Demonstration

Linken-Demo in Friedrichshain: 21 Festnahmen

Der linke Protest zog am Haus von Maria B. vorbei, die von einem Polizisten erschossen wurde. Zusammenstöße gab es an der Rigaer Straße

Linke ziehen durch Friedrichshain
Beschreibung anzeigen

Berlin. Die linke Szene der Hauptstadt machte am Freitagabend mobil. Laut Polizei demonstrierten mehr als 1000 Teilnehmer in Friedrichshain. Sie protestierten gegen Polizeigewalt und den Polizeikongress, der in der kommenden Woche in Berlin stattfinden soll. Im Laufe des Abends seien insgesamt 21 Personen festgenommen worden, sagte die Polizei am Sonnabend.

Darüber hinaus habe man 44 Strafanzeigen gestellt - darunter wegen Landfriedensbruchs, Verstößen gegen das Versammlungsgesetz (Vermummung) sowie gegen das Sprengstoffgesetz, Widerstands, Beleidigung, Sachbeschädigung, Körperverletzung und tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte. Drei Polizisten wurden demnach leicht verletzt, konnten aber im Dienst bleiben. Die Polizei war nach eigenen Angaben mit insgesamt 800 Kräften im Einsatz.

Festnahme während Demonstration in Friedrichshain
Festnahme während Demonstration in Friedrichshain

Friedrichshain: Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten

Auch nachdem die Demonstration um 22.41 Uhr am Bahnhof Ostkreuz beendet wurde, kam es vereinzelt zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und linken Demonstranten. Diese setzten sich bis in die Nacht fort. Angaben von vor Ort zufolge flogen Steine aus dem besetzten Haus der Rigaer Straße 94. Diese seien laut Polizei auch auf Beamte sowie Einsatzfahrzeuge geworfen worden. Demnach wurde ein Polizist verletzt, konnte aber im Dienst bleiben. Vier Polizei- und sechs geparkte Fahrzeuge sollen beschädigt worden sein.

Eine 19-Jährige und ein 22-Jähriger seien wegen des tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte festgenommen - der 19-Jährige außerdem wegen versuchter Gefangenenbefreiung. Insgesamt habe man zehn Strafanzeigen auch wegen besonders schwerem Landfriedensbruch und Sachbeschädigung gefertigt. Der Staatsschutz beim Landeskriminalamt ermittelt. Die Lage soll sich laut Augenzeugen erst gegen 2.30 Uhr wieder beruhigt haben.

Linke protestieren in Friedrichshain: Blumen vor Haus an Grünberger Straße niedergelegt

Der Protestabend begann um 20 Uhr am Wismarplatz. Nach mehreren Kundgebungen aus einem Lautsprecherwagen setzte sich der Zug um 20.52 Uhr in Bewegung. Erstes Ziel war das Haus an der Grünberger Straße 46. Dort erschoss ein Polizeibeamter am 24. Januar die 33 Jahre alte Maria B. Während die Polizei von Notwehr ausgeht, sprachen die Demonstranten von „Mord“ und einer „Hinrichtung“.

Die Demonstration sollte ursprünglich als reiner Protest gegen den Polizeikongress durch Neukölln ziehen, wurde jedoch wegen des Vorfalls nach Friedrichshain verlegt. Es gelang uns, den Zug weitestgehend störungsfrei über die vorgegebene Strecke zu führen“, sagte Polizeisprecher Martin Halweg am Freitagabend.

Vor dem Haus von Maria B. stellten die Demonstranten Kerzen ab und legten Blumen nieder. „Wir haben uns insbesondere aus Pietätsgründen in der Grünberger Straße zurückgehalten und auf die Begleitung verzichtet“, sagte Polizeisprecher Halweg. Man habe den Teilnehmern die Möglichkeit einräumen wollen, zu trauern. Tatsächlich war zu beobachten, wie die Polizei ihre Präsenz in der Grünberger Straße erkennbar zurückfuhr.

Aus der Demonstration wurde während der ganzen Zeit wiederholt Bengalos und Böller gezündet. Wiederholt wurden die Teilnehmer von der Polizei über Durchsagen dazu aufgefordert, das Abbrennen von Pyrotechnik zu unterlassen und sich nicht zu vermummen.

Linke demonstrieren - Vereinzelt Pyrotechnik gezündet
Linke demonstrieren - Vereinzelt Pyrotechnik gezündet

Vor der Polizeiwache an der Wedekindstraße, wo der Beamte stationiert sein soll, der den tödlichen Schuss abgegeben hat, sicherten mehrere Dutzend behelmte Polizisten das Gebäude. Die Demonstranten zogen vorbei und riefen laut "Mörder!", "Blut an euren Händen!" oder "Ganz Berlin hasst die Polizei!".

Ab der Gubener Straße wurde der Protestzug dann von beiden Seiten von der Polizei begleitet. In der Folge kam es immer wieder zu verbalen Angriffen, aber auch körperlichen Attacken auf die Beamten, unter anderem mit Regenschirmen. Zurück am Wismarplatz wurde der Zug für etwa zehn Minuten gestoppt und es kam zu ersten Festnahmen. Demonstranten haben laut Polizei zuvor versucht, eine Einsatzkraft in den Aufzug zu ziehen. "Dies konnte durch den Einsatz einfacher körperlicher Gewalt verhindert werden", hieß es am Sonnabend.

Linken-Demo in Friedrichshain: Polizist soll gegen Helm getreten worden sein

Bei weiteren Attacken sei einer Polizeikraft auch gegen den getragenen Helm getreten worden. An der Simon-Dach-Straße haben Protestler außerdem auf mehrere geparkte Fahrzeuge geschlagen. Diese seien laut Polizei schwer beschädigt worden. Die Polizei war auch mit Hunden im Einsatz. Am Ende der Demonstration zählte die Polizei nur noch weniger als 300 Teilnehmer.

Während der Demonstration wurden mehrere Straßen, darunter auch die Warschauer Straße, immer wieder kurzfristig gesperrt. Die Buslinie 204 wurde umgeleitet und die Tram 21 zwischen Marktstraße und Bersarinplatz unterbrochen.

Mehrere mutmaßlich linke Anschläge in einer Woche

In den vergangenen Tagen häuften sich bereits links-motivierte Anschläge in Berlin. In der Nacht zu Freitag wurde auf drei Autos des Stahlkonzerns Thyssenkrupp vermutlich von Linksextremisten Brandanschläge verübt. Fast gleichzeitig wurden in verschiedenen Stadtteilen die Fahrzeuge in Brand gesteckt. Auf einer linksradikalen Internetseite veröffentlichten anonyme Autoren ein mutmaßliches Bekennerschreiben.

In der Nacht zu Donnerstag gab es mindestens fünf Anschläge. Drei davon stehen augenscheinlich in direkter Verbindung zur Verhandlung Räumungsklage gegen das linke Hausprojekt „Liebig34“. Am Donnerstagmorgen fanden sich auch Farbschmierereien am Parteibüro des AfD-Politikers und fraktionslosen Abgeordneten Andreas Wild in Lichterfelde. Gleichzeitig wurden die Scheiben des Wahlkreisbüros des Berliner CDU-Abgeordneten Stephan Lenz in Prenzlauer Berg eingeschlagen. Lenz gehöre als Mitglied des Präsidiums des Berliner Abgeordnetenhauses „aus Prenzlauer Berg verdrängt“, heißt es in einem radikalen Bekennerschreiben, das den Anschlag zu begründen versucht.

Auch die Fenster des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg an der Frankfurter Allee wurde zum Anfang der Woche beschädigt und beschmiert und der Bezirk bedroht. Die Bezirksverordnetenversammlung tagte daher am Mittwoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

In einer früheren Version bezeichneten wir Andreas Wild als "Ex-AfD-Abgeordneten". Er ist nach wie vor Mitglied der Partei, aber nicht mehr der Fraktion.