Nicht zuletzt durch die in Teilen von Linksautonomen bewohnten, teils besetzten Häuser an Rigaer- und Liebigstraße gehört Friedrichshain nicht unbedingt zu den ruhigeren Gegenden Berlins. Aber ein Vorfall am 24. Januar dieses Jahres schob wohl wie kein zweiter einen Keil zwischen die linke Szene und die Berliner Polizei. Am frühen Morgen dieses Tages starb Maria B. in ihrer Wohnung an der Grünberger Straße. Eine Kugel aus der Dienstwaffe eines Beamten traf die 33-Jährige gegen vier Uhr in die Brust. Ärztliche Hilfe kam zu spät, sie war sofort tot.

Der Beamte, ein damals 28 Jahre alter Polizeimeister, ist inzwischen von allen Vorwürfen entlastet. Ein routinemäßig eingeleitetes Ermittlungsverfahren wurde laut Staatsanwaltschaft eingestellt. „Der ermittelnde Oberstaatsanwalt ist zu dem Ergebnis gekommen, dass der Schuss gegen die aufgebrachte Person nicht vermeidbar war“, sagt Sprecherin Mona Lorenz. Maria B. sei mit einem Messer auf den Beamten losgegangen, der aus Notwehr schoss. Alle Zeugenaussagen seien deckungsgleich gewesen. Dazu gehöre auch die des Mitbewohners. Er hatte im Vorfeld die Polizei gerufen, weil Maria B. ihn mit dem Messer bedroht und sich dann in ihr Zimmer eingeschlossen haben soll.

Linke Szene will am Freitag durch Friedrichshain ziehen

Für die linke Szene steht allerdings fest, dass es Mord war. Sie will in Gedenken an Maria B. am Freitag, genau ein halbes Jahr nach ihrem Tod, durch Friedrichshain ziehen. Im Internet wird dazu aufgerufen, sich um 17 Uhr auf dem Boxhagener Platz zu versammeln. Ab 18 Uhr wolle man dann durch den Südkiez ziehen. Die Versammlung wurde laut eines Polizeisprechers mit 100 Teilnehmern angemeldet.

Bei einer ersten Demonstration Ende Januar wenige Tage nach dem Vorfall kam es zu einzelnen Zusammenstößen zwischen Polizisten und Protestierenden. 21 Menschen wurden festgenommen und 44 angezeigt. Der Polizeisprecher lässt offen, was dieses Mal zu erwarten ist. „Wir gehen immer davon aus, dass angemeldete Versammlungen friedlich ist.“ Der Zug soll wie auch damals an der Wohnung der Getöteten vorbeiziehen. Auch der Polizeiabschnitt 51 an der Wedekindstraße, auf dem der Beamte stationiert ist, liegt auf der Route. Gegen 21 Uhr soll am Frankfurter Tor eine Abschlusskundgebung stattfinden.