räumungsbescheid richte sich gegen einen Verein, der nicht mehr im Haus sei, sondern die Wohnungen längst an einen weiteren Verein untervermietet habe. Der geplante große Polizeieinsatz sei während der Corona-Pandemie zudem zu gefährlich.

Die Bewohnerinnen des Hauses bezeichnen sich selbst als „anarcha-queer-feministisches Hausprojekt Liebig 34“. Das Haus gilt als eines der letzten Symbolprojekte der linksradikalen Szene in Berlin und soll am Freitagmorgen geräumt werden. Dagegen kündigt die Szene seit Langem heftigen Widerstand an. In vielen Städten und auch im Ausland rufen Initiativen zu Protesten in Berlin auf und kündigen Aktionen an.

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Die Polizei bereitet sich unterdessen auf einen der größten Einsätze der jüngeren Geschichte vor. Mehr als 2500 Polizisten, darunter auch Spezialeinheiten und Wasserwerfer, werden im Einsatz sein.

Räumung der Liebig 34 - Lesen Sie auch: